KI-Kapital dreht auf: Von Code zu Chips – wer jetzt wirklich gewinnt

KI verändert Märkte: Software unter Druck, Infrastruktur gefragt. Experten sehen Chancen – aber mit klar unterschiedlichen Schwerpunkten.

Der KI-Zyklus tritt in eine neue Phase ein – und verschiebt laut Zachary Gill von Jennison sowie Ritu Vohora von T. Rowe Price die Kräfteverhältnisse an den Kapitalmärkten spürbar. Einigkeit herrscht vor allem in einem Punkt: Wertschöpfung wandert weg von reiner Software hin zu Infrastruktur, Daten und physischer KI-Architektur.

Gill beschreibt den Wandel grundlegend: ‚KI ist die neue Software‘ – klassische, regelbasierte Anwendungen würden zunehmend durch kontextbezogene Systeme ersetzt. Gleichzeitig entstünden klare Gewinner und Verlierer. Besonders unter Druck sieht er traditionelle lizenzbasierte Software und Teile des SaaS-Sektors, während sogenannte Enabler wie Daten- und Sicherheitsplattformen profitieren dürften.

Ritu Vohora

Auch Vohora beobachtet eine Neubewertung, geht jedoch einen Schritt weiter: Für sie verschiebt sich Kapital strukturell in Richtung ‚Hard Tech‘ und ‚Hard Power‘. Gemeint sind insbesondere Halbleiter, Rechenzentren, Energie und Verteidigung. Die KI-Euphorie habe sich vom Hype hin zu kapitalintensiven Realinvestitionen entwickelt – mit Investitionen, die perspektivisch bis zu 2% des US-BIP erreichen könnten.

Unterschiede zeigen sich vor allem bei Software: Während Gill davon ausgeht, dass sich etablierte Anbieter wie große Plattformen anpassen und langfristig relevant bleiben, betont Vohora die strukturelle Disruption: Sinkende Entwicklungskosten durch KI erhöhten den Wettbewerb massiv und stellten Geschäftsmodelle infrage. Nur Anbieter mit kritischen Daten, starker Integration oder hoher Systemrelevanz dürften bestehen.

KI und Infrastruktur

Massiver Ausbau der KI-Infrastruktur

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Wettbewerbsdynamik im KI-Markt. Gill sieht Vorteile bei Plattformen mit starken Ökosystemen und Vertrauen – etwa durch bestehende Nutzerbeziehungen und Datenzugang. Entscheidend seien weniger einzelne Modelle als vielmehr Integration, Nutzererlebnis und Funktionalität. Vohora hingegen rückt stärker die Kapitalflüsse in den Fokus: Die größten Chancen entstünden dort, wo massiv investiert werde – insbesondere entlang der physischen Wertschöpfungskette.

Beide Experten stimmen darin überein, dass die Margen unter Druck geraten. Gill verweist auf steigende Kosten für KI-Implementierung und Inferenz, während Vohora sinkende Margen durch hohe Investitionsausgaben bei gleichzeitig wachsendem Wettbewerb betont. Gleichzeitig eröffne der Boom neue Finanzierungsmodelle – von Partnerschaften bis hin zu kapitalmarktgetriebenen Infrastrukturprojekten.

Einigkeit besteht auch beim Blick nach vorn: KI-Infrastruktur, Halbleiter und Rechenleistung bleiben zentrale Engpässe – und damit Investmentchancen. Gill hebt insbesondere die wachsende Bedeutung der Inferenz hervor, während Vohora zusätzlich auf Rohstoffe, Energie und Industriekapazitäten als Profiteure verweist.

Zachary Gill

Fazit: Der KI-Markt wird differenzierter. Während Gill stärker auf Software-Transformation und Plattformökonomie fokussiert, sieht Vohora eine breitere Makroverschiebung hin zu realen Assets. Für Anleger bedeutet das: Nicht der KI-Trend an sich entscheidet – sondern die Position in der Wertschöpfungskette.

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