Kreditmärkte: warum High Yield derzeit die besseren Karten hat

Steigende Zinsen und KI verändern den Markt für Unternehmenskredite nachhaltig. PIMCO sieht vor allem bei Leveraged Loans und Private Credit wachsende Risiken – High Yield hingegen bleibt vergleichsweise robust.

Die Kreditmärkte driften zunehmend auseinander. Während High-Yield-Anleihen nach Einschätzung von PIMCO von einer verbesserten Kreditqualität und überwiegend festen Kupons profitieren, geraten Leveraged Loans und Private Credit unter Druck. Verantwortlich dafür seien nicht allein konjunkturelle Faktoren, sondern vor allem strukturelle Veränderungen im Markt.

Als wesentlichen Belastungsfaktor nennt Lotfi Karoui, Multi-Asset Credit Strategist bei PIMCO, zunächst das höhere Zinsniveau. Variable Finanzierungen, wie sie bei Leveraged Loans und Direct Lending dominieren, hätten sich durch die kräftigen Zinserhöhungen der US-Notenbank erheblich verteuert. Unternehmen müssten dadurch deutlich höhere Zinsaufwendungen schultern, was ihre Schuldendienstfähigkeit zunehmend belaste. High-Yield-Emittenten seien dagegen dank langfristig festgeschriebener Kupons bislang deutlich besser geschützt.

Hinzu komme die Entwicklung im Private-Credit-Markt. Nach den enormen Mittelzuflüssen der vergangenen Jahre hätten sich Investoren zunehmend um ein begrenztes Angebot attraktiver Finanzierungen bemüht. Der Wettbewerb habe vielerorts zu lockereren Kreditstandards geführt – etwa durch schwächere Covenants, großzügigere Vertragsbedingungen oder optimistische EBITDA-Anpassungen. Damit seien ausgerechnet jene Schutzmechanismen verwässert worden, die Anleger eigentlich für höhere Risiken entschädigen sollten.

BB-Anteil im High-Yield-Markt auf Rekordniveau, während Leveraged Loans den niedrigsten Stand seit der globalen Finanzkrise verzeichnen

BB-Anteil im High-Yield-Markt auf Rekordniveau, während Leveraged Loans den niedrigsten Stand seit der globalen Finanzkrise verzeichnen

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist aus Sicht von PIMCO der Softwaresektor. Gerade Softwareunternehmen galten lange wegen ihrer hohen Margen und planbaren Cashflows als ideale Kandidaten für fremdfinanzierte Übernahmen. Mit dem rasanten Fortschritt der Künstlichen Intelligenz geraten jedoch etablierte Geschäftsmodelle zunehmend unter Druck. Sollten sich Margen oder Preissetzungsmacht verschlechtern, könnten zahlreiche hoch verschuldete Unternehmen herabgestuft werden.

Besonders aufmerksam beobachten die Experten deshalb den Markt für Collateralized Loan Obligations (CLOs). Zwar seien bislang keine flächendeckenden Ausfälle zu erkennen. Eine Welle von Ratingherabstufungen – insbesondere bei Softwareunternehmen – könnte jedoch auch ohne tatsächliche Insolvenzen zu deutlichen Bewertungsverlusten führen und die strukturellen Sicherungsmechanismen einzelner CLO-Transaktionen schwächen.

Demgegenüber sieht PIMCO den High-Yield-Markt heute deutlich widerstandsfähiger als noch vor einigen Jahren. Die durchschnittliche Kreditqualität habe sich verbessert, der Anteil von BB-gerateten Anleihen sei inzwischen auf Rekordniveau gestiegen. Gleichzeitig seien die durchschnittlichen Laufzeiten kürzer geworden, wodurch die Zinssensitivität des Segments sinke. Während Leveraged Loans seit Jahren stark gewachsen seien und Private Credit enorme Kapitalzuflüsse verzeichnet habe, sei der High-Yield-Markt vergleichsweise ausgewogen geblieben.

Die MVOC-Puffer sind bei Transaktionen mit auslaufender Reinvestitionsphase geringer

Die MVOC-Puffer sind bei Transaktionen mit auslaufender Reinvestitionsphase geringer

Für Anleger sei daher eine differenzierte Betrachtung der einzelnen Kreditsegmente wichtiger denn je. Die entscheidende Frage sei längst nicht mehr allein, welche Rendite ein Investment biete. Mindestens ebenso wichtig sei die Qualität der zugrunde liegenden Kreditstrukturen. Gerade im aktuellen Marktumfeld spreche daher vieles für eine Präferenz zugunsten von High-Yield-Anleihen gegenüber Leveraged Loans und Private Credit.

Lotfi Karoui

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