Bundesbankchef Weidmann ist gegen breit angelegte Wertpapierkäufe der EZB

FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Bundesbank hält beim Kampf gegen mögliche Deflationsrisiken wenig von breit angelegten Wertpapierkäufen durch die Europäische Zentralbank (EZB). ‚Dadurch, dass wir nicht nur Anleihen einzelner Mitgliedstaaten kaufen, sondern Anleihen aller Staaten, wird das Problem der monetären Staatsfinanzierung (…) nicht automatisch beseitigt‘, sagte Bundesbankchef Jens Weidmann im Gespräch mit der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ (Mittwochausgabe). Zudem verwies er darauf, dass die Europäische Zentralbank einen anderen Ordnungsrahmen als etwa die US-Notenbank Fed oder die britische Zentralbank habe.

Unter Ökonomen werden derzeit Möglichkeiten diskutiert, wie die EZB vorgehen könnte, falls der Euroraum in eine Phase auf breiter Front sinkender Verbraucherpreise rutschen sollte (Deflation). Als wirksamstes Instrument nennen viele Analysten die sogenannte ‚quantitative Lockerung‘. Im Gegensatz zum Anleihekaufprogramm OMT, das in seiner gegenwärtigen Form vom Bundesverfassungsgericht als europarechtswidrig eingestuft wird, würde die EZB nicht nur Wertpapiere einzelner Krisenländer, sondern aller Eurostaaten kaufen. Quantitative Lockerung wird derzeit von den Notenbanken der USA, Großbritanniens und Japans betrieben./bgf/zb/stb