Energiemärkte zeitigen kurzfristigen Schock, folgen aber auch langfristiger Logik

Energiemärkte reagieren nervös auf den Nahostkonflikt – doch langfristig bleiben Strompreise dank struktureller Trends stabil.

Die aktuellen Turbulenzen an den Energiemärkten zeigen ein zweigeteiltes Bild: Während geopolitische Spannungen kurzfristig für deutliche Preissprünge sorgen, bleiben langfristige Trends erstaunlich stabil. René Kautz, CCO der aream Group, betont, dass insbesondere kurzfristig zu liefernder Strom deutlich teurer geworden ist, während längerfristige Preise weniger stark reagieren.

Grund dafür ist die bekannte Merit-Order-Logik: Gaskraftwerke bestimmen häufig den Strompreis als letzte zugeschaltete Technologie. Steigende Gaspreise – aktuell bei über 50 EUR/MWh – treiben daher unmittelbar auch die Strompreise. An der Energiebörse werden für das zweite Quartal 2026 rund 89 EUR/MWh aufgerufen, für das dritte knapp 100 EUR/MWh und für das vierte etwa 117 EUR/MWh. Diese kurzfristigen Ausschläge spiegeln vor allem Versorgungs- und Transportrisiken wider, etwa bei LNG-Lieferketten oder im Tankerverkehr.

Mit Blick auf die Zukunft zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Für 2027 liegt der Strompreis aktuell bei rund 92 EUR/MWh, für 2028 sogar nur bei etwa 74 EUR/MWh. Der Terminmarkt signalisiert damit, dass sich Handelsströme und Infrastruktur mittelfristig anpassen dürften. Laut aream Group werden die aktuellen Risiken bereits eingepreist, verlieren aber mit zunehmendem Zeithorizont an Bedeutung.

Energiemärkte und Erneuerbare müssen zusammenfinden

Parallel verändert der Ausbau der Erneuerbaren Energien die Marktstruktur grundlegend. Mehr Wind- und Solarstrom führen zu höherer Volatilität, mit häufigeren Preisspitzen und auch negativen Preisen. Damit gewinnt ein Faktor zunehmend an Bedeutung: Flexibilität. Für Investoren entstehen neue Erlöspotenziale durch die Kombination aus erneuerbarer Erzeugung, Batteriespeichern und intelligenter Vermarktung.

Gerade für Photovoltaik sieht Kautz künftig steigende wirtschaftliche Chancen. Mit wachsender Flexibilität im System lassen sich Preisspitzen besser nutzen, was die Erlösstruktur verbessert. Gleichzeitig zeigt sich ein strategischer Vorteil der Erneuerbaren: Sie sind unabhängig von geopolitischen Konflikten, Förderländern und sensiblen Transportwegen.

René Kautz

René Kautz

Fazit: Kurzfristige Schocks treiben die Preise – doch die langfristige Entwicklung der Energiemärkte wird durch strukturelle Faktoren wie Ausbau der Erneuerbaren, Systemintegration und Flexibilität bestimmt. Ein Umfeld, das Risiken birgt, aber auch neue Chancen für Investoren eröffnet.

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