Burnham steht in Großbritannien vor Inflationsfalle

Andy Burnham übernimmt Großbritannien mit hohen Lebenshaltungskosten. Nach Ansicht von Stephen Li Jen liegt die Ursache in einer verfehlten Fiskal- und Geldpolitik.

Mit der Ernennung von Andy Burnham zum britischen Premierminister rückt für Stephen Li Jen, CEO von Eurizon SLJ Capital, vor allem ein Thema in den Mittelpunkt: die hohen Lebenshaltungskosten. Deren Ursachen sieht er jedoch nicht in aktuellen Entwicklungen, sondern in den während der Pandemie aufgelegten massiven fiskalischen Konjunkturprogrammen und der quantitativen Lockerung (QE).

Nach Einschätzung von Li Jen hätten die westlichen Industrieländer die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie mit überzogenen Staatsausgaben bekämpft. Die Zentralbanken hätten diese Politik durch umfangreiche Anleihekäufe zusätzlich unterstützt. Das Ergebnis sei eine deutlich höhere kumulierte Inflation seit Ende 2019 als in vielen asiatischen Volkswirtschaften und Schwellenländern.

London, City of Großbritannien

Für Großbritannien sieht Li Jen inzwischen einen Teufelskreis entstanden: Eine wachsende Abhängigkeit von Sozialleistungen lasse sich nicht dauerhaft über Steuereinnahmen finanzieren. Weitere staatliche Ausgaben würden nach seiner Einschätzung die Inflation zusätzlich anheizen und die Zinsen weiter steigen lassen.

Deutliche Kritik übt der Ökonom an der keynesianisch geprägten Wirtschaftspolitik. Bislang fehle eine ehrliche Aufarbeitung, ob die außergewöhnlich expansiven Maßnahmen während der Pandemie über das Ziel hinausgeschossen seien. Aus seiner Sicht seien ausgerechnet jene politischen Denkschulen weiterhin tonangebend, die den Inflationsschub maßgeblich verursacht hätten.

Stephen Li Jen, Eurizon SLJ Capital

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