
Dr. Horst Friedrich* von Debütemittent GEPVOLT erläutert, warum Netzanschlüsse, Regulierung und Betriebsmodelle über den Erfolg von Batteriespeichern entscheiden.
BondGuide: Herr Dr. Friedrich, GEPVOLT wurde erst 2021 gegründet. Sind Sie heute noch Projektentwickler oder bereits Infrastrukturbetreiber?
Friedrich: Wir befinden uns aktuell genau am Übergang. Mit den Projekten in Schneeberg und Spremberg sowie den ersten Vorhaben mit ATU haben wir wichtige Meilensteine erreicht. Erst wenn die Anlagen in Betrieb gehen und laufende Erlöse erwirtschaften, wird aus einem Projektentwickler tatsächlich ein Infrastrukturbetreiber. Genau dorthin entwickeln wir uns.
BondGuide: Das Projekt Spremberg spielt in Ihren Unterlagen eine zentrale Rolle. Wie groß wäre der Schaden für die Gesellschaft, wenn sich dieses Projekt um sechs, zwölf oder mehr Monate verzögert?
Friedrich: Natürlich wäre eine Verzögerung unerfreulich. Entscheidend ist jedoch, dass wir Projekte erst dann öffentlich kommunizieren, wenn die wesentlichen Voraussetzungen geschaffen sind. Dazu gehören Grundstück, Baugenehmigung und insbesondere der Netzanschluss. Wenn diese Projektreife erreicht ist, verfügen die Vorhaben bereits über einen erheblichen Eigenwert. Verzögerungen verändern daran zunächst nichts.
BondGuide: Viele Marktteilnehmer werben derzeit mit beeindruckenden Projektpipelines. Die eigentliche Herausforderung beginnt aber erst bei der Umsetzung. Woran erkennen Anleger, dass GEPVOLT liefert?
Friedrich: Wir unterscheiden sehr klar zwischen den einzelnen Entwicklungsstadien. Ein Projekt beginnt mit der Grundstückssicherung. Danach folgen Netzanschluss und Baugenehmigung. Erst wenn diese wesentlichen Voraussetzungen erfüllt sind, sprechen wir öffentlich darüber oder finanzieren das Projekt über den Kapitalmarkt. Nicht jedes Projekt innerhalb einer Pipeline befindet sich im gleichen Stadium. Deshalb kommunizieren wir bewusst erst dann aktiver, wenn die wesentlichen Projektrisiken deutlich reduziert sind.
BondGuide: Sie werben mit ‚Made in Germany‘. Ist das heute wirklich ein Wettbewerbsvorteil oder eher ein Kostennachteil gegenüber asiatischen Herstellern?
Friedrich: Unsere Kunden investieren in kritische Energieinfrastruktur mit Laufzeiten von 15 oder 20 Jahren. Da zählt nicht allein der Anschaffungspreis. Entwicklung und Produktion in Deutschland ermöglichen uns, neue Technologien schneller zu integrieren und regulatorische Anforderungen flexibel umzusetzen. Deshalb sehen wir darin einen klaren Wettbewerbsvorteil. Hinzu kommt die Systembetrachtung: Asiatische Anbieter liefern häufig lediglich den Batteriecontainer. Wir betrachten dagegen die gesamte Anlage mit Trafostationen, Wechselrichtern, Schaltanlagen und Sicherheitskonzepten. Unsere Container verfügen beispielsweise bereits über integrierte Auffangsysteme nach deutschem Wasserhaushaltsgesetz. Dadurch sparen Betreiber an anderer Stelle Projektkosten und erfüllen gleichzeitig die Sicherheitsstandards.
BondGuide: Netzanschlüsse gelten derzeit als größter Engpass im gesamten Speichermarkt. Wie groß ist dieses Thema für GEPVOLT?
Friedrich: Ohne Netzanschluss hilft weder Kapital noch ein geeignetes Grundstück. Deshalb steht dieses Thema bei jeder Projektentwicklung ganz oben. Der Netzbetreiber entscheidet letztlich, welche Kapazitäten an einem Standort verfügbar sind. Wer sich frühzeitig einen Netzanschluss sichert, verfügt damit über einen erheblichen strukturellen Wettbewerbsvorteil. Dieser Aspekt wird aus unserer Sicht häufig unterschätzt.
BondGuide: Sie sprechen von langfristigen Erlösen aus Stromhandel und Netzdienstleistungen. Wie belastbar sind diese Einnahmen?
Friedrich: Wir beobachten die Entwicklung der Energiemärkte selbstverständlich sehr genau. Unsere strategischen Entscheidungen basieren jedoch nicht auf kurzfristigen Preisbewegungen. Entscheidend ist vielmehr, dass Batteriespeicher mehrere Erlösquellen erschließen können und damit eine hohe wirtschaftliche Flexibilität besitzen.
BondGuide: Die Anleihe finanziert zunächst ein einzelnes Projekt. Wann erreicht GEPVOLT die kritische Größe eines echten Infrastrukturbetreibers?
Friedrich: Entscheidend wird die erfolgreiche Inbetriebnahme der ersten Anlagen sein. Danach entsteht Schritt für Schritt ein Bestand mit wiederkehrenden Erlösen. Unser Ziel ist ein Portfolio, dessen wirtschaftliche Entwicklung nicht mehr von einzelnen Standorten abhängt, sondern von einer Vielzahl operativer Anlagen getragen wird.
BondGuide: Wo sehen Sie dabei aktuell den größten Engpass: Kapital, Personal oder Umsetzung?
Friedrich: Weder beim Personal noch bei der technischen Umsetzung sehen wir derzeit grundsätzliche Engpässe. Anspruchsvoller ist das Finanzierungsumfeld, weil Batteriespeicher als Assetklasse im Vergleich zu Wind- oder Solaranlagen noch relativ jung sind. Allerdings sehen wir dies nur als eine Frage der Zeit, da der bisherige Zubau an erneuerbaren Anlagen zeigt, dass eine Energiewende langfristig ohne Speicher nicht darstellbar ist.
BondGuide: Im Speicherbereich sehen wir aktuell sehr viel Kapitalzufluss und zahlreiche neue Marktteilnehmer. Erwarten Sie mittelfristig einen Verdrängungswettbewerb oder steht der Markt noch ganz am Anfang und der Kuchen wächst genug für alle?
Friedrich: Wir befinden uns dort nach wie vor in einer frühen Marktphase. Die Nachfrage nach Speicherkapazität wächst kontinuierlich – sowohl bei Industrieunternehmen als auch bei Netzbetreibern und Betreibern erneuerbarer Energieanlagen. Deshalb gehen wir aktuell von einem wachsenden Markt aus, in dem mehrere Anbieter erfolgreich sein können. Gleichzeitig sorgt die begrenzte Verfügbarkeit geeigneter Netzanschlüsse dafür, dass sich nicht beliebig viele Projekte an denselben Standorten realisieren lassen. Auch deshalb sehen wir derzeit keinen klassischen Verdrängungswettbewerb.
BondGuide: Viele Kapitalmarktgeschichten im Speicherbereich basieren derzeit auf einer Pipeline, einer Prognose und einem großen Markt. Was ist aus Ihrer Sicht heute bereits Realität bei GEPVOLT – und was müssen Sie Anlegern in den nächsten Jahren erst noch beweisen?
Friedrich: Realität sind unsere konkreten Projekte, die gesicherten Entwicklungsfortschritte sowie unsere technologische Kompetenz im Bereich Batteriespeicher. Mit dem aktuellen Entwicklungsstand unserer Projekte in Schneeberg, Spremberg und den ersten Vorhaben mit ATU haben wir wichtige Meilensteine erreicht. Gleichzeitig befinden wir uns weiterhin in einem Transformationsprozess. Erst mit der Inbetriebnahme der Projekte und den daraus resultierenden laufenden Erlösen kann man wirklich von einem Infrastrukturbetreiber sprechen. Genau dorthin entwickeln wir uns Schritt für Schritt. Unser Ziel ist es, künftig als Eigentümer und Betreiber eines Portfolios von Batteriespeicheranlagen aufzutreten und daraus stabile Erträge zu generieren. Beweisen müssen wir nun die erfolgreiche Inbetriebnahme der Projekte und den nachhaltigen Aufbau dieses operativen Infrastrukturgeschäfts mit wiederkehrenden Erträgen.
BondGuide: Herr Dr. Friedrich, besten Dank für Ihre Erläuterungen!
Interview: Falko Bozicevic
Alle Bilder @GEPVOLT SE
*) Dr. Horst Friedrich ist Beirat der GEPVOLT SE. Nach seinem Studium der Volkswirtschaftslehre in Deutschland und in den USA war er u.a. über zehn Jahre bei der Deutschen Bank in den Bereichen volkswirtschaftliche Analyse, Unternehmensfinanzierung und Corporate Finance für den Mittelstand tätig.
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