
Seit Mitte der 1990er Jahre sind US-Staatsanleihen der meistgehaltene Vermögenswert in den weltweiten Reserven und haben damit Gold als bis dato Spitzenreiter abgelöst. Von Enguerrand Artaz, Fondsmanager bei LFDE
Paradoxerweise verdankt die US-Verschuldung ihre Vormachtstellung insbesondere Europa. Während der Anteil von US-Staatsanleihen an den Devisenreserven allmählich stieg, ging der Anteil von Gold rapide zurück. Grund dafür war, dass die europäischen Zentralbanken ihre Goldreserven teilweise massiv verkauften, um sich auf die Einführung des Euro vorzubereiten.
So sank der Anteil des gelben Metalls von 60% zu Beginn der 1980er Jahre auf 10% zu Beginn der 2000er Jahre. Gleichzeitig stiegen die US-Staatsanleihen von 10 auf 30%. Diese Werte blieben zwei Jahrzehnte lang weitgehend stabil. Nun kehrt sich die Situation jedoch wieder um. Nachdem Gold im Jahr 2024 den Euro verdrängt hatte, liegt es seit September 2025 in den weltweiten Devisenreserven wieder vor den US-Schulden. […]
Die erste Dynamik ist der seit Mitte der 2010er Jahre zu beobachtende Rückgang der ausländischen Bestände an US-Schulden. Insbesondere China hat seine Bestände an US-Anleihen seit 2013 um fast 40% reduziert. Mehrere Zentralbanken Südostasiens, die sich in geldpolitischer Hinsicht zunehmend am chinesischen Yuan statt am Dollar orientieren, sind diesem Trend gefolgt. […]
Die Rückkehr zu geopolitischen Konflikten sowie der weltweite Trend zur Rückbesinnung auf regionale Strukturen begünstigen die Verwendung von Gold als Reservewert. Gold ist nicht direkt von einem Staat abhängig und nahezu der einzige Wert, der in der Lage ist, Abflüsse aus US-Anleihen aufzufangen. […]
Die aggressive Haltung von Donald Trump in den internationalen Beziehungen, insbesondere gegenüber Grönland, veranlasst einige Akteure dazu, ihre Positionen in amerikanischen Staatsanleihen abzubauen. So kündigten letzte Woche zwei dänische und ein schwedischer Pensionsfonds an, amerikanische Anleihen aktiv zu verkaufen. Auch wenn es sich um bescheidene Beträge handelt, könnte dies ein symbolischer Schritt sein, der Nachahmer findet. […]
Über alle Instrumente hinweg bleibt der US-Dollar die weltweit wichtigste Reservewährung. Selbst wenn Gold ihn vom Thron stoßen sollte, würde er als Referenz bestehen bleiben. Da jedoch 30% der US-Anleihen außerhalb der Vereinigten Staaten gehalten werden, könnte der Markt zu einem Schauplatz geopolitischer Auseinandersetzungen werden. Dies würde Gold weiterhin glänzen lassen.
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