1ste Bundesliga im Stresstest: stabil – aber strukturell weiterhin verwundbar

Neue Studie zeigt: Die 1ste Bundesliga wirkt solide, kämpft aber mit Kosten, Abhängigkeiten und fehlender Balance.

Die 1ste Bundesliga präsentiert sich auf den ersten Blick als finanziell stabile Liga – doch unter der Oberfläche offenbart eine aktuelle Studie von GSBS auch strukturelle Schwächen. Im Fokus steht der sogenannte Financial Resilience Score, der die Widerstandsfähigkeit der Clubs gegenüber wirtschaftlichen Schocks misst. Ergebnis: robuste Grundlagen, aber begrenzte Flexibilität.

Kosten unter Kontrolle? Nur bedingt

Die Personalkostenquote der Clubs liegt relativ homogen zwischen rund 45 und 60% der Einnahmen – ein Zeichen für Disziplin. Doch entscheidender ist die Gesamtbelastung: Bei mehreren Clubs steigt sie auf bis zu 90% der Erlöse.

1ste Bundesliga: Dortmund und Bremen mit Top-Werten bei der Governance

1ste Bundesliga: Dortmund und Bremen mit Top-Werten bei der Governance

Treiber sind weniger Gehälter als vielmehr Investitionen in Spielerwerte – also Abschreibungen auf Transfers. Diese Kapitalintensität reduziert die finanzielle Flexibilität und erhöht die Anfälligkeit gegenüber Einnahmeschwankungen. Kurz: Nicht die Löhne sind das Problem, sondern Transferstrategien, sofern vorhanden.

Governance: solide – aber keine Spitze

Auch bei der Governance-Struktur zeigt sich ein gemischtes Bild. Rund die Hälfte der Clubs erreicht ein mittleres Niveau, knapp zwei Fünftel gelten als stark aufgestellt.

Auffällig: Kein Bundesligist fällt in die Kategorie ‚schwach‘, aber nur ein einziger erreicht Top Governance. Die Liga ist damit solide organisiert, bleibt aber hinter europäischen Spitzenclubs zurück – dort ist der Anteil an Top-Governance deutlich höher, allerdings bei gleichzeitig größerer Streuung.

Die am besten bewerteten Governance-Strukturen haben Borussia Dortmund (Platz 1) und Werder Bremen (2). Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass dies genau die beiden Kapitalmarktemittenten der 1sten Bundesliga sind.

Abhängigkeit als systemisches Risiko

Ein zentrales Risiko liegt in der Einnahmestruktur: Im Schnitt stammt rund 44% der Erlöse aus einer einzigen Quelle. Ob Medienrechte, Sponsoring oder Spieltagserlöse – echte Diversifikation ist selten.

Das macht die Clubs anfällig für externe Schocks. Bricht eine zentrale Einnahmequelle weg, fehlt oft die Ausgleichsmechanik – wie etwa 2020/21 während der Lockdowns. Die Bundesliga ist damit Teil eines strukturellen Problems im Profifußball insgesamt.

Hoher Druck, begrenzte Transformation

Die Analyse zeigt zudem: Viele Clubs bewegen sich in einem Umfeld hoher operativer Belastung – bei gleichzeitig begrenztem Fortschritt in Richtung nachhaltiger Strukturen.

Die Kombination aus hohen Kosten, konzentrierten Einnahmen und nur moderater Governance verhindert bislang die Entstehung wirklich widerstandsfähiger Geschäftsmodelle.

Fazit: mehr Abstimmung statt Einzelmaßnahmen

Die zentrale Erkenntnis: Einzeloptimierungen reichen nicht aus. Weder reines Umsatzwachstum noch isolierte Kostensenkungen oder Governance-Verbesserungen führen zum Ziel.

Nachhaltige Stabilität entsteht erst durch die gezielte Verzahnung aller Faktoren – also Einnahmen, Kostenstruktur und Steuerungssysteme. Ohne diese strukturelle Balance bleibt die Bundesliga finanziell stabil – aber strategisch doch angreifbar.

>>Lesen Sie auch das Interview mit GSBS-Gründer/CEO Christian Hartmann von Ende 2024 anlässlich des vorjährigen Reports<<

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