Europas Halbleiter im KI-Rampenlicht

Comet

Halbleiter aus Europa profitieren vom KI-Boom. Anleger entdecken die lange unterschätzten Chip-Spezialisten neu.

Die Aufmerksamkeit der Investoren verschiebt sich entlang der KI-Wertschöpfungskette. Während die großen US-Technologiekonzerne lange die Schlagzeilen dominierten, rücken inzwischen Halbleiterhersteller und Speicheranbieter in den Mittelpunkt. Davon profitieren laut Enguerrand Artaz, Stratege bei La Financière de l’Echiquier (LFDE), zunehmend auch europäische Unternehmen.

Der europäische Halbleitersektor zählt 2026 bislang zu den stärksten Gewinnern an den Aktienmärkten. Der Stoxx Europe Total Market Semiconductors habe seit Jahresbeginn deutlich stärker zugelegt als sein amerikanisches Pendant. Besonders gefragt seien Unternehmen, deren Technologien für den Ausbau von Rechenzentren und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz benötigt werden.

Zu den prominentesten Beispielen zählen STMicroelectronics und Soitec. Beide Aktien hatten zuvor massive Kursverluste erlitten und erleben nun eine deutliche Neubewertung. Anleger hätten erkannt, dass Teile ihres Geschäfts für den Ausbau moderner KI-Infrastruktur unverzichtbar seien. Bei STMicroelectronics gelten insbesondere Lösungen für Energieversorgung, Leistungsumwandlung und thermische Infrastruktur als Wachstumstreiber.

Europas Halbleiter im Fokus

Europas Halbleiter im Fokus

Noch stärker könnte laut Artaz das Potenzial von Soitec sein. Das Unternehmen verfügt über einen technologischen Vorsprung bei photonischen Substraten, die künftig eine zentrale Rolle bei optischen Datenverbindungen innerhalb von Rechenzentren spielen könnten. Diese gelten als energieeffizienter und leistungsfähiger als herkömmliche elektrische Verbindungen.

Auch andere europäische Halbleiterunternehmen profitieren vom KI-Ausbau. Infineon liefert Leistungschips für die Energieversorgung von Rechenzentren, während BE Semiconductor auf moderne Chip- und Speicherverbindungen spezialisiert ist. Beide Unternehmen tragen dazu bei, Energieverbrauch und Datenverarbeitung effizienter zu gestalten.

Das Fazit von Artaz: Die Halbleiterindustrie hinter der Künstlichen Intelligenz sei deutlich komplexer als die lange Zeit dominierenden Börsenlieblinge vermuten ließen. Viele entscheidende Technologien und Schlüsselpositionen entlang der Wertschöpfungskette lägen weiterhin in Europa – und würden vom Markt nun neu entdeckt.

Enguerrand Artaz, LFDE

Enguerrand Artaz ist Stratege bei La Financière de l’Echiquier (LFDE). Die französische Fondsgesellschaft gehört zur LBP-AM-Gruppe und analysiert regelmäßig globale Markt- und Anlagetrends.

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