Anleger rebellieren gegen Prüfer-Wiederwahl von EY

EY sorgt bei Deutscher Bank und Volkswagen für Aufbegehren – Allianz setzt auf PwC und erhält Applaus von Anlegerschützern.

Die geplante Wiederbestellung von EY (Ernst & Young) als Abschlussprüfer bei der Deutschen Bank und Volkswagen stößt auf Widerstand von Anlegerschützern. Hintergrund sind vor allem die ungelösten Fragen rund um den Wirecard-Skandal – und daher Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Prüfers.

Wirecard wirft langen Schatten

Kritiker werfen EY vor, seine Rolle im Fall Wirecard bis heute nicht ausreichend aufgearbeitet zu haben. Besonders schwer wiegt die Verweigerung von Vergleichsgesprächen mit geschädigten Anlegern – trotz entsprechender Aufforderungen durch Gerichte.

Zusätzlich sorgt eine gesellschaftsrechtliche Umstrukturierung von EY in Deutschland Anfang 2024 für Misstrauen. Diese könnte den Zugriff von Gläubigern erschweren – ein Schritt, den Kritiker als ‚Taschenspielertrick‘ bewerteten.

Altlast Wirecard gilt im Zusammenhang mit EY bisher als nicht hinreichend aufgearbeitet

Altlast Wirecard gilt im Zusammenhang mit EY bisher als nicht hinreichend aufgearbeitet

Deutsche Bank und Volkswagen unter Druck

Vor diesem Hintergrund erscheint vielen Investoren die erneute Bestellung von EY bei der Deutschen Bank als eine Art Realsatire – zumal das Institut fast schon traditionell selbst mit rechtlichen Baustellen konfrontiert ist. Zuletzt wurden die Geschäftsräume im Januar 2026 durchsucht – für die Deutsche nichts Neues.

Auch bei Volkswagen wächst die Skepsis: Nach einem volatilen Geschäftsjahr 2025 mit teils widersprüchlichen Entwicklungen bei Liquidität und Abschreibungen stellen Anleger die Rolle des Prüfers infrage. Die Sorge: zu wenig kritische Distanz gegenüber dem Management.

Allianz geht anderen Weg – und wird gelobt

Deutlich positiver bewerten Anlegerschützer die Entscheidung der Allianz: Der Versicherer setzt 2026 auf PwC statt EY.

Das wird als Signal für Transparenz und Neuanfang gewertet. EY könne – so der Tenor – frühestens ab 2027 wieder eine Rolle spielen, vorausgesetzt, der Umgang mit dem Wirecard-Komplex werde glaubhaft bewerkstelligt.

Gegenanträge angekündigt

Deutsche Bank wählt erneut EY

Handelsraum Deutsche Bank: komplexe Strukturen

Für die Hauptversammlungen von Deutsche Bank und Volkswagen kündigen die Kritiker daher konkrete Gegenanträge an. Ziel sei es, die Wiederwahl von EY zu verhindern und stattdessen einen Prüfer mit höherer Vertrauensbasis zu etablieren.

Der Konflikt zeigt: Corporate Governance und Vertrauen in Abschlussprüfer rücken zunehmend in den Fokus der Kapitalmärkte – gerade bei DAX-Konzernen mit komplexen Risiken.

Fazit: Vertrauensfrage statt Formalie

Was formal wie ein Routinepunkt auf der Hauptversammlung wirkt, entwickelt sich zum Grundsatzstreit über Glaubwürdigkeit. Für Anleger geht es längst nicht mehr nur um Zahlen – sondern um die Frage, wem sie vertrauen wollen.

Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Schirp aus Berlin, dessen Kanzlei den Musterkläger im Wirecard-Musterprozess vertritt, wirbt bei allen Aktionären um Unterstützung für die Gegenanträge.

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