
Die Kriegskosten belasten Russlands Wirtschaft zunehmend – über Inflation, Steuern, Risiken und neue Sanktionen.
Der Krieg in der Ukraine hinterlässt nach Einschätzung von Alexandra Prokopenko und Alexander Kolyandr von The Bell immer tiefere Spuren in der russischen Wirtschaft. Die Kosten würden zunehmend auf Unternehmen und Bevölkerung verlagert – über Inflation, Steuern, wirtschaftliche Stagnation und steigende Risiken.
Besonders sichtbar werde dies am Versicherungsmarkt. Angesichts der zunehmenden ukrainischen Drohnenangriffe würden Versicherer große Industrieanlagen immer seltener gegen entsprechende Schäden absichern. Prominentestes Beispiel sei der Online-Marktplatz Wildberries, dessen Gründerin Tatjana Kim die Praxis öffentlich kritisierte.
Nach Angaben der Autoren belaufen sich die direkten Schäden durch Drohnenangriffe auf das Unternehmen auf mehr als 50 Mrd. Rubel oder ca. 0,7 Mrd. USD; hinzu kämen erhebliche Verluste zahlreicher Händler. Volkswirtschaftlich können viele hunderte solcher Schäden und die dadurch ausgelösten Folgekosten durchaus relevant werden.
Auch die Sanktionen gegen Russland werden weiter verschärft. Mit dem inzwischen 21. EU-Sanktionspaket wurden nach Angaben von The Bell weitere 170 Organisationen und 48 Personen auf die Sanktionsliste gesetzt. Zudem seien Vermögenswerte von 94 Banken eingefroren und die Preisobergrenze für russisches Öl auf rund 44 USD je Barrel gesenkt worden.
Erstmals richten sich die Maßnahmen auch verstärkt gegen Unternehmen außerhalb Russlands. Insgesamt 51 Organisationen aus Ländern wie China, Hongkong, Indien, Kasachstan, Kirgisistan, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden wegen mutmaßlicher Lieferungen von Dual-Use-Gütern und Halbleitertechnik mit Exportbeschränkungen belegt. Peking reagierte darauf binnen eines Tages mit eigenen Exportkontrollen gegen europäische Organisationen.
Unter Druck gerät inzwischen auch der Rubel. Der außerbörsliche US-Dollar-Kurs überschritt Ende Juli erstmals seit April wieder die Marke von 80 Rubel. Als Ursachen nennen die Autoren das Ende der Steuerperiode, geringere Exporterlöse sowie die Sorge vor weiteren US-Sanktionen. Der schwächere Rubel dürfte den Inflationsdruck zusätzlich erhöhen und die wirtschaftlichen Belastungen für Unternehmen und Verbraucher weiter verstärken.
The Bell ist ein unabhängiges russisches Wirtschaftsmedium im Exil und analysiert regelmäßig die wirtschaftlichen Folgen des Krieges sowie die Auswirkungen internationaler Sanktionen. Alexandra Prokopenko und Alexander Kolyandr zählen zu den profilierten Autoren des Mediums mit Schwerpunkt russische Wirtschafts- und Finanzpolitik.
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