
Der KI-Boom treibt Rechenzentren voran – doch wachsender Widerstand vor Ort könnte zum Bremsklotz für Investitionen werden.
Der KI-Boom stößt zunehmend an physische und gesellschaftliche Grenzen. Darauf weist Alexis Bienvenu, Fondsmanager bei LFDE, hin. Weltweit wachse der Widerstand gegen neue Rechenzentren – insbesondere wegen ihres hohen Energie- und Wasserverbrauchs, steigender Strompreise sowie der Belastung von Umwelt und Infrastruktur. Allein in den USA seien seit 2023 Hunderte Projekte verzögert oder aufgeschoben worden.
Für Anleger werde dies zunehmend zum Investitionsrisiko. Laut Morgan Stanley seien 2025 und im ersten Quartal 2026 Rechenzentrumsprojekte im Volumen von 286 Mrd. USD verschoben oder gestrichen worden. Zwar sei dies nicht ausschließlich auf Proteste zurückzuführen, dennoch trügen diese zu Verzögerungen und steigenden Kosten bei.
Im Mittelpunkt der Debatte stehen nach Einschätzung von Bienvenu vor allem Wasserverbrauch, Strombedarf und CO2-Emissionen. Moderne KI-Rechenzentren benötigten erhebliche Kühlkapazitäten und belasteten damit Ressourcen, die vielerorts ohnehin knapp seien. Gleichzeitig wachse der Druck, den ökologischen Fußabdruck der Branche zu reduzieren.
Technologische Fortschritte könnten die Akzeptanz verbessern – etwa durch effizientere Kühlsysteme, Wasseraufbereitung oder die Nutzung von Abwärme. Allerdings stehe die Branche unter hohem Zeitdruck: Der internationale Wettbewerb um KI-Rechenkapazitäten und geopolitische Interessen ließen wenig Raum für einen langsamen Ausbau.
Bienvenu sieht deshalb zwei mögliche Entwicklungen: Entweder akzeptierten Investoren höhere Kosten und strengere ESG-Anforderungen in etablierten Märkten oder sie verlagerten Projekte in Länder mit weniger strengen Vorgaben. Langfristig sei jedoch auch dort nicht garantiert, dass Ressourcen dauerhaft günstig verfügbar blieben.
Alexis Bienvenu ist Fondsmanager bei La Financière de l’Échiquier (LFDE). Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit globalen Aktienmärkten und langfristigen Anlagetrends.
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