
Der ETF-Boom verändert nach Ansicht von Vates Invest die Marktmechanik. Aktive Anleger hätten es dadurch schwerer – langfristig könnten sich daraus aber auch Chancen ergeben.
Der Siegeszug von ETFs macht es aktiven Fondsmanagern zunehmend schwer, den Markt zu schlagen. Darauf weist Robert Steinke, Managing Partner bei Vates Invest, in einem Marktkommentar hin. Hintergrund seien die Kapitalströme: Fließe Geld aus aktiv gemanagten Fonds in ETFs, werde es automatisch entsprechend der Indexgewichtung investiert – unabhängig von der Bewertung einzelner Unternehmen.
Dadurch erhielten vor allem die größten Indexwerte zusätzlichen Rückenwind, während kleinere oder aus Sicht aktiver Manager attraktiv bewertete Unternehmen unter Verkaufsdruck geraten könnten. Ein Fondsmanager könne daher mit seiner Analyse richtig liegen und dennoch über längere Zeit hinter dem Markt zurückbleiben.
Steinke verweist auf eine Studie, wonach sich die risikobereinigten Renditen aktiver US-Aktienfonds seit etwa 2010 verschlechtert haben. Als wesentlichen Grund nennt die Untersuchung den wachsenden Anteil passiver Investments und die daraus resultierenden Kapitalströme.
Zugleich warnt Vates davor, die Diversifikation klassischer Indexfonds zu überschätzen. Kapitalgewichtete Indizes investierten automatisch besonders stark in die bereits größten Unternehmen. Anleger kauften damit nicht zwangsläufig die attraktivsten oder günstigsten Aktien, sondern vor allem die Gewinner der Vergangenheit.
Sollten sich die Kapitalströme künftig umkehren, könnten automatische Verkäufe passiver Produkte die Kursschwankungen zusätzlich verstärken. Ob ausreichend aktive Investoren bereitstünden, diese Verkäufe aufzufangen, sei offen.
Gleichzeitig sieht Steinke auch eine positive Seite der Entwicklung. Der Wettbewerb unter aktiven Fondsmanagern sei deutlich härter geworden, weil viele schwächere Anbieter den Markt verlassen hätten. Wer heute dauerhaft Mehrwert schaffen wolle, müsse sich gegen eine deutlich stärkere Konkurrenz behaupten.
Ein pauschales Urteil gegen ETFs leitet Vates daraus jedoch nicht ab. Für viele Anleger seien passive Produkte weiterhin eine sinnvolle Lösung. Entscheidend sei vielmehr, die jeweiligen Chancen und Risiken der gewählten Strategie zu kennen und nicht ausschließlich den vergangenen Erfolgen passiver Investments zu vertrauen.
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