
Erneutes Wassertreten im BondGuide-Musterdepot in den vergangenen 14 Tagen: Fast überall gaben die Anleihekurse in der Nachkommastelle nach.
>> aus BondGuide #17-2026 vom 21. August<<
Konkret gaben sie sogar etwas mehr nach, als die zweiwöchentliche Gutschrift für Anleihezinsen hergab, der sogenannte Carry (Vergütung für das Halten einer Anleihe). Traditionell liegt der bei ca. 0,35 Prozentpunkten von Ausgabe zu Ausgabe. Weltbewegende News gab es nicht in den letzten zwei Wochen.
Die Deutsche Rohstoff AG (DRAG) förderte im ersten Halbjahr deutliche Zuwächse bei Umsatz, EBITDA und Periodenüberschuss zutage. Wesentliche Treiber waren die Teilveräußerung der Beteiligung an Almonty Industries, höhere Ölpreise und die zunehmende Skalierung des Bohrprogramms in Wyoming. Unterstützend wirkte der höhere Ölanteil an der Gesamtproduktion von 66% (+2 PP). Gegenläufig wirkte der schwächere US-Dollar (-7%).
Das Konzern-EBITDA erhöhte sich überproportional auf 205,2 Mio. EUR (70,5 Mio. EUR) und das Konzernergebnis vervielfachte sich sogar auf 134,7 Mio. EUR (15,5 Mio. EUR) – allerdings cashten die Mannheimer auch 128 Mio. EUR Sonderertrag durch den Verkauf von Almonty-Aktien aus. Kurz gesagt: Für die DRAG könnte es derzeit kaum vortrefflicher laufen.
Steyr Motors, ehemals Edelbeteiligung von Mutares, muss die Prognose für 2026 deutlich senken. Verzögerte Defense-Projekte drücken Umsatz und Marge; auch die Ziele für 2027 sind vom Tisch. Bis 2025 gehörte Steyr Motors zum Beteiligungsportfolio der Private-Equity-Gesellschaft Mutares, die das Unternehmen Ende 2022 von Thales übernommen und im Oktober 2024 an die Börse gebracht hatte. Mutares reduzierte ihren Anteil anschließend schrittweise und veräußerte im November 2025 die verbliebenen 23% vollständig. Der Zeitpunkt war optimal gewählt aus Sicht der Münchner: Im März 2025 erreichte Steyr Motors ein reichlich absurdes Allzeithoch bei über 80 EUR und ist seither nur noch mit Motorstottern unterwegs: Aktueller Kurs 28 EUR.
Ferner haben unsere nordischen Finanzdienstleister Eleving und Multitude starke bzw. auskömmliche Geschäftszahlen vorgelegt. Mellenu, ehemals 4finance, ist erst für den 31. August angesetzt. Die Zahlen der ersten beiden sind jedoch sicherlich ein guter Indikator. Bei Multitude gingen die wesentlichen operativen Zahlen zwar leicht zurück im ersten Halbjahr, doch gehöre dies vorgeblich zum Plan, die Portfolioqualität zu optimieren.
Operativ präsentiert sich Eleving derzeit am wachstumsstärksten: Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 40% auf 165 Mio. EUR, das bereinigte EBITDA um 38% auf 62,6 Mio. EUR. Das Kreditvolumen im Neugeschäft erhöhte sich um fast die Hälfte auf 309 Mio. EUR, während das Netto-Kreditportfolio bereits zur Jahresmitte auf 522 Mio. EUR wuchs. Im Herbst steht eine Refinanzierungsanleihe für den ausstehenden Euro-Bond an. Ein Ereignis, auf das wir an dieser Stelle schon länger schielen. Wir erwarten, dass Mellenu operativ irgendwo in der Mitte zwischen Multitude und Eleving herauskommen wird.
Wer noch die Bestandsaufnahme des KMU-Anleihemarktes für das erste Halbjahr Schwarz auf Weiß sehen möchte, dem sei die Zusammenfassung der turnusmäßigen Studie von iron nahegelegt. Die Anzahl der Emissionen legte ggü. H1/2025 zu, das platzierte Volumen wie auch die Platzierungsquote gingen zurück. Vor allem vervierfachte sich das Restrukturierungsvolumen fast auf über 300 Mio. EUR. Auch nicht schön: Der IR-Score erodierte von 4,05 auf nur noch 3,88 (von maximal möglichen 5 Punkten). Maßgeblicher Grund dafür dürften zahlreiche Eigenemissionen sein, also ohne Bankbeteiligung – und häufig auch ohne IR-Agentur, die bekanntlich ebenfalls stets ein Auge auf ihre Emittenten hat.
Ausblick
Für den Herbst haben sich ja bereits mehrere Namen in Stellung gebracht für das Musterdepot. Dass Eleving für das Musterdepot in Frage kommt, hatten wir schon hervorgehoben. Nach wie vor rechnen wir auch noch mit einer vorzeitigen Refinanzierung von KatjesGreenFood. Bei beiden Emissionen sollte man dabei sein. Unsere aktuelle Liquidität rentiert nicht, also fast 20%, die keine Erträge einfahren – es wird langsam Zeit. Wenn wir die Schalke-Anleihe nach Erhalt des einmaligen Aufstiegsbonus veräußern, werden weitere ca. 6% Depotvolumen frei.
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