AREAM: „Erneuerbare nach allen Maßstäben günstigste Art der Stromerzeugung“

Mit ihrer Debütanleihe, dem Green Bond 2024/29, treibt die AREAM Gruppe nicht nur den Ausbau der Solarenergie voran. BondGuide sprach zu Beginn der Zeichnungsfrist mit CEO Markus W. Voigt.

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BondGuide: Herr Voigt, zum Einstieg: Wer ist die AREAM Group?
Voigt: Die AREAM Group ist vollständig comitted auf die Entwicklung von Erneuerbaren Energien. Das läuft über drei Geschäftsbereiche. Erstens ist dies das Fund- und Asset-Management, zweitens das Operations-/Energy-Management und schließlich drittens die Projektentwicklung im Bereich Erneuerbare Energien in Europa mit derzeitigem Schwerpunkt in Deutschland. Aktuell sind wir ein 48-köpfiges Team, bald 50 an der Zahl. Das Senior-Team arbeitet bereits seit über zehn Jahren für die AREAM Group.

BondGuide: Also den Abgesang für EE in Deutschland in den späten 00er Jahren haben Sie alle noch live miterlebt?
Voigt: Wir blicken in der AREAM Group auf eine rund 20-jährige Unternehmensgeschichte – entsprechend groß ist in der Tat unser Erfahrungsschatz. Deshalb ist für uns auch klar: Heutzutage muss man Expertise nicht nur bei Photovoltaik und Windenergie besitzen, sondern auch bei der Speichertechnologie, weil sie eine hohe strategische Bedeutung hat. Denn die dringend erforderliche Erhöhung der Speicherkapazitäten lässt die Kosten der Photovoltaik auf dem Weg zur Grundlastfähigkeit weiter sinken – ebenso wie den Bedarf an neuen Leitungen, da die Netze besonders in der Mittelspannung und in den Verteilnetzen weniger stark ausgebaut werden müssten.

BondGuide: Sehe ich das richtig, dass Sie sich – zumindest inzwischen – vollständig auf Deutschland fokussieren mit EE-Projekten?
Voigt: In Bezug auf unsere Projektentwicklung ist das absolut richtig. Dementsprechend planen wir, mit dem Emissionserlös unseres Aream Green Bonds die Weiterentwicklung eines bestehenden Projektes im Eigenbestand der Emittentin Aream Solar Finance GmbH sowie zusätzliche Freiflächen- und Agri-PV-Projektentwicklungen mit und ohne Speicher in Deutschland zu finanzieren. Was ich eingangs mit Europa meinte: Im Geschäftsbereich Asset-Management der AREAM Group haben wir institutionelle Investoren, die in unsere europaweit gestreuten Erneuerbare-Energien-Fonds investieren.

„Die Konsequenzen des Ausstiegs aus der Atomkraft und dem Runterfahren der Kohlekraft sind eindeutig.“

BondGuide: Wo in Europa ist man derzeit in punkto Investitionen in EE vorzugsweise unterwegs?
Voigt: Ganz klar in Deutschland.

BondGuide: Ernsthaft?
Voigt: Ja, absolut. Die Konsequenzen des Ausstiegs aus der Atomkraft und dem Runterfahren der Kohlekraft sind eindeutig: Wir müssen nicht nur deren bisherige Kapazitäten kompensieren, sondern auch ständig zusätzliche schaffen, um den steigenden Bedarf decken zu können. Dies legt den Grundstein für das weitere nachhaltige Wachstum der Erneuerbaren Energien. Die Umsetzung erfolgt nicht überall in der EU so konsequent wie in Deutschland, wo die Akzeptanz für Erneuerbare Energien mittlerweile am höchsten ist.  

BondGuide: Das heißt nicht, dass es nicht immer doch noch Diskussionen gibt.
Voigt: Die gibt es immer, wenn irgendwo etwas verändert werden soll, oder wie im Erneuerbare-Energien-Markt verändert werden muss. Vergessen wir auch nicht, dass wir aktuell in Deutschland bereits ein gutes Regelungswerk haben – das wiederum ist wichtig für Investoren, die natürlich Klarheit wünschen. Das zusammen macht Deutschland innerhalb Europas momentan zum Sweet Spot für Erneuerbare-Energien-Investments.

„Das regulatorische Rahmenwerk in Deutschland mag nicht perfekt sein, aber es ist besser als das vorherige und das beste, was derzeit überhaupt irgendwo in Kraft ist.“

BondGuide: Geht es denn in Deutschland mittlerweile schnell genug voran mit dem Ausbau oder sind die Genehmigungsverfahren weiterhin ein Behörden-Spießrutenlauf?
Voigt: Es geht definitiv schneller voran. Die Bedeutung der Energieerzeugung im Inland hat seit dem Krieg um die Ukraine ganz massiv zugenommen. Das regulatorische Rahmenwerk mag nicht perfekt sein. Aber es ist besser als das vorherige und das beste, was derzeit überhaupt irgendwo in Kraft ist. Wahrscheinlich könnte man in einer perfekten Welt ein Solarprojekt auch in der Hälfte der Zeit umsetzen – ich selbst bin jedoch auch ein Freund des Interessenausgleichs, bei dem alle Stakeholder eingebunden werden. Deshalb fühlen wir uns mit dem aktuellen Rahmenwerk für Solarprojekte in Deutschland derzeit recht wohl.

BondGuide: Haben Sie nicht ggf. ein wenig Eile? – da nach der nächsten Bundestagswahl die Landschaft schon wieder ganz anders sein könnte.
Voigt: Auch die nächste Regierung muss eine Antwort haben, wo denn der Strom herkommen soll. Da sprechen wir also vom heutigen Bedarf plus dem, der durch den Anstieg bei den Hochtechnologien noch dazu kommt. Von den Elektromobilitätsplänen gar nicht gesprochen. Welche realistischen alternativen Optionen hätte die nächste Koalition denn? Ich sehe keine. Und unsere Großbetreiber wie E.ON offenbar auch nicht, denn in Kohle investiert auch E.ON nicht mehr, sondern in Erneuerbare. Ich halte diese Entwicklung für unumkehrbar. Keine Frage: Wir müssen parallel vor allem noch in Speichertechnologien investieren, da Erneuerbare naturgemäß zyklisch sind. Aber mal ganz generell: Im Kern bieten Erneuerbare die nach allen Maßstäben günstigste Art der Stromerzeugung. Und dieses Potenzial müssen wir nun konsequent heben.

BondGuide: Irgendwo war jetzt massiver Widerstand gegen ein PV-Freiflächenprojekt in den Medien. Ich dachte eigentlich, man lässt die Kommune an der Stromerzeugung teilhaben und mit den Agri-PV-Lösungen stehen zudem konsensuale Möglichkeiten zur Verfügung.
Voigt: Es kommt ab und zu vor, dass mancher Projektentwickler über das Ziel hinausschießt bei der Größe einer Freiflächen-PV-Anlage. Natürlich ist jede Freiflächen- oder Windkraftanlage ein Eingriff in das Landschaftsbild. Agri-Photovoltaik ist für mich die Befriedung der verschiedenen Interessen zwischen Projektierern und einer Kommune. Zweiter Vorteil: Die Ausrichtung ist auch eher Ost-West, das heißt, diese Anlagen produzieren im Vergleich zu den verdichteten südlich ausgerichteten Freiflächenanlagen den attraktiveren Strom. Und nicht zuletzt hilft Agri-PV auch unserem gemeinsamen Ziel, die Produktion sinnvoller Lebensmittel auf heimischem Boden zu behalten.

BondGuide: Wie steht es mit den Geschäftszahlen, also z.B. in welchem Verhältnis steht das avisierte Anleihevolumen zu Umsatz und Ertrag?
Voigt: Die Emittentin Aream Solar Finance GmbH ist eine neu gegründete Tochtergesellschaft der AREAM Group SE, die wir mit Projektrechten ausgestattet haben, die nach unabhängiger Meinung ca. 1,4 Mio. EUR wert sind. Das ist quasi ihr Eigenkapital. Der Baureife-Status wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 erreicht werden.

BondGuide: Aber Projekte haben noch ein wie auch immer geartetes Restrisiko bei der Realisierung.
Voigt: Das ist richtig. Für genau diesen Fall hat sich die Muttergesellschaft verpflichtet, das Projekt nötigenfalls durch ein anderes zu ersetzen oder ein zusätzliches zu ergänzen. Dies würde ohne zusätzliche Kosten für die Emittentin erfolgen. Und noch zur Einordnung: Die Muttergesellschaft AREAM Group SE hat im Geschäftsjahr 2023 rund 5 Mio. EUR Gewinn nach Steuern erzielt.

BondGuide: Was könnte bei einem PV-Projekt eigentlich noch schiefgehen, wenn man denn schon mal die ausgewiesene Freifläche ergattert hat?
Voigt: Was stets ein Umsetzungsrisiko bleibt, ist die Projektgröße. Es kann durchaus vorkommen, dass man etwa mit 50 MW plant, aber am Ende nur eine Genehmigung über 35 MW hat. Weitere Beispiele, die jedoch nicht die Regel darstellen: Ganz profan funkte uns mal eine Rotbauchunke in der Projektentwicklung dazwischen und eine Wasserschutzbehörde hatte wegen eines notwendigen Korridors auch Einwände. Oder man hat auch mal archäologische Funde. Dafür muss und kann man jedoch Lösungen finden.

Markus W. Voigt, AREAM

Markus W. Voigt, AREAM

BondGuide: Bis zu 10 Mio. EUR sind eher ein kleines Volumen – wie weit kommt eine AREAM damit, was kann man mit diesem Betrag stemmen?
Voigt: Mit diesem Volumen kann die Aream Solar Finance GmbH die Entwicklung von ca. zehn Projekten bis zum Baureife-Status finanzieren. Aber um Ihnen vielleicht ein besseres Gesamtbild zu geben: Der Aream Green Bond stellt eine neue und langfristig angelegte dritte Säule im Finanzierungsmix der AREAM Group dar. Ebenfalls recht neu ist ein Joint Venture mit einem erfahrenen Finanzierungspartner, das in den kommenden Jahren Photovoltaik-Projekte in einer Größenordnung von mehr als 500 MWp in Deutschland entwickeln möchte. Zudem werden seit jeher auch Gesellschaftermittel und die jährlichen Gewinne in die Projektentwicklung investiert. In Summe sprechen wir von ca. 30 bis 50 Mio. EUR, die innerhalb der AREAM Group zur Verfügung stehen.

BondGuide: Herr Voigt, ganz herzlichen Dank für diese dezidierten Einblicke!

Interview: Falko Bozicevic

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