
Deutschlands ‚Macher‘ starten ins Jahr 2026 mit der gewohnten Mischung aus Alarmismus, Selbstberuhigung und politischem Improvisationstheater. Von Falko Bozicevic
<< aus BG 02-2026 vom Freitag, 23. Jan. <<
Während die Konjunktur offiziell lahmt, tendiert die öffentliche Debatte weiterhin zuverlässig ins Extreme: Entweder steht der Standort kurz vor dem Kollaps – oder alles ist halb so schlimm, solange man nur lange genug darüber in den Diskurs geht.
Die kleinste Große Koalition aller Zeiten sendet nach wie vor widersprüchliche Signale an Märkte und Investoren. Einerseits wird Investitionsbereitschaft beschworen, Bürokratieabbau ausgelobt und Rückkehr zu Wachstum zur Chefsache erklärt. Andererseits verheddert man sich zuverlässig in kleinteiligen Scharmützeln, energiepolitischen Zickzackkursen und einer Haushaltspolitik, die eher von Hoffnung als von belastbaren Annahmen lebt.
International ist die Lage leider nicht weniger ambivalent. Die USA bleiben politisch erratisch. Wenigstens das ist eine Konstante. Und Europa? Reagiert – wie so oft – mehr, als dass es agiert. Dafür sind wir zu unbedeutend geworden. Zumindest in der externen Ansicht. Und wir stemmen uns nur noch kaum motiviert gegen diese Einordnung. Der Stempel ist schon da.
Für Anleger ist das keine ganz so übermaßen schlechte Nachricht. Unsichere Zeiten sind die natürliche Heimat aktiver Investitionsentscheidungen – nicht der Index-Romantik des Traumjahrzehnts 2010er. Die sind verfrühstückt. Gerade im Anleihebereich zeigen sich wieder Chancen, die jahrelang unterdrückt waren: Risiko wird wieder bepreist, Rendite neu diskutiert, Bonitäten in Frage gestellt. Eine fast nostalgische Rückbesinnung.
Was allerdings irritiert, ist die politische Neigung, wirtschaftliche Realität kommunikativ weichzuzeichnen. Wachstum entsteht nicht durch Sprachregelungen, Transformation nicht durch Förderformulare und Vertrauen nicht durch wechselnde Leit- oder Stadtbilder im Halbjahresrhythmus. Kapital ist geduldig – meistens aber nicht naiv.
Nur eines ist 2026 schon sicher: Die nächsten Spitzkehren warten schon. Die Frage ist nur, inwieweit wir vorbereitet sind – oder wieder übertölpelt tun.
Ihr
Falko Bozicevic
—————-
! NEU ! Unsere neueste BondGuide-Jahresausgabe „Finanzierung im Mittelstand 2025“ kann jetzt vollkommen kostenfrei gelesen und heruntergeladen werden. Daneben können auch unsere weiteren Nachschlagewerke wie bisher als kostenlose E-Magazine bequem heruntergeladen, gespeichert & durchgeblättert werden.
Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !

