KI-Blase? Anleger sollten auf Cashflow statt Hype achten

Nicht überbewertete KI-Aktien, sondern kreditfinanzierte Infrastrukturinvestitionen könnten zum eigentlichen Risiko werden.

Der aktuelle KI-Boom könnte weniger in einer Aktien- als vielmehr in einer Investitionsblase münden. Darauf weist Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM, hin. Anleger sollten deshalb künftig verstärkt auf freien Cashflow, Bilanzqualität und Verschuldung achten.

Nach Einschätzung Fischers greift der häufig gezogene Vergleich mit der Dotcom-Blase zu kurz. Die großen KI-Konzerne wie Nvidia, Microsoft, Alphabet und Meta erwirtschafteten bereits heute hohe Umsätze und Milliardengewinne. Das eigentliche Risiko liege vielmehr darin, dass der weltweite Wettbewerb um KI-Führerschaft enorme Investitionen in Rechenzentren, Chips, Energieversorgung und Netzwerkinfrastruktur auslöse, die zunehmend kreditfinanziert würden.

Sollte die Nachfrage nach KI-Anwendungen hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnten aus den milliardenschweren Investitionen Überkapazitäten und Fehlinvestitionen entstehen. Anders als eine reine Aktienblase könne eine Kreditblase Banken, Unternehmensfinanzierungen und damit die gesamte Realwirtschaft belasten.

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Als wichtigen Frühindikator nennt Fischer die Entwicklung der Credit Default Swaps (CDS). Steigende CDS-Spreads signalisierten höhere Ausfallrisiken und verteuerten zugleich die Refinanzierung der Unternehmen. Als Beispiel verweist er auf Oracle, dessen CDS zuletzt deutlich gestiegen seien.

Auch andere Technologiekonzerne erhöhten ihre Investitionen massiv. So wolle Alphabet in diesem Jahr rund 200 Mrd. USD in KI-Infrastruktur investieren. Trotz guter Quartalszahlen hätten Anleger die hohen Investitionsausgaben kritisch aufgenommen. Ähnlich habe Meta nach der Veröffentlichung seiner Zahlen zeitweise deutliche Kursverluste verzeichnet.

Nach Ansicht von Fischer unterscheidet sich KI grundlegend von klassischen Internet-Plattformmodellen, da jede zusätzliche KI-Anfrage laufende Kosten für Rechenleistung, Energie und Kühlung verursache. Deshalb rückten freier Cashflow und Kapitalrendite zunehmend in den Mittelpunkt der Unternehmensbewertung.

Thorsten Fischer, Moventum AM

Für Investoren gewännen damit insbesondere Bilanzqualität, Verschuldungsgrad, Refinanzierungskosten und die Fähigkeit zur Cashflow-Generierung an Bedeutung. Die entscheidende Frage sei künftig weniger, ob KI-Aktien teuer seien, sondern ob sich die milliardenschweren Infrastrukturinvestitionen langfristig wirtschaftlich amortisieren.

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