Gold glänzt nicht mehr allein

Gold bleibt ein wichtiger Baustein für die Portfoliodiversifikation. Kurzfristig sieht T. Rowe Price jedoch attraktivere Alternativen für defensive Anleger.

Gold hat in den vergangenen Jahren von geopolitischen Spannungen, Zentralbankkäufen und Sorgen um die Staatsfinanzen profitiert. Laut Matt Bance, Portfoliomanager bei T. Rowe Price, seien viele dieser positiven Faktoren inzwischen jedoch in den Kursen eingepreist. Das Chancen-Risiko-Verhältnis habe sich daher zuletzt ausgeglichener entwickelt.

Ein wichtiger Meilenstein sei die jüngste Einschätzung der EZB, wonach Gold inzwischen US-Staatsanleihen als weltweit größte Reserveposition der Zentralbanken überholt habe. Gleichzeitig werte Bance dies als Zeichen dafür, wie weit die Investmentstory bereits fortgeschritten sei. Die Nachfrage der Zentralbanken bleibe zwar grundsätzlich unterstützend, habe sich zuletzt jedoch abgeschwächt.

Hinzu komme zunehmende Konkurrenz um das Kapital der Anleger. Während Gold lange von Unsicherheit und Inflationssorgen profitierte, fließe aktuell verstärkt Geld in Themen wie KI-Infrastruktur, Rechenzentren und damit verbundene Rohstoffe wie Kupfer. Gleichzeitig hätten höhere Realrenditen die Attraktivität zinsloser Anlagen reduziert.

Vor diesem Hintergrund habe T. Rowe Price die taktische Einschätzung für Gold von ‚übergewichtet‘ auf ’neutral‘ zurückgenommen. Langfristig bleibe das Edelmetall interessant, kurzfristig erscheine das Umfeld jedoch weniger günstig als zu Beginn der Rallye.

Gold glänzt nicht allein

Gold glänzt nicht allein

Besonders aufmerksam verfolgt Bance die Wechselwirkungen zwischen Gold, Ölpreisen und Inflation. Die jüngsten Spannungen im Nahen Osten hätten zwar grundsätzlich für Unterstützung sorgen können. Gleichzeitig hätten steigende Energiepreise jedoch Inflationssorgen verstärkt, den US-Dollar gestützt und die Erwartung höherer Zinsen verlängert – Faktoren, die traditionell eher gegen Gold sprechen.

Trotzdem behalte Gold seinen Platz in der strategischen Vermögensallokation. Anders als Anleihen oder Bargeld diene das Edelmetall vor allem als Absicherung gegen Inflationsüberraschungen, Vertrauensverluste in Währungen sowie geopolitische Risiken. Für defensive Anleger seien derzeit jedoch auch Bargeld und hochwertige Anleihen wieder ernstzunehmende Alternativen, da sie inzwischen positive Realrenditen böten.

Matt Bance

Matt Bance ist Portfoliomanager bei T. Rowe Price. Die internationale Fondsgesellschaft zählt zu den weltweit größten aktiven Vermögensverwaltern und betreut institutionelle sowie private Anleger in zahlreichen Anlageklassen.

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