
Quanteninformatik könnte schon im nächsten Jahrzehnt die digitale Welt umkrempeln – mit Chancen für Wirtschaft, Sicherheit und Kapitalmärkte.
Die nächste große Technologiewelle nach der KI könnte bereits sichtbar werden: die Quanteninformatik. Darauf verweist Alexis Bienvenu, Fondsmanager bei LFDE, in einem aktuellen Expertenkommentar. Während Künstliche Intelligenz derzeit ganze Branchen verändert, verspricht die Quanteninformatik eine nochmals deutlich höhere Rechenleistung – allerdings auch neue Risiken für Cybersicherheit und Verschlüsselung.
Im Gegensatz zur klassischen Informatik arbeiten Quantencomputer nicht mit Bits, die lediglich die Zustände 0 oder 1 annehmen können. Stattdessen kommen sogenannte Qubits zum Einsatz, die mehrere Zustände gleichzeitig darstellen können. Durch die Effekte von Superposition und Verschränkung lassen sich enorme Mengen möglicher Lösungswege parallel berechnen. Genau darin liegt das disruptive Potenzial der Technologie.
Noch steht die Quanteninformatik allerdings vor erheblichen technischen Herausforderungen. Die Systeme arbeiten bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt und reagieren äußerst empfindlich auf Störungen. Dennoch fließen bereits Milliardenbeträge in Forschung und Entwicklung.
Besonders groß ist das Interesse von Staaten und Technologiekonzernen. Die Fähigkeit, heutige Verschlüsselungsverfahren zu überwinden, macht die Quantentechnologie zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor. Unternehmen wie IBM, Alphabet, Microsoft und Amazon investieren ebenso wie spezialisierte Anbieter aus dem Bereich Cybersicherheit. Auch Europa mischt mit Unternehmen wie Thales, ID Quantique oder PQShield mit.
Der Kapitalmarkt hat das Thema bereits entdeckt: Der MarketVector Global Quantum Leaders Index stieg binnen eines Jahres um rund 70%. Gleichzeitig liefert sich China mit den USA und Europa einen intensiven Wettlauf um technologische Führungspositionen – ähnlich wie bereits bei KI, Halbleitern oder Raumfahrttechnologien.
Langfristig könnte die Quanteninformatik zahlreiche Bereiche verändern – von der Optimierung von Finanzportfolios über die Entwicklung neuer Materialien bis hin zur Steuerung komplexer Energienetze und globaler Lieferketten. Besonders spannend erscheint die Verbindung von Quanteninformatik und KI, die völlig neue Hybridsysteme ermöglichen könnte.
Alexis Bienvenu ist Fondsmanager bei LFDE (La Financière de l’Échiquier). Die französische Vermögensverwaltungsgesellschaft verwaltet rund 26 Mrd. EUR und gehört seit 2023 zur LBP-AM-Gruppe.
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