ASEAN-Anleihen nach Ölpreis-Schock im Belastungstest

Der ASEAN-Anleihemarkt driftet auseinander: Der Ölpreis treibt die Inflation – Importeure sind unter Druck, Exporteure bleiben stabiler.

Der ASEAN-Anleihemarkt steht im Zentrum eines neuen geopolitischen Belastungstests, analysiert Portfoliomanager Clifford Lau* von WBIM. Steigende Energiepreise wirken wie ein Katalysator für Inflation, Währungsschwäche und steigende Zinsrisiken. Doch die Entwicklung verläuft keineswegs einheitlich: Während einige Länder zunehmend unter Druck geraten, zeigen andere bemerkenswerte Widerstandskraft. Für Investoren wird die Differenzierung innerhalb des ASEAN-Anleihemarkts damit entscheidend.

Auslöser ist der jüngste Energieschock im Zuge geopolitischer Spannungen. Höhere Ölpreise schlagen direkt auf die Schwellenländer-Anleihen durch – mit steigenden Renditen, breiteren Spreads und einer schwächeren Performance insbesondere bei Lokalwährungsanleihen. Gleichzeitig wächst die Sorge vor einem stagflationären Umfeld, da höhere Energie- und Lebensmittelpreise das Wachstum dämpfen, aber doch die Inflation anheizen.

Besonders deutlich zeige sich die Divergenz im ASEAN-Anleihemarkt bei der Unterscheidung zwischen Energieimporteuren und -exporteuren. Länder wie Thailand und die Philippinen geraten zunehmend unter Druck: steigende Importkosten, schwächere Währungen und eine höhere Anfälligkeit für externe Schocks belasten die Staatsfinanzen. In Thailand kommt eine ohnehin fragile Konjunktur hinzu, während auf den Philippinen Kapitalzuflüsse sich rasch ins Gegenteil verkehren könnten.

Demgegenüber präsentiert sich Malaysia vergleichsweise robust. Als Energieexporteur profitiert das Land von höheren Erlösen im Rohstoffbereich, insbesondere bei Flüssigerdgas. Zwar ist auch Malaysia nicht vollständig immun gegen globale Verwerfungen, doch die außenwirtschaftliche Position bietet einen wichtigen Puffer im aktuellen Umfeld.

Neben den direkten Effekten der erhöhten Ölpreise rücken zunehmend Zweitrundeneffekte in den Fokus. Störungen bei Düngemittellieferungen könnten die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigen und die Lebensmittelinflation weiter antreiben. Für viele Länder bedeutet dies zusätzlichen Druck auf Haushalte und staatliche Budgets – ein Risiko, das im ASEAN-Anleihemarkt bislang nur teilweise eingepreist ist.

Auch die Geldpolitik steht vor einem Wendepunkt: Statt der erwarteten Lockerung drohen in einigen Märkten nun sogar Zinserhöhungen. Besonders anfällig ist das lange Ende der Zinskurven, da steigende Inflationserwartungen zu einer nachhaltigen Versteilerung führen könnten. Diese Entwicklung dürfte je nach Land unterschiedlich stark ausfallen – abhängig von Energieabhängigkeit und politischer Glaubwürdigkeit.

Analysiert den ASEAN-Anleihemarkt: Clifford Lau

Analysiert den ASEAN-Anleihemarkt: Clifford Lau

Fazit

Der ASEAN-Anleihemarkt entwickelt sich zunehmend auseinander. Für Investoren rückt die selektive Allokation in den Vordergrund – bevorzugt werden Länder mit stabilen Außenbilanzen, belastbaren politischen Rahmenbedingungen und geringerer Abhängigkeit von Energieimporten.

*) Clifford Lau, CFA, ist Portfoliomanager im Team für Schwellenländeranleihen bei William Blair Investment Management. Das Unternehmen zählt zu den etablierten globalen Asset Managern mit Fokus auf aktive Anlagestrategien.

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