
Jerome Powells letzter Auftritt zeigt zunehmende Spannungen in der FED – zwischen politischem Druck und wirtschaftlicher Realität.
Ein Marktkommentar von Enguerrand Artaz, Fondsmanager bei La Financière de l’Echiquier.
Der Abschied von Jerome Powell als FED-Chef fällt alles andere als geräuschlos aus. Bei seiner letzten Sitzung Ende April zeigte sich die US-Notenbank ungewohnt gespalten – mit der höchsten Zahl an Abweichlern seit den 1990er Jahren. Während einzelne Mitglieder Zinssenkungen fordern, stellen andere die weiterhin lockere Haltung infrage. Diese doppelte Spaltung verdeutlicht die zunehmenden Spannungen innerhalb der FED.
Im Zentrum steht die Frage nach der künftigen Ausrichtung unter Powells Nachfolger Kevin Warsh. Powell selbst kündigte an, keinen „Schattenpräsidenten“ geben zu wollen – deutete jedoch zugleich an, dass die Unabhängigkeit der FED unter Druck geraten könnte.
Denn der politische Einfluss wächst. Präsident Donald Trump 2.0 drängt offen auf Zinssenkungen. Gleichzeitig spricht die wirtschaftliche Lage dagegen: Die Kerninflation liegt mit 3,2% klar über dem Ziel, während sich der Arbeitsmarkt wieder belebt. Damit fehlt sowohl die Grundlage für aggressive Lockerungen als auch für eine erneute Straffung – ein klassisches Dilemma.
Genau hier liege laut Artaz das zentrale Risiko: weniger der nächste Zinsschritt, sondern die Frage, wie unabhängig die FED künftig noch agieren kann. Powell selbst warnte zum Abschied, diese Unabhängigkeit sei inzwischen „gefährdet“.
Der Übergang zu Warsh wird daher genau beobachtet. Zwar betonte dieser vor dem Senat seine Unabhängigkeit, doch bleibt offen, wie groß der politische Einfluss künftig tatsächlich sein wird.
Fazit
Powells letzter Auftritt markiert keinen ruhigen Übergang, sondern legt strukturelle Spannungen offen – mit potenziellen Folgen für Geldpolitik und Märkte.
La Financière de l’Echiquier (LFDE) ist eine unabhängige französische Fondsgesellschaft mit Fokus auf aktive Anlagestrategien. Enguerrand Artaz verantwortet dort Geldmarkt- und Makrostrategien.
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