
Der Iran-Konflikt verschärft den Druck auf den Mittelstand – Resilienz wird laut CONDA-Experte Dirk Littig zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
Die Serie globaler Krisen zwingt den deutschen Mittelstand zu einem grundlegenden Umdenken. Dirk Littig, Co-CEO von CONDA, betont, externe Schocks seien längst kein temporäres Phänomen mehr, sondern eine dauerhafte Realität. Der aktuelle Iran-Konflikt treffe insbesondere die Energie- und Rohstoffversorgung – mit direkten Folgen für Kosten, Inflation und Finanzierung. Für KMU entstehe daraus ein doppelter Druck aus steigenden Ausgaben und schwächerer Nachfrage.
Ein zentraler Hebel für mehr Resilienz liege in stabileren Lieferketten. Laut Littig stoße das jahrzehntelang dominierende Effizienzmodell an seine Grenzen. Fehlende Transparenz über tieferliegende Zulieferstrukturen verschärfe die Risiken zusätzlich. Strategien wie Dual Sourcing und Nearshoring könnten helfen, Abhängigkeiten zu reduzieren und Produktionsausfälle zu vermeiden. Ergänzend gewinne die Kreislaufwirtschaft an Bedeutung: Durch Recycling und Wiederverwertung ließen sich Rohstoffabhängigkeiten verringern und Kosten stabilisieren – vorausgesetzt, politische Rahmenbedingungen unterstützen diesen Wandel.
Auch die Energieversorgung rücke zunehmend in den Fokus. Die Dekarbonisierung werde von vielen Mittelständlern nicht nur als ökologische Notwendigkeit, sondern als wirtschaftliche Chance verstanden. Modelle wie Microgrids oder intelligente Steuerungssysteme etwa durch Peak Shaving könnten Unternehmen unabhängiger von volatilen Energiemärkten machen. Gleichzeitig bleibe der Umbau kapitalintensiv und erfordere verlässliche Förderstrukturen sowie weniger Bürokratie.
Neben physischen Risiken gewinnt der digitale Schutz an Bedeutung. Die Zahl der Cyberangriffe sei zuletzt deutlich gestiegen, während Unternehmen verstärkt in IT-Sicherheit investieren. Dennoch bleibe die Abhängigkeit von großen Plattformen ein strukturelles Risiko. Littig zufolge sei daher eine stärkere digitale Souveränität auf europäischer Ebene notwendig, um kritische Infrastrukturen resilienter zu gestalten.
Schließlich rückt die Finanzierung in den Mittelpunkt: Steigende Inflation und mögliche Zinswenden könnten klassische Bankkredite verteuern und erschweren. Laut CONDA gewinnen daher alternative Instrumente wie Anleihen oder Nachrangkapital an Bedeutung. Sie ermöglichten flexiblere Strukturen, stärkten die Eigenkapitalbasis und verbesserten den Zugang zu Investoren.
Fazit: Der Mittelstand steht vor einem strukturellen Wandel. Effizienz allein reiche nicht mehr aus – gefragt sei eine umfassende Resilienzstrategie, die Energie, Lieferketten, Digitalisierung und Finanzierung gleichermaßen umfasst. Unternehmen, die diesen Wandel aktiv gestalten, könnten sich langfristig Wettbewerbsvorteile sichern.
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