
Schwellenländeranleihen galten lange als Währungswette. Laut William Blair IM könnten Anleger die Anlageklasse neu bewerten müssen.
Schwellenländeranleihen in Lokalwährung gehören nach Ansicht von Lewis Jones, Portfoliomanager bei William Blair Investment Management, zu den am meisten unterschätzten Segmenten des globalen Rentenmarkts. Viele Investoren blickten vor allem auf Währungsschwankungen und übersähen dabei die deutlich verbesserten Fundamentaldaten zahlreicher Schwellenländer.
Jones verweist darauf, dass sich die Geldpolitik vieler Schwellenländer in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich professionalisiert habe. Zahlreiche Zentralbanken hätten ihre Glaubwürdigkeit im Kampf gegen Inflation gestärkt und oftmals früher auf steigende Preise reagiert als viele Notenbanken in den Industriestaaten. Dadurch böten viele Märkte heute attraktive Realzinsen und stabile geldpolitische Rahmenbedingungen.
Gleichzeitig würden viele Schwellenländer weiterhin von strukturellen Wachstumstreibern profitieren. Dazu zählen eine günstige Demografie, steigender Konsum, umfangreiche Infrastrukturinvestitionen sowie eine zunehmende Einbindung in den Welthandel. Aus Sicht von Jones spreche dies grundsätzlich für die Entwicklung lokaler Anleihemärkte.
Warum blieben Schwellenländeranleihen dennoch häufig hinter den Erwartungen vieler Anleger zurück? Die Antwort liegt laut William Blair in der zweiten Renditekomponente: den Währungen. Ein über Jahre hinweg starker US-Dollar habe die Erträge aus den zugrunde liegenden Anleihen vielfach überlagert. Selbst attraktive Zinsen seien dadurch für internationale Investoren oft weniger sichtbar geworden.
Genau hier könnte sich nun ein Wendepunkt abzeichnen. Jones betont, dass es nicht zwingend eines dauerhaft schwächeren Dollars bedürfe. Bereits ein stabileres Währungsumfeld könnte ausreichen, damit die Vorteile der Anlageklasse wieder stärker zum Tragen kommen. Höhere Renditen, attraktiver Carry und positive Realzinsdifferenzen könnten dann wieder stärker in den Fokus rücken.
Risiken bleiben natürlich bestehen. Währungsvolatilität, politische Unsicherheiten oder Rohstoffpreisschocks werden auch künftig Einfluss auf die Entwicklung von Schwellenländeranleihen haben. Dennoch spreche aus Sicht von Jones vieles dafür, die Anlageklasse nicht allein durch die Währungsbrille zu betrachten.
Lewis Jones ist Portfoliomanager bei William Blair Investment Management, einer international tätigen Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Hauptsitz in Chicago. Das Unternehmen verwaltet für institutionelle und private Anleger weltweit Aktien- und Anleihestrategien mit Schwerpunkt auf aktivem Management.
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