Kreisverkehr ins Ungewisse: Margen in der Autoindustrie unter Druck, Hoffnung auf den langen Zyklus

Quelle: BMW

Die europäische Autoindustrie kämpft wie gewohnt mit Margen –laut DJE-Analyst Mark Heinrichs könnte 2026 zum Wendepunkt werden.

Nach dem ‚Annus Horribilis‘ 2025 steht die europäische Autoindustrie weiter unter Druck. Mark Heinrichs von DJE beschreibt ein Zusammenspiel aus US-Zöllen, Elektromobilität und wachsendem Wettbewerb aus China, das die Margen massiv belastet habe. Die zentrale Frage: Ist der Tiefpunkt im Margenzyklus erreicht – oder droht weiterer Druck?

Ein wesentlicher Belastungsfaktor bleibt die US-Zollpolitik. Zölle von rund 15% könnten die EBIT-Margen der Hersteller um bis zu 2 Prozentpunkte drücken – ein erheblicher Effekt bei ohnehin niedrigen Margen. Gleichzeitig sorge die politische Unsicherheit für fehlende Planungssicherheit. Eine schnelle Entlastung sei nicht in Sicht, sodass 2026 zunächst von anhaltenden Belastungen geprägt bleiben dürfte.

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Auch regulatorisch bleibt das Umfeld schwierig. Die geplante Anpassung des europäischen ‚Verbrenner-Aus‘ könnte zwar etwas Flexibilität bringen, dürfte aber laut Heinrichs keinen spürbaren Margenimpuls liefern. Anders in den USA: Lockerere CO2-Vorgaben eröffneten Herstellern mit Verbrennerportfolio kurzfristige Chancen auf einen besseren Margenmix.

Im Wettbewerb mit China zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Einerseits schützen EU-Zölle vor importierten Elektrofahrzeugen, andererseits reagieren chinesische Anbieter mit lokaler Produktion und verstärktem Export von Hybridfahrzeugen. Diskussionen über Local-Content-Regeln könnten zwar europäische Zulieferer stärken, bergen aber das Risiko steigender Kosten für Hersteller. Ein klarer Vorteil für die Branche sei daraus bislang nicht abzuleiten.

Die Hoffnung liege daher stärker auf unternehmensinternen Maßnahmen. Neue Modelle und Kostensenkungsprogramme sollen die Profitabilität verbessern, insbesondere bei Elektrofahrzeugen (BEV). Ziel bleibt die Margenparität zwischen BEV und Verbrennern bis zum Ende des Jahrzehnts. Allerdings dürfte sich der Effekt erst ab 2027 voll entfalten, während kurzfristig weiterhin Einmaleffekte aus Restrukturierungen belasten könnten.

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Ein zentrales Risiko bleibt der Markt in China. Europäische Hersteller haben dort deutlich an Marktanteil verloren, zuletzt stabilisierten sich die Werte jedoch leicht. Erste regulatorische Eingriffe gegen aggressive Rabattmodelle könnten den Preisdruck etwas mindern. Dennoch bleibt China ein strukturelles Sorgenkind – wenn auch mit vorsichtigen Hoffnungsschimmern.

Zusätzliche Dynamik bringt das Thema autonomes Fahren. Als Anwendung von ‚Physical AI‘ eröffnet es neue Erlösquellen, etwa über Software-Features oder Abonnements. Gleichzeitig droht langfristig eine Verschiebung der Wertschöpfung hin zu Technologieplattformen. Hersteller könnten dadurch an Einfluss verlieren und stärker in die Rolle von Auftragsfertigern gedrängt werden.

Fazit

2026 dürfte für die Automobilindustrie ein Übergangsjahr bleiben. Kurzfristige Katalysatoren für steigende Margen fehlen, doch die strategischen Weichen sind gestellt. Die eigentliche Erholung dürfte schrittweise erfolgen – mit klaren Unterschieden zwischen den Herstellern.

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