
Werder Bremen hat es wie erwartet gepackt und sogar um ein Viertel überplatziert, also aufgestockt – schauen wir uns das Ergebnis im Musterdepot-Update an.
Doch der Reihe nach: Zunächst hatte Werder Bremen die Folgeanleihe (‚Nochmal in die Raute investieren‘) um 5 auf 25 Mio. EUR aufgestockt. Die Quoten gehen von 40% bei Zeichnungen bis 5 TEUR gestaffelt runter bis auf 15% bis 100 TEUR. Für Institutionelle über 100 TEUR dann wieder 20%. Nun gut.
Für das BondGuide Musterdepot und die Zeichnung über 15 TEUR bedeutet es 5.000 Nominale via Zuteilungsschlüssel und die verbleibenden 10.000 via Nachkauf zum Schlusskurs des ersten Handelstags. Bei einigen vormaligen Aktionen wie Underberg oder Katjes hat das gut geklappt – die nicht bediente Nachfrage bei der Zeichnung beförderte die Kurse.
Dummerweise war man am Dienstag an der Weser seinen Erfolgstrainer Ole Werner los. Der hatte am Wochenende erklärt, seinen noch eine Saison laufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Da hievten die Hanseaten umgehend die Ankerleine. Die Unsicherheit sorgte konsequenterweise für eine gewisse Reserviertheit. Im Wochenverlauf wurde klar: Es wird Horst Steffen, für den an Fast-Aufsteiger Elversberg noch eine überschaubare sechsstellige Ablöse fällig wird.
Zum Glück hat Grün-Weiß von einem der namhaftesten Scheiterer, die aktuell auf dem Trainermarkt vakant gewesen wären, Abstand genommen: Marco Rose. So erfolgreich er von 2013 bis 2019 in Salzburg auch war, seine folgenden drei Bundesliga-Stationen waren ganz offensichtlich mehrere Schuhnummern zu groß: Borussia Mönchengladbach, Borussia Dortmund und zuletzt RB Leipzig hat Rose nahezu wolfsburgisiert. Im Falle einer Verpflichtung hätte sich BondGuide konsequenterweise umgehend wieder von der neuen Werder-Anleihe getrennt.
Der gemittelte Einstandskurs bei Anleihe Werder Bremen 2025/30 ist nunmehr 101,1%. Der Kurs pendelte die gesamten ersten Tage zwischen 101 und 102%. Mit Klarheit bei der Trainerwahl dürfte es zeitnah vorangehen im Kurs. Der Nachfrageüberhang aus der Umtausch- und Zeichnungsphase muss ja noch irgendwo hin. Für Nachbilder sei vorweggeschickt: Von Seiten des Emittenten ist die Anleihe erstmals nach drei Jahren, also Mitte 2028 vorzeitig kündbar. Zwar etwas über pari mit Aufschlag, aber nicht viel. In vier Jahren, mithin im Frühsommer 2029, dürfte Werder Bremen mit einer neuen Folgeanleihe kommen. Je höher der Kurs von 2025/30, desto größer die Gefahr Richtung Mitte 2028 für Kursverluste Richtung 103%.
Was sonst noch geschah
Leser:innen berichteten BondGuide dankenswerterweise, dass die 30% Abfindung aus dem Ekosem-Deal angekommen sei. Die entsprechende Meldung ist von März – aber 100% sicher konnten wir uns zumindest nicht sein. Daher hatten wir die Position weitergeführt, bis uns mindestens ein Leser den Erhalt des Gelds bestätigt. Insofern ist Ekosem nunmehr zu 30% ausgebucht. Unter dem Strich blieb ein Verlust von etwas über 50%: Die Zinszahlungen sind gegengerechnet, solange der Kupon noch bedient wurde.
Überragende Q1-Zahlen brachte die DEAG kurz vor Redaktionsschluss. Das Ticketvolumen nahm 15% gegenüber dem Vorjahresquartal zu, der Umsatz 30% und das EBITDA 21%. Mit einer rechnerischen Rendite von ca. 6% bis zur Endfälligkeit gehört die DEAG 2023/26 zu den attraktivsten Anleihen, die wir als Blue Chips bezeichnen.
Auch Finanzdienstleister Multitude hatte Zahlen für das erste Quartal veröffentlicht. Die Umsätze legten 4% zu, der Periodengewinn 181%, also fast eine Verdreifachung. Rund 25 Mio. EUR Gewinn peilen die Skandinavier für das Gesamtjahr ein – mehr als genug, die attraktive Anleihe, die sich im BondGuide Musterdepot befindet, zweistellig zu vergüten.
Und auch 4finance brachte Quartalszahlen. Der Nettogewinn stieg gar um über die Hälfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mit weiteren Verbesserungen in allen Kennzahlen bleibt 4finance der Blue Chip im Bereich KMU-Anleihen schlechthin, auch wenn er genau wie Multitude kein deutscher Emittent ist. Egal: Hauptsache überaus rentabel. Schließlich sind wir Europäer.
Ausblick
Durch die Aufnahme der neuen Werder-Anleihe sinkt unser Median-Kupon auf unter 7%. Allerdings haben wir ja einige Übergewichtungen eingebaut, wie vor allem bei 4finance, Mutares und Multitude – alle drei mit zweistellig prozentualen Kupons. Das Engagement bei Werder indes ist uns als neutrale Fußballinteressierte keine wirkliche Herzensangelegenheit: Angepeilt ist ein Kursanstieg wie bei der ersten Werder-Anleihe und dann Abschied nehmen: ein Frei-Stoß. Anleihe 2021/26 erreichte in der Spitze doch tatsächlich fast 116% (!) und notiert auch jetzt noch mit nur ca. 3% Rendite bis Endfälligkeit. Haben wir seit 2021 einen Sieg der Champions League an der Weser verpennt? Gleicht sich Anleihe II der ersten auch nur annähernd an hinsichtlich Restrendite, dann lautet das Kursziel nicht weniger als 110+%. Für nichts anderes als das ist sie im Musterdepot.
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