
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im ersten Halbjahr um 16% gestiegen. Besonders betroffen sind etablierte Unternehmen.
Die Insolvenzwelle in Deutschland hat sich im ersten Halbjahr 2026 weiter verschärft. Nach einer Analyse von Dun & Bradstreet stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf 9.557 Fälle und damit auf den höchsten Stand der vergangenen fünf Jahre. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Anstieg um 15,8 %. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnten im Gesamtjahr 19.000 bis 20.000 Unternehmensinsolvenzen registriert werden, nach 17.100 Fällen im Jahr 2025.
Als Ursachen nennt Dirk Radetzki, Senior Vice President Global Transformation & Business Development bei Dun & Bradstreet Deutschland, die Kombination aus schwachem Wirtschaftswachstum, hohen Energie- und Lohnkosten, einer verhaltenen Nachfrage, den Nachwirkungen der Hochzinsphase sowie geopolitischen Unsicherheiten.
Auffällig ist die Verschiebung hin zu älteren Unternehmen. Firmen mit mehr als zehn Jahren Marktpräsenz stellen inzwischen mit 3.227 Insolvenzen beziehungsweise 34% aller Fälle die größte Gruppe. Vor fünf Jahren lag ihr Anteil noch bei rund 29 %. Junge Unternehmen bis drei Jahre machen dagegen lediglich 17% der Insolvenzen aus.
Nach Einschätzung von Dun & Bradstreet geraten insbesondere etablierte Mittelständler zunehmend unter Druck, da sie ihre Geschäftsmodelle unter anderen Kosten- und Finanzierungsbedingungen aufgebaut haben und nun gleichzeitig Digitalisierung, Energiewende und Fachkräftemangel bewältigen müssen.
In 15 von 16 Bundesländern nahmen die Insolvenzen zu. Lediglich Thüringen verzeichnete einen leichten Rückgang von 2%. Die höchsten prozentualen Zuwächse gab es in Bremen (+41%), Brandenburg (+30%), Schleswig-Holstein (+29%) und Hamburg (+29%).
Die meisten Insolvenzen entfielen absolut auf Nordrhein-Westfalen (2.211), Bayern (1.417) und Baden-Württemberg (1.097).
Nach Branchen lagen das Handwerk – insbesondere das Ausbaugewerbe – mit 836 Insolvenzen sowie der Großhandel mit 728 Fällen an der Spitze. Es folgten Unternehmens- und Steuerberatung (663) sowie das Gastgewerbe (656).
Überdurchschnittlich stark stiegen die Insolvenzen in der Telekommunikation (+60%), im Bergbau um die Hälfte sowie im Gastgewerbe um ein Fünftel.
Dun & Bradstreet ist ein führender Anbieter für verifizierte Wirtschafts- & Entitätsdaten, die den unternehmensweit skalierten Produktiveinsatz von KI ermöglichen. Das Unternehmen führte 1963 die D-U-N-S-Nummer ein, die heute der weltweite Standard zur Identifizierung von Unternehmen ist.
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