„Schnell sein und vielleicht 10% vom Markt abgreifen“ – BondGuide im Interview mit MobilCom- und freenet-Gründer Gerhard Schmid, BaaS

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BondGuide im Gespräch mit Gerhard Schmid, Gründer und CEO der BaaS.business: Das aktuelle Projekt des MobilCom- und freenet-Gründers hat ein ganz neues Leitmotiv: Blockchain for real Business.

BondGuide: Herr Schmid, BaaS ist die Abkürzung für … ?
Schmid: Blockchain as a Service. Das hat mit ICOs und was es da vor nicht allzu langer Zeit gab, nicht mehr viel zu tun. Heute geht es um Token mit konkretem Nutzen und konkreten Erträgen, und damit um Security Token – also Wertpapiere, die später an Börsen bzw. Exchanges gehandelt werden.

BondGuide: Was hat Sie denn in das Blockchaining-Business geführt?
Schmid: Ich hatte bei einem Beratungsprojekt mit der Blockchain-Technologie zu tun und dabei deren große Vorteile in Bezug auf Datensicherheit erkannt. Wenn man analysiert, wo Hacker Einbruchspforten finden und wo bzw. wobei Daten verloren gehen können, dann ist stets eine zentralisierte Datenablage schuld. Damit sind nicht einmal nur die Hacker-Angriffe gegen ICO-Server gemeint – sondern ganz allgemein. Was liegt also näher, als Blockchaining so zu verorten, dass kein Mufti die Zentralgewalt über alle Glieder der Kette hat? Das war der Kern unserer Geschäftsidee.

„Beim Blockchaining hat kein Mufti die Zentralgewalt über die Glieder der Kette“
Gerhard Schmid

BondGuide: Also Blockchain 2.0?Snapshot Marktpotenzial Blockchaining
Schmid: Nein, wird sind schon bei 3.0. Die Ausgangsvariante waren Bitcoin und andere virtuelle Währungen für die sogenannten Miner, Spieler und üblichen Hasardeure. Blockchain 2.0 kam in der Folge mit Werkzeugen und Protokollen für Blockchain-Entwickler, um Anwendungen zu erstellen. Ethereum wäre hier als Beispiel zu nennen. Blockchain 3.0 bedeutet nicht weniger als Blockchain für Anwender, also eine funktionierende Infrastruktur mit vorinstallierten Anwendungen und echtem Anwendernutzen. Das ist das Thema, dem wir uns mit BaaS widmen.

BondGuide: Können Sie uns praxistaugliche Anwendungen nennen, die einen konkreten Nutzen bedeuten?
Schmid: Die sind so zahlreich, dass wir uns heute noch gar nicht alle vorzustellen vermögen. Nehmen Sie ein ganz einfaches Beispiel, denn beim Blockchaining geht es doch vor allem um eines: eine unverfälschbare Dokumentation von etwas, das gerade stattfindet oder stattfand. Ein Container auf der Reise von Deutschland nach China: Wie ich gelernt habe, sind nicht weniger als 37 Formulare nötig, bis der dort ankommt. Bei jeder Zwischenabnahme kommt es zu möglichen Verfälschungen oder Einbruchstellen. Wie viel einfacher und um wie viel sicherer wäre es, all diese Dokumentationen fälschungs-, revisionssicher digital und dezentral zu gestalten? Über einfache Sensoren und eine passende Schnittstelle.

„Niemand kann eingreifen und irgend etwas ändern – die Blockchain ist revisionssicher“
Gerhard Schmid

BondGuide: Ich bin nicht sicher – wir schicken nicht so häufig Container nach China. Oder irgendwo hin.
Schmid: Nein, ich übrigens auch nicht. Aber Sie haben doch sicher eine Krankenakte bei Ihrem Hausarzt. Die Patientenvorgeschichte und Ihr aktueller Gesundheitsstatus sind auch ein Beispiel für eine Blockchain: Diese soll doch hoffentlich nicht fälschbar, nicht nachträglich zu verändern und für Unbefugte nicht einsehbar sein. Zugang darf nur haben, wem sie den erteilt haben: Ihrem Arzt und sich selbst.

BondGuide: Also so etwas wie eine Cloud?
Schmid: In einer Cloud gibt es jemanden, der sie eingerichtet hat – also die Kontrolle hat – und einen Provider, der sie bereitstellt. Und auch der steht damit irgendwo im Zentrum. Bei einer Blockchain gibt es ein nicht veränderbares Protokoll, das die Daten auf weltweit verteilten Servern dezentral speichert. Da kann niemand eingreifen und irgendetwas ändern – die Blockchain ist revisionssicher.

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„Es gibt einen guten Grund, warum Großunternehmen mit smarten Startups in der Regel nicht mithalten können“
Gerhard Schmid

BondGuide: Wie würden Sie Ihre Geschäftsstrategie dann beschreiben? Ihre Idee scheint gut – aber auch nicht vollständig neu.
Schmid: Es gibt einen guten Grund, warum Großunternehmen oder deren Ausgliederungen mit smarten Startups in der Regel nicht mithalten können: sie sind einfach nicht schnell genug. Kein Facebook und kein Microsoft dieser Welt war eine Sparte eines Großkonzerns. Nicht zu vergessen, was Steve Jobs auf die Beine gestellt hat. So bilden wir auch wir uns nicht ein, die ersten 500 Apps für ein BaaS-Geschäft selbst entwickeln zu können. Würden wir das versuchen, kämen wahrscheinlich keine fünf dabei heraus nach einem Jahr. Aber Startups mit Spezialisten auf ihrem jeweiligen Gebiet können das. Wir stellen die Infrastruktur und das Netzwerk. Dann kommen schon eher 500 zusammen. Ob als Venture oder als Partner, ist uns eigentlich egal – Hauptsache schnell am Markt. Und wir leben davon, dass wir schnell sind. Schnell sein und meinetwegen 10% vom Markt abgreifen, der gewaltig ist.

BondGuide: Konkret zu Ihrem Token: Da sind Sie auch schnell. Wie sieht die Gestaltung aus?
Schmid: Wir finanzieren den Geschäftsausbau durch die Ausgabe von Token im Rahmen eines Private Placements*. Diese berechtigen auf der Infrastruktur Leistungen anzubieten und dienen dort zugleich als Zahlungsmittel. Wir sind zu dem naheliegenden Schluss gekommen, dass es absurd ist, von Investoren Geldmittel einzuwerben – eben wie bei vielen, wenn nicht allen Token-Offerings –, einzig mit der Aussicht auf irgendetwas Künftiges, in einigen Jahren Revolutionäres. Daher bietet der BaaS-Token zusätzlich zu der Geschäftsstrategie einen Zinskupon von 9% per annum auf den Ausgabepreis. Das hat zwei Vorteile: Zum Einen bedeutet dies eine Downside Protection, weil ein Token mit Zinskupon auch anhand der aktuellen Zinslandschaft bewertet wird. Zum Anderen gibt es ein immanentes Kurssteigerungspotenzial von Beginn an, weil die BaaS-Token als Zahlungsmittel für die Leistungsverrechnung innerhalb unserer Blockchain eingesetzt und deshalb an Börsen liquide gehandelt werden.

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BondGuide: Und wie steht es mit der Handelbarkeit?
Schmid: Stuttgart – hier hat sich die Stuttgarter Börse mit der geplanten CryptoExchange und ICO-Plattform etwas einfallen lassen. Daneben gibt es zahlreiche Projekte zum Handel mit Security Token in der Schweiz, in den USA und in Asien.

BondGuide: Herr Schmid, besten Dank an Sie für Ihren kurzfristig arrangierten Besuch und dabei natürlich viel Erfolg!

Interview: Falko Bozicevic und Svenja Liebig

Gerhard Schmid gründete 1991 MobilCom und 1998 freenet. Beide Unternehmen gingen Ende der 90er unter Schmids Führung an die Börse. Heute ist Schmid Berater von Startups sowie Gründer und CEO der BaaS.

*) 20 Mio. EUR via Private Placement zu 1 EUR pro Token, Mindestzeichnung 100 TEUR. Fünf Ankerinvestoren können zu 0,50 EUR pro Token mit Mindestzeichnung 500 TEUR investieren.