Ölpreis zwischen Hormus und OPEC+, ab 2027 drohender Angebotsüberschuss

Der Ölpreis bleibt laut Eurizon kurzfristig von den Spannungen rund um die Straße von Hormus getrieben. Mittelfristig könnte jedoch ein deutlicher Angebotsüberschuss den Markt wieder entspannen.

Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen prägen nach Einschätzung von Eurizon derzeit vor allem den Ölmarkt. Während die Blockade der Straße von Hormus die Preise kurzfristig stütze, könnten bereits ab 2027 strukturelle Veränderungen auf der Angebotsseite zu einer Überversorgung führen.

Nach Ansicht der Experten bleibe das wirtschaftliche Umfeld insgesamt stabil. Das Wachstum in den USA sei weiterhin robust, während die Eurozone langsamer, aber positiv wachse. Die zuletzt nachlassende Inflation könne durch steigende Energiepreise allerdings wieder gebremst werden. Entsprechend rechneten die Geldmärkte sowohl für die EZB als auch für die US-Notenbank FED bis Ende des Jahres sowie nochmals 2027 mit Zinserhöhungen.

Für Anleger seien Staatsanleihen trotz ihrer erhöhten Volatilität weiterhin interessant. Die höheren Kupons lägen über der mittelfristig erwarteten Inflation. Auch Unternehmensanleihen böten angesichts stabiler Risikoaufschläge weiterhin attraktive Zusatzrenditen.

Auf der Suche nach dem richtigen Ölpreis...

Im Mittelpunkt der Analyse steht jedoch der Ölmarkt. Nach Einschätzung von Eurizon ist die OPEC+ durch den Konflikt im Persischen Golf geschwächt worden. Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus dem Förderbündnis sowie höhere Förderambitionen des Irak könnten die bisherige Förderdisziplin dauerhaft untergraben. Gleichzeitig hätten zahlreiche Produzenten ihre Förderung bereits über die vereinbarten Quoten hinaus ausgeweitet.

Kurzfristig dürfte der Ölpreis deshalb volatil bleiben. Niedrige Lagerbestände in den OECD-Staaten begrenzten derzeit die Fähigkeit des Marktes, weitere Angebotsausfälle auszugleichen. Gleichzeitig wirke die Nachfrageentwicklung in China preisdämpfend. Nach Darstellung von Eurizon reduziere China seine Käufe deutlich, sobald der Ölpreis über 80 USD je Barrel steige. Zwischen März und Juni seien die chinesischen Ölimporte bereits um rund die Hälfte zurückgegangen.

Mittelfristig erwarten die Experten jedoch eine Normalisierung. Mit einer Wiederaufnahme bislang blockierter Exporte sowie zusätzlichen Produktionsmengen aus OPEC+- und Nicht-OPEC-Ländern könnte sich das Angebot deutlich ausweiten. Für das Frühjahr 2027 hält Eurizon einen Angebotsüberschuss von rund 4 Mio. Barrel pro Tag für möglich. Voraussetzung sei allerdings eine Entspannung der geopolitischen Lage.

Für verschiedene Preisniveaus skizzieren die Analysten unterschiedliche Marktreaktionen. Bei einem Ölpreis unter 50 USD könnte die US-Schieferölindustrie unter Druck geraten. Zwischen 50 und 65 USD dürfte China seine strategischen Reserven verstärkt auffüllen. Die Spanne zwischen 65 und 80 USD sehen die Experten als langfristigen Gleichgewichtsbereich. Oberhalb von 80 USD würden hohe Produzentenrenditen zunehmend durch eine schwächere chinesische Nachfrage begrenzt. Preise von mehr als 100 USD je Barrel könnten dagegen sowohl politischen Gegenwind in den USA als auch Belastungen für das weltweite Wirtschaftswachstum auslösen.

Eurizon ist die Vermögensverwaltung der Intesa-Sanpaolo-Gruppe und bietet Investmentlösungen für institutionelle und private Anleger in Europa an.

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