BlackRock: Zinspause der EZB ist keineswegs Ende der Fahnenstange

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Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie Deutschland, Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock, kommentiert das Ergebnis der gestrigen Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB):

Die EZB hat gestern wie erwartet die Füße stillgehalten – doch die Zinspause markiert unseres Erachtens nicht das Ende ihrer Zinserhöhungen. Die größere Frage lautet vielmehr: Wie weit und wie schnell muss die EZB die Zinsen noch anheben – und wie restriktiv wird ihre Geldpolitik letztlich ausfallen? Erschwert wird diese Entscheidung sowohl durch den sich weiter entfaltenden Energieangebotsschock als auch durch die Spannungen an den Anleihemärkten.

Die mit den Angebotsstörungen einhergehenden Inflationsrisiken sprechen für eine weitere Zinsstraffung. Europa hat die Folgewirkungen der Spannungen in Nahost besser verkraftet als zunächst befürchtet, doch die Energiepuffer schrumpfen. Zudem gibt es inzwischen Anzeichen dafür, dass die erhöhten Energiekosten auf die Lohnentwicklung und breitere Preissteigerungen durchschlagen – wenn auch bislang nicht über die Erwartungen der EZB hinaus.

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Die höheren Anleiherenditen wiederum – getrieben von hartnäckiger Inflation, beanspruchten Staatshaushalten und vor allem einem sich weltweit verschärfenden Wettbewerb um Kapital – straffen die Finanzierungsbedingungen bereits an Stelle der EZB. Jüngste Daten zeigen, dass höhere Zinsen private Haushalte und Unternehmen von der Kreditaufnahme bei Banken abhalten. Sollte der Renditeanstieg ungeordnet verlaufen, verfügt die EZB über Instrumente, um gegenzusteuern. Die Hürde für ein direktes Eingreifen im Falle Frankreichs bleibt jedoch hoch.

Hält der energiebedingte Preisdruck an, ist eine Zinserhöhung auf 2,75% im Dezember aus unserer Sicht wahrscheinlich. Mit 2,50% liegen die Leitzinsen am oberen Ende des von der EZB geschätzten neutralen Bereichs, der die Konjunktur weder ankurbelt noch bremst. Über Dezember hinaus ist der Pfad weniger klar: Zinserhöhungen auf 3,00% und darüber würden wohl deutlichere Belege dafür erfordern, dass der Energieangebotsschock auf die unterliegende Inflation durchschlägt.

Ann-Katrin Petersen, BlackRock

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