
Der Klimawandel wird zum ökonomischen Risiko: Extreme Hitze und Dürre belasten Lieferketten, Ernten und Energieversorgung.
Europa erlebt einen außergewöhnlich heißen Sommer – mit zunehmend spürbaren ökonomischen Folgen durch den Klimawandel. Niedrige Flusspegel behindern die Schifffahrt, Ernteausfälle verteuern Agrarrohstoffe und Extremwetter belastet die Energieinfrastruktur. „Das Klima ist zu einem ökonomischen Risikofaktor geworden“, ist Andreas Ehrbar, Chief Operating Officer der aream Group, überzeugt.
Im Juni und Juli war es in Westeuropa so heiß wie nie zuvor in diesen beiden Sommermonaten. Die Durchschnittstemperatur lag laut EU-Klimadienst Copernicus bei 21,6 Grad und damit fast 2,8 Grad über dem langjährigen Mittel. Weltweit war der Juli der zweitwärmste jemals gemessene Monat.
Die Hitze führte in zahlreichen europäischen Regionen zu extremer Trockenheit. Besonders betroffen waren im Juli die iberische Halbinsel, Frankreich, Deutschland, Österreich, Ungarn und Großbritannien. Hitze und Dürre verstärken sich nach Angaben von Copernicus zunehmend gegenseitig.
Besonders deutlich werden die wirtschaftlichen Folgen bei den Wasserständen europäischer Flüsse. An Seine, Rhein und Donau lagen die Pegel deutlich unter dem langjährigen Mittel. Das schränkt den Schiffsverkehr ein und kann unter anderem die Transportkosten und damit die Spritpreise erhöhen. Das Bundeswirtschaftsministerium schätzt die Klimaschäden bis 2050 auf rund 900 Mrd. EUR.
Für Ehrbar unterstreicht dies die Notwendigkeit eines beschleunigten Ausbaus von Erneuerbaren Energien, Speichern und Stromnetzen. Die Elektrifizierung könne dazu beitragen, Abhängigkeiten zu reduzieren und Lieferketten widerstandsfähiger zu machen.
Auch die Landwirtschaft steht unter Druck. In Österreich werden bei Getreide Ernterückgänge von rund 20%, bei Mais und Kartoffeln sogar von etwa 50% erwartet. Europaweit könnte die Maisernte damit um fast ein Fünftel unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegen – mit entsprechendem Aufwärtsdruck bei den Agrargüterpreisen.
Auch die eigenen Anlagen der aream Group waren im Juli teilweise von den Wetter- und Netzbedingungen betroffen. Bei den deutschen Solaranlagen wurden rund 1.600 MWh aufgrund von Abregelungen vergütet. Der Sollwert wurde zu 74% erreicht, inklusive der Abregelungen zu 97%. In Spanien führten Abregelungen zu einem nicht vergüteten Ausfall von rund 1.740 MWh; der Sollwert wurde dort zu 67% erreicht beziehungsweise inklusive Abregelungen zu 97%. Die italienischen Anlagen erreichten dagegen 96% des Sollwerts.
Das Windaufkommen lag im Juli unter dem Durchschnitt. Zusätzlich belasteten die Drosselung einer Anlage mit rund 100 MWh sowie eine längerfristige Netzabschaltung mit rund 150 MWh die Produktion. Der Sollwert wurde zu knapp 91% erreicht; seit Jahresbeginn liegt die Zielerreichung bei rund 74%.
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