URA Emissions-Check für KMU-Anleihen: PNE neu in der Beobachtung, paragon verbessert, 10 Anleihen mit unveränderter Beurteilung

Foto: © blende11.photo – stock.adobe.com
Aktueller URA-Emissions-Check für KMU-Anleihen
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In den letzten Monaten wurden wieder zahlreiche Finanzberichte veröffentlicht. Hierdurch wurde die URA-Beurteilung für 10 Anleihen bestätigt, für paragon I+II hat sie sich verbessert und für HanseYachts II verschlechtert. Die Folgeanleihe PNE II wurde neu in die URA-Beobachtung aufgenommen.

Im Rahmen unseres Monitorings ist uns aufgefallen: Von den aktuell 18 von URA beobachteten Emittenten (22 Anleihen), bei denen es sich vorwiegend um Folgeemissionen handelt, haben immerhin 12 ihre Zinsdeckungsgrade bezogen auf das EBIT(DA) verbessert, verglichen mit dem Zeitpunkt der Erstemission. Dies ist einerseits auf die gestiegene Ertragskraft und andererseits auf die zinsgünstigere Refinanzierung zurückzuführen.

Die Kennzahl Net Debt / EBITDA als Indikator für die theoretische Schuldentilgungsdauer, bei der zinsgünstigere Refinanzierungskonditionen keine Rolle spielen, hat sich dagegen nur bei 9 Emittenten verbessert. Zum Zeitpunkt der Erstemission wurden zwecks Vergleichbarkeit Zinsaufwand und Volumen der Anleihe bereits eingerechnet.

Monitoring: Beobachtung durch URA begonnen

PNE II
Neu in der URA-Beobachtung ist die 2. Anleihe der PNE AG, ein Entwickler von Onshore- und Offshore-Windparks. PNE II hat 3 „URA-Haken“ erhalten, versehen mit dem Zusatz „watch“ wegen vergleichsweise schwerwiegender unten aufgeführter Risiken.

PNE WIND AG: Zinssatz für die Unternehmensanleihe auf 4% p.a. und damit am unteren Ende der Spanne festgelegtStärken: mehr als 20 Jahre Erfahrung als Projektentwickler in einem Wachstumsmarkt, mit umfangreichen Kontakten zu Lieferanten und Investoren. Problemlose Rückzahlung der Anleihe I (100 Mio. EUR) am 1.6.2018 aus der Liquidität (189 Mio. EUR zum 31.3.2018), für die PNE nicht auf die am 2.5.2018 emittierte Anleihe II (50 Mio. EUR) angewiesen war.

Im Prime Standard notierte Aktie (Möglichkeit zur Eigenkapitalbeschaffung, hohe Transparenz mit Quartalsberichten). Positive Nettoliquidität. Auch nach Abzug von Goodwill und aktiven latenten Steuern eine Eigenkapitalquote von 36%. Zins-Step-up bei der Unterschreitung einer Eigenkapitalquote von 25% bzw. 20% (bilanziell und bezogen auf die Bilanzsumme ohne Liquidität).

Schwächen: zuletzt eine nur ausreichende EBIT(DA)-Zinsdeckung, die sich durch die Tilgung der Anleihe I (Halbierung von Anleihevolumen und Kupon) jedoch auf ein befriedigendes Niveau verbessern sollte.

Aus PNE WIND wird PNE - Pure New EnergyAls Projektierer abhängig vom Veräußerungszeitpunkt an Investoren; deshalb sehr stark schwankende Finanzkennzahlen. Hoher Zwischenfinanzierungsbedarf für den Aufbau des „Windparkportfolios 2020“. Hohe Abhängigkeit von politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen, mit seit 2017 verschlechterten Bedingungen speziell für Offshore-Projekte (PNE wehrt sich mit einer Verfassungsklage gegen einen drohenden Abschreibungsbedarf von 24 Mio. EUR).

Preisdruck durch das seit 2017 gültige Ausschreibungsverfahren (anstelle fester Einspeisevergütungen), mit dem PNE erst noch Erfahrung sammeln muss. Beginn einer strategischen Weiterentwicklung zur Verstetigung von Ergebnis und Cashflow, mit Anlaufkosten und unsicherem Erfolg: weg von dem fast reinen Projektierer von Windparks hin zu einem umfassenden „Clean Energy Solution Provider“ (auch Photovoltaik, Energiespeicherung, Erzeugung von Wasserstoff aus Strom). Außerdem werden das Auslandsgeschäft und die Dienstleistungen intensiviert.