Zank um Insolvenz der EVAN Group – Großinvestor Swiss Merchant Group fechtet Insolvenzantrag an

Die Swiss Merchant Group (SMG) zweifelt die rechtlichen Voraussetzungen des am 6. Juni eingereichten Insolvenzantrags der EVAN GROUP an.

Zum Hintergrund: Die SMG hatte am 17.11.2017 in einer Pressmitteilung den Einstieg in ein Investment in EVAN Bonds DE000 A19L42 6 mitgeteilt. Vorausgegangen war ein unterschriebenes DCM Bond-Purchase Agreement vom 18.07.2017 zwischen der SMG und der EVAN Group PLC, in der die Swiss Merchant Group einen exklusiven Investment- und Kaufvertrag auf alle EVAN Anleihen dieser ISIN erhalten hatte und hierin explizit auf das eingezahlte Eigenkapital der Evan Group PLC in Höhe von 100 Mio. EUR hingewiesen worden war.

Im weiteren Verlauf der Bond-Emission wurden dann noch in dem PPM-Prospekt, in Sachwertgutachten von Jones Lang LaSalle, Sachkapitalerhöhungsberichten, und der Eröffnungsbilanz dargestellt, dass eine Einbringung von Immobilien-Gesellschaften mit einem bilanziellen Net- Asset Value von über 100 Mio. EUR aus der Gerstner Unternehmensgruppe (UNIMO, Livinit, Shopinit, Sleepinit, usw.)  nicht nur beabsichtigt, sondern auch bereits erfolgt sei.

Nach den nun vorliegenden Erkenntnissen wurden die 100 Mio. EUR Eigenkapital in der Eröffnungsbilanz im Jahr 2017 aktiviert (Bericht von RSM Malta, im Juni 2017, Teil des PPMs) und der SMG sowie auch anderen institutionellen Anleihekäufern sowie dem Kapitalmarkt so im EU-Private Placement Memorandum sowie in der Eröffnungsbilanz der EVAN präsentiert.

Nachdem man die Anleihegelder der Investoren erhalten hatte, wurde begonnen, Teile der der EVAN Group PLC zugeordneten Vermögenswerte, die laut Deloitte Sachkapitalerhöhungsbericht in der Eröffnungsbilanz aktiviert waren, bei der EVAN wiederum herauszunehmen und außerbilanziell (Off-balance) zu verkaufen.

Hiervon waren in einer Periode von insgesamt fünf Jahren drei Immobilien oder deren deutsche Zweckgesellschaften der EVAN betroffen, die in einer Größenordnung von rund 75 Mio. EUR verkauft wurden. Da es sich zum Teil auch um banklastenfreie Immobilien mit geringer Fremdfinanzierungsquote gehandelt hat, hätte dieser erzielte monetäre Mehrerlös eigentlich der EVAN zu Gute kommen müssen.

Ein prominentes Beispiel wird öffentlich im Presseartikel der Immobilien Zeitung Deutschland vom Montag dem 5. September 2022, wo die UNIMO Gruppe anstatt der Evan Group plc als Verkäufer des Büdingen Fachmarkt Zentrums genannt wird. Das Büdingen Fachmarkt Zentrum wurde als Teil des PPMs angegeben.

Die EVAN ist eine Sitzgesellschaft mit Sitz in Malta. Die operative Führung und Entscheidungsfindungen der EVAN wurden sowohl in Xanten, Deutschland als auch in Zug in der Schweiz erbracht. Der Buchhalter der (Sekretär der Gesellschaft) sitzt in Deutschland. Alle wirtschaftlich-relevanten Entscheidungen, die im Zusammenhang mit den EVAN Sachkapitalerhöhungs-Einbringungen, Aktivierung der Buchungen, Kapital-Reduzierungen, außerbilanziellen (Off-Balance) Immobilienverkäufen stehen, wurden in Deutschland als auch in der Schweiz von den Verantwortlichen sowie Mitgliedern der Familie Gerstner getätigt.

Die SMG fordert:

A) Das Insolvenzverfahren der EVAN GROUP PLC sofort zurückzuziehen

B) Den sofortigen Rückübertrag aller in den Jahren 2018 bis 2022 durch die außerbilanziellen Verkäufe heraus entstandenen monetären Überhänge sowie den gesamten offenen Anleihebetrag von knapp 24 Mio. EUR sowie die aufgelaufenen Matchzinsen der letzten zwei Jahre an die Bondgläubiger, DE000 A19L42 6, mit sofortiger Valutierung auszubezahlen.

Luke Heatley, Investment Officer der Swiss Merchant Group: „Wir sind in dem Fall Evan sowie der Quadro Vermögensverwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft sehr gut dokumentiert und glauben in der nahen Zukunft eine 100%ige Quote für die EVAN-Anleihegläubiger erzielen zu können. Selbstverständlich werden wir, um weiteren Schaden von den Anleihegläubigern abzuwenden, alle unsere Bemühungen darauf konzentrieren auch die Finanzaufsichts- und Strafverfolgungsbehörden in den fünf Ländern sowie die Gerichte entsprechend zu informieren und verschiedene Verantwortlichkeitsklagen vorzubereiten und einzureichen.“

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