„Wir können praktisch prognosefrei arbeiten“ – Ludwig Schnieders, Nordlux

Negativzinsen

BondGuide im Gespräch mit Ludwig Schnieders*, Nordlux, über Renditemöglichkeiten im anhaltenden Niedrigzinsumfeld

BondGuide: Herr Schnieders, Sie sind Senior Portfolio-Manager. Mit welchem oder welchen Fonds?
Schnieders: Bei der Nordlux bin ich zuständig für die Bereiche Fixed-Income/Renten sowie Derivatestrategien. Daher manage ich den Nordlux Strategie sowie den Nordlux Renten.

BondGuide: Die tragen sehr schöne Beinamen wie ‚Der Clevere‘ oder ‚Der Solide‘. Ferner gibt es noch ‚Der Alternative‘ und ‚Der Flexible‘. Welche sind ihre?
Schnieders: Solide und clever. Der Rentenfonds setzt auf internationale Rentenpapiere, davon mindestens 50% auf EUR-Basis; der Nordlux Strategie, also ‚Der Clevere‘, auf die Vereinnahmung von Optionsprämien. Das ist verkürzt gesagt eine Optionsstrategie auf Basis der Ausnutzung von Volatilitäten an den Märkten.

BondGuide: Der Rentenfonds ist einfacher zu erläutern, kommen wir zuerst zu dem. Was können Sie zu dem sagen – gibt es denn aktuell valide Fixed-Income-Strategien? Das Umfeld ist anspruchsvoll geworden, vieles gar politisch.
Schnieders: Wem sagen Sie das. Das Volumen des Nordlux Renten liegt aktuell bei 35 Mio. EUR. Bei FondsWeb sowie bei Morningstar hat er jeweils fünf von fünf Sternen. Die wesentliche Einnahmequelle sind naheliegenderweise Zinserträge fest- und variabel-verzinslicher Anleihen von Emittenten unterschiedlicher Bonität, Schwerpunkt ist EUR-Basis. Hochzinswährungen können beigemischt werden, sog. Carry-Trades. Beispiele sind aktuell etwa Brasilien oder Russland.

BondGuide: Da aber muss man auch schon genau hinsehen…
Schnieders: Das muss man stets. Nicht nur bei den Hochzins- oder Fremdwährungsanleihen, wo man die Zinsstrukturkurven und Inflation im Auge behalten muss – richtig, wie etwa der Türkei mit aktuell galoppierender Inflation, wo wir uns weiter in Zurückhaltung üben. In der EUR-Zone liegt der Fokus aufgrund der noch anhaltenden Niedrigzinsphase naturgemäß vorsichtshalber auf recht kurzen Laufzeiten – man weiß ja nie, auch wenn ich aktuell ebenfalls noch keine Zinserhöhung sehe. Dafür gibt es immer wieder mal Opportunitäten wie aktuell in Italien, dessen Anleihen fast auf Eurokrisen-Niveau notieren, also mit 3 Punkten Spread zu etwa Deutschland.

Nordlux Strategie

BondGuide: Etwa zu Unrecht Ihrer Einschätzung nach?
Schnieders: Natürlich nicht gänzlich, aber Märkte übertreiben gern mal. Eine solche Volatilität wäre zugleich Thema für unseren Optionsprämienfonds, dem Nordlux Strategie.

BondGuide: Wie nutzt man solche Schwankungen aus – respektive Übertreibungen, so sie es sind?
Schnieders: Bei Marktverwerfungen kommt es regelmäßig zu Volatilitätsspitzen. Da diese in die Zukunft projiziert werden – die sog. implizite Volatilität oder erwartete Marktschwankung –, lassen sich hier mit Prämieneinnahmen Differenzgeschäfte über börsengehandelte Optionen bewerkstelligen. Im Nachgang stellt sich heraus, dass die historische – also tatsächliche – Volatilität in mehr als zwei Dritteln der Fälle deutlich unter der erwarteten Volatilität ausfällt. Die Prämien-Vereinnahmung resultiert also aus der Differenz zwischen Übertreibung und Realität. Charmant ist an diesem Konzept insbesondere die Tatsache, dass wir recht prognosefrei arbeiten können: Wir warten auf eine Volatilitätsspitze, analysieren die Situation und reagieren auf die sich bietende Gelegenheit, ohne Vorhersagen anstellen zu müssen.

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