
Aktive Fonds versprechen Überrendite – liefern sie aber selten. Eine Analyse zeigt: Gebühren fressen den Vorteil meist vollständig auf.
Aktive Fonds gelten vielen Anlegern als Königsweg zur Überrendite – doch die Realität sieht oft ernüchternd aus. Eine Analyse von Patrick Eugster* für ‚the market der Neue Zürcher Zeitung (NZZ) zeigt: Gerade im Schweizer Aktienmarkt schneiden viele aktiv gemanagte Produkte nach Kosten schlechter ab als einfache ETF-Lösungen.
Das Grundproblem: Mathematik und Gebühren
Das zentrale Versprechen aktiver Fonds ist klar: bessere Aktienauswahl, Timing und damit höhere Renditen. Doch die Wissenschaft widerspricht. Studien von Eugene Fama und Kenneth French zeigen, dass aktive und passive Strategien vor Kosten ähnlich abschneiden – nach Gebühren jedoch systematisch schlechter.
Der Grund ist simpel: Kosten. Während aktive Fonds häufig mehr als 1% pro Jahr verlangen, sind breite ETFs oft für rund 0,1% zu haben. Diese Differenz wirkt über Jahre wie ein Renditekiller.
Schweizer Realität: ETF schlägt Fonds
Eugsters Stichprobe von 14 Schweizer Aktienfonds bestätigt das Bild. Ein Investment in einen ETF auf den Swiss Performance Index hätte sich über zehn Jahre von 100 auf rund 203 gesteigert. Die aktiven Fonds blieben im Schnitt darunter – bei weniger als 190.
Besonders ernüchternd: Nur zwei Fonds konnten den ETF überhaupt schlagen. Gleichzeitig zeigt die Spannbreite der Ergebnisse die Unsicherheit – von 160 bis 237 reicht die Bandbreite.
Stock Picking hilft selten
Ein häufiges Gegenargument lautet: Man müsse nur den ‚richtigen‘ Fonds auswählen. Doch auch hier ist die Datenlage eindeutig: Studien wie die von Mark Carhart zeigen, dass Outperformance selten dauerhaft ist.
Selbst Top-Fonds können ihre Spitzenposition meist nicht halten. Die sogenannte Persistenz – also die Fähigkeit, dauerhaft besser zu sein – ist gering. Kurz gesagt: Vergangene Gewinner sind keine verlässlichen Zukunftsgewinner.
Wann aktive Fonds dennoch Sinn machen
Ganz abschreiben sollte man aktive Fonds dennoch nicht. In bestimmten Nischen – etwa bei Schwellenländern, Small Caps oder spezialisierten Strategien – können sie Mehrwert bieten. Auch zur gezielten Steuerung der bekannten Risiken von ETFs können aktive Ansätze sinnvoll sein.
Doch für die breite Masse der Anleger gilt: Ein kostengünstiger ETF auf einen breiten Index ist meist die robustere Lösung – nicht, weil er ‚cleverer‘ ist, sondern weil er effizienter arbeitet.
Fazit: Kosten schlagen Können
Die zentrale Erkenntnis ist unbequem: Nicht mangelnde Fähigkeiten der Fondsmanager sind das Problem, sondern die Gebührenstruktur. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, kommt an günstigen ETF kaum vorbei.
*) Die Analyse stammt von Patrick Eugster und erschien als Gastkommentar auf the market, einer Plattform der Neue Zürcher Zeitung. Eugster promovierte an der Uni Zürich in Finance und beschäftigt sich mit evidenzbasierten Anlagestrategien.
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