
Die MERKUR PRIVATBANK sieht die Kapitalmärkte im Spannungsfeld zwischen KI-Boom, Geopolitik und Zinspolitik. Für Anleger dürfte die zweite Jahreshälfte volatil bleiben.
Die internationalen Kapitalmärkte haben im zweiten Quartal 2026 trotz Nahostkrieg, zeitweise geschlossener Straße von Hormus und heftiger Ölpreisschwankungen neue Höchststände erreicht. Nach Einschätzung von Stefanie Abelshauser, Portfoliomanagerin der MERKUR PRIVATBANK, stehen dahinter zwei gegensätzliche Kräfte: der Investitionsschub rund um Künstliche Intelligenz (KI) sowie die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts und höherer Zinsen.
Vor allem in den USA überdecke der KI-Boom derzeit viele Konjunkturrisiken. Die Wall Street profitiere sowohl von milliardenschweren Investitionen in Zukunftstechnologien als auch von der Rolle der USA als Netto-Ölexporteur. Gleichwohl mahnt Abelshauser zur Differenzierung: Nicht jeder vermeintliche KI-Gewinner verfüge bereits über belastbare Geschäftsmodelle oder entsprechende Cashflows. Die zwischenzeitige Rotation aus Technologiewerten in defensivere Sektoren zeige, dass Investoren Bewertungen zunehmend hinterfragen.
Europa bleibe dagegen stärker unter Druck. Zwar hätten sich die Aktienmärkte ebenfalls freundlich entwickelt, jedoch belaste die Kombination aus Energieabhängigkeit, geopolitischen Risiken und einer vergleichsweise geringen Gewichtung von Technologiewerten. Insbesondere Deutschland leide stärker unter steigenden Energiepreisen und den Folgen internationaler Konflikte. Energie werde damit zunehmend zu einem entscheidenden Bewertungsfaktor für europäische Aktien.
Auch die Notenbanken stünden vor einem schwierigen Balanceakt. Während die EZB den Leitzins im Juni erstmals seit 2023 wieder um 0,25 Prozentpunkte anhob, hielt die US-Notenbank FED ihre Zinsen zunächst konstant. Mit dem Rückgang der Energiepreise hätten beide Zentralbanken zuletzt allerdings versöhnlichere Töne angeschlagen. Für Anleger bedeute dies das Ende einer berechenbaren Zinspolitik und den Beginn einer stärker datengetriebenen Phase mit entsprechend höheren Schwankungen an den Kapitalmärkten.
Selbst klassische sichere Häfen funktionierten laut MERKUR PRIVATBANK inzwischen anders als in früheren Krisen. So habe Gold trotz geopolitischer Spannungen im zweiten Quartal rund 15% an Wert verloren. Gestiegene Realzinsen in den USA und die veränderten Liquiditätspräferenzen der Anleger hätten den Goldpreis belastet, während die Nachfrage der Zentralbanken und aus China stabilisierend gewirkt habe.
Für die zweite Jahreshälfte erwartet Stefanie Abelshauser ein insgesamt moderat positives, zugleich aber deutlich schwankungsreicheres Marktumfeld. Qualität, Diversifikation und ein aktives Risikomanagement dürften wichtiger werden als kurzfristige Markttrends oder einzelne Anlagethemen.
Stefanie Abelshauser ist Portfoliomanagerin der MERKUR PRIVATBANK und verantwortet die Einschätzung aktueller Entwicklungen an den internationalen Kapitalmärkten. Die MERKUR PRIVATBANK mit Sitz in München ist die einzige deutsche Bank, die zugleich inhabergeführt und börsennotiert ist. Das Institut verwaltet rund 5,0 Mrd. EUR Assets under Management und ist auf Vermögensanlage, Finanzierung und Rentenhandel spezialisiert.
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