Redwheel: „Die Outperformance ist immer noch da“

Zuletzt sprach BondGuide Mitte März 2024 mit Redwheel Fondsmanager Davide Basile*. Natürlich wollten wir wissen, ob die Prognosen des Spezialisten für Wandelanleihen (Convertibles) auch so aufgegangen sind.

BondGuide: Davide, wie entwickelt sich dieses Jahr für Wandelanleihen, insbesondere im Vergleich zum letzten Jahr, als wir im März sprachen?
Basile: Oh, seitdem ist viel passiert. In unseren Gesprächen Anfang 2024 und auch bereits 2023 hatte ich Ihnen gesagt, dass es sich um eine Art ‚Show-me-Geschichte‘ handele. Wir gingen davon aus, dass alle fundamentalen Aspekte, die die Wandelanleiheklasse unterstützen, in Einklang stehen würden. Wir dachten damals, dass die Anleger wieder auf diese Anlageklasse schauen würden, sobald sich die von uns erwartete Entwicklung tatsächlich einstellen würde.

BondGuide: …aber?
Basile: Das basierte auf der Annahme, die Performance würde sich deutlich verbessern, weil die Emissionen hoch bleiben würden. Die Volatilität würde aufgrund der Unsicherheiten in Zusammenhang mit dem Regierungswechsel in den USA zurückkehren. Das waren einige unserer wichtigsten Punkte im Gespräch damals. Statt von sehr wenigen Unternehmen dominiert zu werden, würde der Markt eine viel breitere Rallye erleben. Das war jedenfalls unsere Erwartung. Demzufolge sollten Wandelanleihen gut abschneiden. Und all diese Dinge haben sich mehr oder weniger verwirklicht.

BondGuide: Nun ist Trump 2.0 seit Anfang 2025 ein Fakt und am Werk – was hat sich für die Märkte geändert?
Basile: Tatsächlich wurde deutlich, dass die Ausweitung der Rallye auf einige der umgesetzten politischen Maßnahmen zurückzuführen war. Man könnte argumentieren, dass die Administration etwas weniger globalisierungsorientiert ist und sich stärker auf innenpolitische Themen fokussiert. Infolgedessen haben sich Mid- und Large-Cap-Unternehmen etwas besser entwickelt, während die Mega-Caps nicht unbedingt die treibende Kraft der Marktperformance waren. Wandelanleihen bieten genau diese Art von Marktexposure, was ihnen einen leichten Vorteil gegenüber reinen Mega-Cap-Investments verschafft hat. Dadurch konnten Wandelanleihen deutlich stärker an der  Aktienmarktentwicklung partizipieren. Dieses Jahr wird wahrscheinlich eines der Rekordjahre sein. Es gab eine hohe Aktivität am Primärmarkt.

„Dieses Jahr wird wahrscheinlich eines der Rekordjahre für Wandelanleihen sein.“

BondGuide: Ist das nicht ganz normal, da 2024 ein recht gutes Jahr für Aktien war? Neue Convertibles-Emissionen sollten sich also gut präsentieren.
Basile: Absolut. Es gibt drei treibende Faktoren. Die Performance des Aktienmarktes kann ein Treiber sein, da Unternehmen sozusagen verwässernde Wertpapiere ausgeben, nämlich Wandelanleihen – also Bonds, die später in Aktien getauscht werden können oder sogar müssen. Höhere Zinssätze sind ein weiterer Treiber, denn wenn ein Unternehmen eine Wandelanleihe ausgibt, zahlt es einen niedrigeren Kupon, weil es gleichzeitig eine Kaufoption auf seine Aktien verkauft. Wenn die Zinsen bei 4 bis 5% liegen, wie derzeit in den USA, kann ein Unternehmen möglicherweise eine Wandelanleihe mit 2 bis 3% Kupon emittieren. Je höher die Zinsdynamik, desto attraktiver ist es für eine breitere Gruppe von Unternehmen, Wandelanleihen auszugeben.

BondGuide: Zuletzt lief es also stark für Wandelanleihen – aber nicht innerhalb Europas. Sie bleiben wohl weiter Fan der USA?
Basile: Richtig – es gab viele Emissionen insgesamt, aber schauen Sie sich diese Grafik an: Die meisten Emissionen kamen aus den USA und Asien. Europa hat nicht viel zum aktuellen Stand beigetragen. Die Zinsen in den USA sind nach wie vor deutlich höher und die Volatilität ebenfalls. Außerdem haben sich die Aktienmärkte sehr gut entwickelt. Diese drei Faktoren zusammen machen die Ausgabe von Wandelanleihen aus Emittentensicht attraktiv. Das ist nicht zwingend ein negatives Urteil über die Region Europa, sondern eher eine negative Sicht auf die Wandelanleihen, die ich in Europa von hiesigen Unternehmen kaufen kann. Schneider und SAP haben eine Wandelanleihe – aber abgesehen davon gibt es aus meiner Sicht sehr wenig in der institutionell relevanten Größenordnung.

„Die meisten Emissionen kamen aus den USA und Asien. Europa hat nicht viel zum aktuellen Stand beigetragen.“

BondGuide: Guter Punkt! Aber Deutschland hat doch beispielsweise auch noch Rheinmetall oder Hensoldt.
Basile: Und sie haben auch großartige Wandelanleihen, die sich sehr gut entwickeln. Aber ich kann keine Unternehmen berücksichtigen, die in irgendeiner Weise mit Verteidigungsausgaben verbunden sind. Für die überwiegende Mehrheit der Portfoliomanager gibt es ohnehin eine enge prozentuale Grenze. Nach Luxemburger SICAV-Artikel-8-Status geht das schon mal gar nicht mehr. Weniger streng regulierte Fonds wie Artikel-6 können immerhin ein wenig Rüstungsindustrie beimischen.

BondGuide: Wie ich in den monatlichen Berichten gesehen habe, hatten Sie eine kleine Finanzinnovation gebracht: den Enhanced Index. Was bitte ist das denn?
Basile: Eine echte Produktinnovation meiner Meinung nach. Zur Erinnerung: Es gab bei Convertibles keine wirklichen Möglichkeiten, um für die Anlageklasse ein gewisses Exposure zur Benchmark zu bekommen. Mein Team und ich haben diesen Sommer eine neue Strategie eingeführt, an der wir über zwei Jahre gearbeitet haben. Die Idee stammt aus einem Mandat, das wir für einen großen deutschen Pensionsfonds durchführen. Und sie bietet etwas, das es bisher noch nicht auf dem Markt gab: Wir haben es den Enhanced Index genannt.

„Mein Team und ich haben diesen Sommer eine neue Strategie eingeführt, an der wir über zwei Jahre gearbeitet haben.“

BondGuide: Klingt eher einfach.
Basile: Genau, es ist ein sehr einfacher Begriff für eine komplexe Strategie. Die Frage ist: Wie schlägt man die Benchmark, und zwar über einen gesamten Zyklus hinweg? Einige haben es mit unangemessenen Risiken versucht, also durch Exposure gegenüber Einzeltiteln oder solchen mit mehr Volatilität. Das hat nie wirklich funktioniert. Die Innovation ist nun, dass wir unsere Benchmark ohne diese Nebeneffekte schlagen und stets besser sind – was wir Alpha nennen – ohne großen Tracking Error gegenüber dem Index. In Kürze haben wir einen sechsmonatigen Track Record mit dem neuen Ansatz und echte Zahlen statt ausschließlich statistischer Rückrechnung, die belegen, dass es funktioniert.

BondGuide: In den Unterlagen sehe ich aber, dass das für Sie als Portfoliomanager einfach erscheinen mag, aber wie erklären Sie den Ansatz Ihren Investoren bzw. mir?
Basile: Wir verdeutlichen dies anhand von drei Hebeln, mit denen wir Gebühren ausgleichen und Alpha generieren. Der Erste ist die sogenannte Delta-Optimierung, wobei das Delta das Exposure zur Aktienkomponente von Convertibles wiedergibt. Wir nutzen diesen Hebel, um in die besseren Anleihen des zugrunde liegenden Unternehmens zu investieren, ohne wirtschaftlich vom Index abzuweichen. Durch diesen Prozess sparen wir Geld, das wir zur Steigerung unserer Rendite einsetzen können. Hebel Nummer zwei ist die Partizipation an interessanten Neuemissionen. Benchmarks nehmen nicht an diesem Primärmarkt teil, die Emissionen werden erst nach einer gewissen Zeit in einen Index aufgenommen. Hier besteht die Möglichkeit, mehrere Basispunkte Alpha zu generieren, also echte Outperformance durch den Fondsmanager. Und schließlich der dritte Hebel: Wir haben mit unserem Verwahrer ein Wertpapierleiheprogramm vereinbart, sodass er unsere gehaltenen Convertibles verleihen kann. Das Gegenparteirisiko liegt dabei nicht bei uns. Das generiert nochmals zusätzliche Basispunkte Einkommen. Wir nutzen diese drei Hebel, um unsere Rendite zu steigern, ohne von der Benchmark in Bezug auf die fundamentale Exposition abzuweichen.

Den Fonds von Redwheel gibt es in zahlreichen Währungen und Ausgestaltungen

Den Fonds von Redwheel gibt es in zahlreichen Währungen und Ausgestaltungen

„Wir nutzen drei Hebel, um unsere Rendite zu steigern, ohne von der Benchmark in Bezug auf die fundamentale Exposition abzuweichen.“

BondGuide: Und bei den Benchmark-Indizes funktioniert dies nicht, da das Rebalancing träge ist und hinterherläuft, da es i.d.R. nur einmal monatlich ist?
Basile: Indizes verfügen nicht über die Methodik, überschüssige Barmittel zu vermehren, da diese nicht vorhanden sind. Sie generieren in der Regel kein Alpha aus neuen Geschäften und sind nicht für eine Optimierung durch Kreditvergabe ausgelegt.

BondGuide: Und, sind Ihre Investoren denn überzeugt vom Enhanced Index?
Basile: Immer stärker, da sich die Beweise verdichten. Als die Märkte in den Sommermonaten nach oben gingen, kam natürlich die Frage auf: Wie schwierig kann diese Outperformance denn schon sein? Inzwischen sind die Märkte auch wieder gefallen und zeigten in jüngster Zeit eine erhöhte Volatilität, was die Stichhaltigkeit der Methodik weiter untermauert. Das ist fast ein vollständiger Mikrozyklus. Und die Outperformance ist immer noch da. Und so war dies das fehlende Puzzlestück für die Demonstration, dass es funktioniert und nicht nur Theorie ist. Einige Investoren benötigen eine längere Erfolgsbilanz, bis sie sich überzeugen lassen. Aber die ersten Anzeichen sind sehr ermutigend und der Track Record wächst stetig. Deshalb glauben wir, da kommen wir auch noch hin.

Davide Basile, Redwheel

Davide Basile, Redwheel

BondGuide: Davide, dann werden wir doch sicher auch 2026 wieder miteinander sprechen und gehen dann einen Track Record von 12 bis 18 Monaten durch – mal schauen, ob Sie dann immer noch so begeistert sind!
Basile: Das werden wir prüfen – und wir sprechen nächstes Jahr wieder.

Interview: Falko Bozicevic

*) Davide Basile stieß 2010 von Morgan Stanley zu Redwheel, wo er das Convertible Bonds Team leitet.

————-

! NEU ! Die erste BondGuide Jahresausgabe 2025 ist erschienen (12. Jun.): ‚Green & Sustainable Finance 2025‘ kann wie gewohnt kostenlos als e-Magazin oder pdf heruntergeladen werden.

Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !