
Die aktuelle Situation in der Golfregion bietet sowohl Risiken als auch Chancen für Investoren, so Marcelo Assalin* von William Blair Investment Management.
Am Wochenende vom 28. Februar bis 1. März hätten die USA und Israel Raketenangriffe auf den Iran durchgeführt, die gezielt auf Urananreicherungsanlagen und hochrangige iranische Führungskräfte abzielten. Diese Angriffe könnten Teil der Bemühungen um einen Regimewechsel gewesen sein. Der Tod des Obersten Führers, Ayatollah Ali Chamenei, sei von den iranischen Behörden bestätigt worden, und der Iran habe mit Angriffen auf amerikanische Verbündete im Nahen Osten reagiert.
Die Marktreaktion sei bislang relativ verhalten, da viele Marktteilnehmer davon ausgehen, dass der Konflikt lediglich von kurzer Dauer sein könnte.
In den letzten Wochen habe William Blair sein Engagement in Staatsanleihen aus dem Nahen Osten aufgrund asymmetrischer Risikobetrachtungen reduziert. Die engen Kreditspreads hätten das Risiko einer möglichen Eskalation des Konflikts nicht ausreichend reflektiert. Diese Reduzierung sei teilweise durch eine Diversifikation in Unternehmensanleihen ausgeglichen worden, die bislang nur begrenzt auf die aktuellen Risikoereignisse reagiert hätten. Insgesamt bleibe das Portfolio gegenüber der Region Nahen Osten untergewichtet.
Das Risiko einer weiteren Eskalation sei weiterhin präsent, und die Unsicherheit hinsichtlich der Dauer und Form des Konflikts habe zugenommen. Obwohl es als verfrüht angesehen werde, aktuell mehr Risiko im Portfolio zu nehmen, habe William Blair IM bereits eine Umschichtung von ölabhängigen Importländern hin zu Ölexporteuren in neutraleren Regionen vorgenommen.
Trotz der Aufwertung des US-Dollars seien die Wechselkursbewegungen bislang gut kontrollierbar geblieben. Daher habe das Unternehmen kostengünstige Absicherungen für potenziell anfällige Währungen auf den lokalen Märkten aufgestockt.
Insgesamt erwarte William Blair IM keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die Portfolios und gehe davon aus, dass die seit Jahresbeginn erzielte Outperformance gegenüber Benchmarks und Wettbewerbern beibehalten werden kann. Die fundamentalen Rahmenbedingungen sind stark, und viele Schwellenländer erweisen sich als widerstandsfähig gegenüber externen Schocks. Gewinner und Verlierer seien zwar unvermeidlich, aber gegenwärtig sehe man größere Opportunitäten in einer ‚relative Trading‘-Strategie als in einer vollständigen Reduzierung des Portfolios.
*) Marcelo Assalin, CFA, ist Partner und Portfoliomanager sowie speziell Leiter des Emerging-Markets-Debt-Teams von William Blair Investment Management
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