
Anleiheemittent EPH Group hat mittlerweile auch eine Börsennotiz mit Aktien. Hier läuft derzeit eine Kapitalerhöhung. Dazu sprach BondGuide mit CEO Alexander Lühr.
BondGuide: Herr Lühr, wir hatten zuletzt Anfang 2025 gesprochen. Damals stand vor allem die neue Anleihe im Fokus. Heute sprechen wir über Kapitalerhöhung, Börsenlisting und eine deutlich größere Projektpipeline. Was hat sich in den vergangenen anderthalb Jahren bei EPH am stärksten verändert?
Lühr: Die EPH hat sich in den vergangenen 18 Monaten von einer projektorientierten Gesellschaft mit einzelnen Entwicklungsprojekten zu einer deutlich breiter aufgestellten Plattform für Tourismus- und Hospitality-Immobilien entwickelt. Wir haben unsere Projektpipeline erheblich ausgebaut, unsere Kapitalmarktpräsenz gestärkt und wichtige Grundlagen geschaffen, um Wachstum künftig noch schneller und effizienter umzusetzen. Besonders wichtig ist dabei, dass wir heute nicht mehr nur einzelne Chancen verfolgen, sondern aus einer Vielzahl attraktiver Projekte auswählen können.
BondGuide: Für Leser:innen, die Sie noch nicht so gut kennen: Was ist die EPH Group heute eigentlich – Hotelentwickler, Investor, Bestandshalter oder Kapitalmarktvehikel für Tourismusimmobilien?
Lühr: Wir verstehen uns als integrierte Hospitality-Immobilienplattform mit Fokus auf Entwicklung, Strukturierung und langfristige Wertschöpfung. Wir identifizieren attraktive Standorte, entwickeln Projekte, strukturieren deren Finanzierung und begleiten sie langfristig. Je nach Projekt behalten wir Bestände im Eigenportfolio, realisieren Wertsteigerungen über die Entwicklung oder beteiligen uns gemeinsam mit Partnern. Der Kapitalmarkt ist dabei ein wichtiger Baustein, um Wachstum zu finanzieren und Investoren Zugang zu einem attraktiven Marktsegment zu ermöglichen.
„Der Kapitalmarkt ist ein wichtiger Baustein, um Wachstum zu finanzieren und Investoren Zugang zu einem attraktiven Marktsegment zu ermöglichen.“
BondGuide: Ihre Pipeline ist inzwischen von Kitzbühel auf zahlreiche Projekte in Österreich und Deutschland angewachsen. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welches Projekt verfolgenswert ist für die EPH?
Lühr: Im Mittelpunkt stehen immer drei Faktoren: Lagequalität, Wertschöpfungspotenzial und Umsetzbarkeit. Wir konzentrieren uns auf touristisch etablierte Regionen mit hoher Nachfrage und begrenztem Angebot. Gleichzeitig müssen wir durch die Entwicklung einen klaren Mehrwert schaffen können. Ebenso wichtig ist die Genehmigungs- und Finanzierungsperspektive. Nur wenn alle Parameter zusammenpassen, wird ein Projekt für uns interessant.
BondGuide: Bemerkenswert ist Ihr Land-for-Equity-Modell: Verkäufer von Liegenschaften erhalten teilweise Aktien statt Kaufpreis. Wie schwer oder leicht ist es, Eigentümer von diesem Ansatz, mit ins Boot zu steigen, zu überzeugen?
Lühr: Das hängt stark vom jeweiligen Eigentümer ab. Viele Verkäufer erkennen inzwischen, dass sie über eine Aktienbeteiligung nicht nur einen Verkaufserlös erzielen, sondern zusätzlich am zukünftigen Wertzuwachs der Projekte partizipieren können. Gerade bei attraktiven Entwicklungsstandorten sehen wir eine zunehmende Offenheit für solche Modelle. Voraussetzung ist natürlich Transparenz und ein überzeugendes Wachstumskonzept. Dort, wo wir die langfristige Perspektive nachvollziehbar darstellen können, stoßen wir auf großes Interesse.
„Dort, wo wir die langfristige Perspektive nachvollziehbar darstellen können, stoßen wir auf großes Interesse.“
BondGuide: Fast jede Ihrer jüngsten Transaktionen stand unter Finanzierungsvorbehalt. Wie weit sind Sie heute vom Punkt entfernt, an dem die Finanzierungsfrage nicht mehr Engpass für weiteres Wachstum ist?
Lühr: Wachstum benötigt Kapital, insbesondere in einer kapitalintensiven Branche wie der Immobilienentwicklung. Unser Ziel ist es deshalb, die Finanzierungsbasis kontinuierlich zu verbreitern. Durch Eigenkapitalmaßnahmen, Anleihefinanzierungen und strategische Partnerschaften haben wir unsere Möglichkeiten deutlich erweitert. Finanzierung bleibt ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Der Unterschied zu früher ist jedoch, dass wir heute auf mehrere Finanzierungsquellen zurückgreifen und dadurch deutlich flexibler agieren können.
BondGuide: Die laufende Kapitalerhöhung soll ja bis zu gut 10 Mio. EUR einbringen. Was können Sie damit konkret erreichen, das heute noch nicht möglich wäre?
Lühr: Zusätzliche Eigenmittel erhöhen unsere Handlungsfähigkeit erheblich. Dadurch können wir Projekte schneller sichern, Finanzierungsstrukturen effizienter darstellen und attraktive Chancen wahrnehmen, die oft kurzfristige Entscheidungen erfordern. Gleichzeitig stärkt mehr Eigenkapital unsere Verhandlungsposition gegenüber Banken und institutionellen Partnern. Es geht also nicht nur um Volumen, sondern auch um Geschwindigkeit und Flexibilität.
„Es geht also nicht nur um Volumen, sondern auch um Geschwindigkeit und Flexibilität.“
BondGuide: Einmal bewusst aus Investorensicht gefragt: Ist die EPH Group derzeit eigentlich eher ein Sujet für Eigenkapitalinvestoren, für Anleihegläubiger oder je nachdem?
Lühr: Wir bieten grundsätzlich für beide Investorengruppen interessante Perspektiven. Eigenkapitalinvestoren partizipieren direkt am Wertsteigerungspotenzial unserer Projektpipeline und an der langfristigen Unternehmensentwicklung. Anleiheinvestoren erhalten dagegen ein klar definiertes Rendite-Risiko-Profil mit regelmäßigen Zinszahlungen. Welche Anlageform attraktiver ist, hängt letztlich von den individuellen Anlagezielen und dem jeweiligen Risikoprofil des Investors ab.
BondGuide: Wo sehen Sie die Grenze möglicher EK-Verwässerung? Sie finanzieren Wachstum über Aktien, Sacheinlagen und Kapitalmarktmaßnahmen. Wann beginnt zusätzlicher Kapitalbedarf für bestehende Anteilseigner zu einem gewissen Problem zu werden?
Lühr: Verwässerung ist immer sorgfältig gegen den geschaffenen Mehrwert abzuwägen. Entscheidend ist nicht die Anzahl neuer Aktien allein, sondern ob mit dem zusätzlichen Kapital ein überproportionaler Unternehmenswert geschaffen wird. Unser Anspruch ist klar: Jede Kapitalmaßnahme muss wertsteigernd wirken. Dort, wo neue Mittel zu attraktiven Projekten, höheren Erträgen und steigenden Unternehmenswerten führen, profitieren langfristig auch die bestehenden Aktionäre.
„Entscheidend ist für uns nicht der Erfolg eines einzelnen Projekts, sondern die Fähigkeit, unser Modell wiederholt und skalierbar umzusetzen.“
BondGuide: In vielen Ihrer Projekte liegen bereits Widmungen oder Baugenehmigungen vor, andere befinden sich noch in frühen Phasen, andere irgendwo dazwischen. Welches Projekt wird Ihrer Meinung nach als erstes zeigen, dass das EPH-Modell nachhaltig funktioniert?
Lühr: Wir verfügen mittlerweile über mehrere Projekte mit sehr unterschiedlichen Entwicklungsständen. Für den Kapitalmarkt sind insbesondere jene Projekte interessant, die bereits über weit fortgeschrittene Genehmigungen verfügen und zeitnah in die Umsetzung gehen können. Entscheidend ist für uns nicht der Erfolg eines einzelnen Projekts, sondern die Fähigkeit, unser Modell wiederholt und skalierbar umzusetzen. Wichtig ist, dass wir nicht auf ein einzelnes Projekt angewiesen sind, sondern auf eine diversifizierte Pipeline bauen.
BondGuide: Sie haben vor anderthalb Jahren u.a. in unserem Gespräch einen möglichen Börsengang als Zukunftsoption beschrieben. Heute sind Sie nunmehr an mehreren Handelsplätzen notiert. Was wäre der nächste logische Entwicklungsschritt für die EPH?
Lühr: Der nächste Schritt besteht darin, die vorhandene Pipeline in sichtbare Ergebnisse umzusetzen. Wir wollen unsere Pipeline weiterentwickeln, zusätzliche Projekte sichern und die Kapitalmarktstory durch konkrete Umsetzungserfolge untermauern. Parallel prüfen wir fortlaufend weitere Finanzierungs- und Wachstumsoptionen. Unser Ziel ist es, die EPH als führende börsennotierte Plattform für die Entwicklung hochwertiger Tourismus- und Hospitality-Immobilien im deutschsprachigen Raum zu etablieren.
BondGuide: Herr Lühr, einmal mehr ganz herzlichen Dank an Sie!
Interview: Falko Bozicevic
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