NEUEMISSION IMMC: „Interessante Alternative für den kurzfristigen Anlagehorizont“

BondGuide im Gespräch mit Chris Kruecken, Gloabal Head of Business Development and Distribution von Bedford Row Capital, über die Emission des innovativen Geldmarktzertifikats IMMC: Es kombiniert verschiedene bewährte und bekannte Bestandteile zu einem neuen Produkt.

BondGuide: Herr Kruecken, Investoren stecken derzeit, genau genommen schon länger, in einem erheblichen Dilemma: Sparen wird zur Falle und führt zu definitivem realen Vermögensverlust. Zunächst einmal: Wie schlimm ist die Situation wirklich?
Kruecken: Relativ schlimm, speziell im EUR-Raum. Banken reichen schon seit längerem die Negativzinsen an gewisse Einleger weiter. Das sind aktuell bis zu 50 Basispunkte, also ein halbes Prozent pro Jahr – Inflation bzw. Kaufkraftverlust sowie Gebühren noch nicht berücksichtig. Wenn Anleger ihre Guthaben nur verwahren lassen, geht also permanent etwas verloren: ‚Cash is Trash‘.

BondGuide: Sie befassen sich mit besicherten Geldmarktinstrumenten. Das klingt zunächst erklärungsbedürftig – was ist das, laienhaft gefragt?
Kruecken: Das ist eigentlich recht einfach: Geldmarktinstrumente ist ein Sammelbegriff für Wertpapiere mit einer ursprünglichen Laufzeit oder Restlaufzeit von bis zu einem Jahr. Das sind zum Beispiel Tagesgelder oder Geldmarktpapiere.

Besicherungsübersicht

BondGuide: Das IMMC, kurz für Insured Money Market Certificate, investiert in landwirtschafte Produkte, ergänzt um eine erhöhte Kreditversicherung – Rendite ist Euribor +1,25%. Können Sie das Setup ein wenig erläutern?
Kruecken: Nehmen wir den 30 Tage IMMC als Beispiel. Der 1-Monats Euribor steht momentan bei ca. -0,5%. Der Anleger in unserem Beispiel würde also derzeit annualisiert 0,75% auf seine Anlage erhalten. Nach Ablauf der Laufzeit wird das Anlagekapital an den Investor, plus Zinsen, zurückgezahlt. Es besteht auch die Möglichkeit eines automatischen Roll-overs – also das automatische Übertragen in den nächsten 30-Tage-Zeitraum.

Schematische Darstellung

BondGuide: Wer ist die Zielgruppe für diese Art von Produkten, wer kann investieren?
Kruecken: Prinzipiell ist dieses Geldmarktzertifikat für professionelle und institutionelle Anleger gedacht, die in einem negativen Zinsumfeld eine positive Renditewahl treffen möchten, und dies ohne Korrelation zu den allgemeinen Finanzmärkten suchen. Muss man irgendwelche Kurse täglich verfolgen? – nein. Ausgegeben wird das Produkt als Nullkuponanleihe, das heißt unter Par, und die Rückzahlung erfolgt in 30, 60 oder 90 Tagen zu 100%.

BondGuide: Und woraus besteht die Versicherung, kurz: wie sichert sich der Emittent ab?
Kruecken: Die Versicherung besteht aus mehreren Teilen: Es sind genau genommen mehrere Versicherungen, die dem Produkt unterliegen. Die erste ist eine Frachtversicherung Formell gesprochen: Die Frachtversicherung versichert das am Ursprungsort eingeladene Frachtgut für den Fall, dass es am Zielort in einem schlechteren als dem Ausgangszustand ankommt. Zum zweiten eine Kreditversicherung, die sich wiederum gegen Unwägbarkeiten beim Abnehmer des Frachtguts richtet. Und schließlich noch eine See-Versicherung, die sich auf den Reiseweg bezieht – falls also dem Schiff etwas zustoßen sollte. Zudem gibt es noch verschiedene Be- und Versicherungen in Formen von Reserven, die auf Programmebene einbehalten werden, um die Anleger zusätzlich zu schützen.

Übersicht / Termsheet

BondGuide: Klingt soweit verständlich: Landwirtschaftliche Produkte wie Soja, Weizen oder Zucker werden im Zuge des Welthandels auf den Weg geschickt, und das IMMC stellt die Finanzierung dessen dar. Ungefähr richtig?
Kruecken: Genau genommen ist das Produkt nichts Neues – lediglich eine Kombination von bekannten Finanzbausteinen. Warentermingeschäfte sind wahrscheinlich die ältesten Finanzprodukte und existieren schon seit ca. 6oo Jahren. Nimmt man nun diese geläufigen Finanzbausteine, erhält man das IMMC: ein Zertifikat aufgebaut auf einem Warentermingeschäft kombiniert mit einer kurzfristigen Duration von 30, 60 und 90 Tagen. Hinzu hat man verschiedene Be- und Versicherungen eingebaut, um das Gesamtrisiko zu mitigieren. Somit hat man ein Produkt geschaffen, was nun für eine breite Investorenklasse, mit einer fixen Rendite und fixen Laufzeit, zugänglich ist.

BondGuide: Gibt es das IMMC nur auf EUR-Basis?
Kruecken: Im Gegenteil, auch in Schweizer Franken, US-Dollar und Britischen Pfund. Kurzlaufende Produkte weisen eine niedrige oder negative Bruttorendite auf und in der Schweiz haben wir das gleiche negative Zinsumfeld wie im EUR-Raum. Außerhalb des EUR-Raums bewegt sich der Geldmarkt auch stark gegen Null oder kommt gerade dort an, auf EUR-Basis ist mit den derzeitigen Minuszinsen von einem halben Punkt jedoch der Handlungsdruck für alle Anleger am begründetsten. Mit dem IMMC hat man die Möglichkeit, eine ansehnliche positive Rendite in einem selbstliquidierenden Produkt zu erzielen, wenigstens aber keinen Nominalverlust zu erleiden.

Das sog. Dashboard

BondGuide: Welche Funktion hat das sog. Dashboard, sozusagen wie die Sendungsverfolgung bei der Post – muss ein Investor quasi am Bildschirm kleben?
Kruecken: Nein, das muss er wie beschrieben keineswegs. Unser Dashboard dient dazu, den Investoren ausführliche und transparente Informationen zur Verfügung zu stellen. Somit hat der Investor stets einen aktuellen Überblick, z.B. welches unterliegende Produkt finanziert ist. Falls er aber nicht möchte, muss er kein einziges Mal das Dashboard aufrufen.

BondGuide: Was steht künftig zu erwarten aus dem Hause Bedford Row Capital?
Kruecken: Wir werden auch Sukuk-Zertifikate auf Basis des Besprochenen auflegen – also eine Sharia-konforme Variante. Ferner spezielle inflationsgeschützte Anlageformen oder solche auf weitere Währungen. Die Grundidee bleibt stets die gleiche und sie wird nur dem Markt- und Investorenwünschen angepasst.

BondGuide im Gespräch mit Chris Kruecken

BondGuide: Gibt es auch eine Möglichkeit, die Investment-Idee als Green Bond oder Green Issuance zu formalisieren?
Kruecken: Genau das schauen wir uns auch gegenwärtig verstärkt an. Wir prüfen die Möglichkeiten, einzelne oder mehrere Zertifikate nach ESG-Standards zu gestalten. Die Nachfrage ist ganz klar marktgetrieben durch den Umstand, dass dieses Thema mehr und mehr im Kommen ist, da Investoren bei ihren Anlageentscheidungen darauf achten möchten oder sogar achten müssen. Aus diesem Grunde berücksichtigen wir gegenwärtig bereits keinerlei Verschiffung von Palmöl. Selbst ohne Status als grünes Produkt ist uns wichtig, ein nachhaltiges Produkt bzw. ein Produkt basierend auf nachhaltiger Wirtschaft anbieten zu können.

BondGuide: Herr Kruecken, ganz herzlichen Dank für Ihre überaus interessanten Einblicke!

Interview: Falko Bozicevic

Fotos / Grafiken: @Bedford RC