Negativpreise an der Strombörse werden zum Geschäftsmodell

Negative Preise an der Strombörse sind kein Marktversagen: Sie zeigen, wo Speicher und flexible Verbraucher fehlen – und eröffnen neue Renditechancen.

Negative Strompreise sind nach Einschätzung von CEO Patrick Lemcke-Braselmann weniger Alarmsignal als vielmehr ein Weckruf für mehr Flexibilität im Stromsystem. Denn wer Preistäler mit Speichern und flexibler Nachfrage überbrücken kann, kann daraus ein Geschäftsmodell machen.

Negative Strompreise entstehen, wenn das Stromangebot die Nachfrage zeitweise deutlich übersteigt. Dabei ist es zu kurz gegriffen, allein die wachsende Solarstromproduktion verantwortlich zu machen. Auch unflexible Kohlekraftwerke tragen dazu bei, während fehlende Speicher und ein noch nicht ausreichender Netzausbau die Situation verschärfen.

Die Größenordnung ist inzwischen erheblich: Seit Jahresbeginn gab es bis zum 20. August knapp 400 Stunden mit negativen Day-Ahead-Strompreisen. Der Tiefstpreis lag bei knapp minus 50 Cent je kWh. Immerhin waren es damit rund 50 Stunden weniger als im Gesamtjahr 2025. Der heiße Sommer und die damit verbundene höhere Stromnachfrage zur Kühlung dürften dazu beigetragen haben.

Kühlung: nicht nur PCs benötigten im Rekordsommer 2026 viel Strom, ggf. über die Strombörse

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Für Lemcke-Braselmann sind die Negativpreise ein sinnvolles Marktsignal: „Sie zeigen, dass Speicher und flexible Lastenverteilung dringend benötigt werden.“ Genau darin liege eine Chance. Speicher können Strom aufnehmen, wenn er günstig oder sogar mit einem negativen Preis angeboten wird, und ihn zu Zeiten höherer Nachfrage wieder bereitstellen.

Auch der Smart-Meter-Roll-out und eine insgesamt flexiblere Lastverteilung können dazu beitragen, Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen. PV und Speicher werden damit zunehmend zu einer wirtschaftlich interessanten Kombination.

Langfristig gehe es deshalb um Investitionen in Speicherinfrastruktur, deutsche Stromnetze und eine europäische Netzintegration. Gerade der grenzüberschreitende Stromausgleich könne helfen, regionale Überschüsse besser zu nutzen. Zugleich müsse der Anteil erneuerbarer Energien weiter steigen, um die Abhängigkeit von Gas und Kohle zu reduzieren.

Für Investoren ergibt sich daraus eine klare Perspektive: Die nächste Wachstumsstufe der erneuerbaren Energien dürfte weniger allein durch zusätzliche Erzeugungskapazitäten geprägt sein. Speicher und Flexibilität werden zu eigenständigen Werttreibern.

Patrick Lemcke-Braselmann, aream

„Die attraktivste Investitionschance in der nächsten Wachstumsstufe ist deshalb die Kombination aus Erzeugung und Speichern“, ist sich Lemcke-Braselmann sicher.

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