Zunehmendes Interesse an Green Bonds – Wachsendes Anlage- und Diversifikationspotenzial zu erwarten

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In Aktienportfolios haben sich Responsible Investment-Strategien bereits fest etabliert. Aus mehreren Gründen wächst inzwischen auch das Interesse der Anleger an verantwortungsbewussten Anleihestrategien. Von Vishal Khanduja und Brian Ellis*

Zum einen sehen immer mehr Anleger genau wie wir einen möglichen langfristigen Zusammenhang zwischen finanzrelevanten ESG-Faktoren (Umwelt, Gesellschaft, Governance) und den risikobereinigten Renditen ihrer Portfolios. Zum anderen steigt die Nachfrage nach Impact Investing-Lösungen in öffentlichen Märkten rasant. Fixed Income-Anlagen sind in diesen Märkten im Vorteil, denn mit Anleihen können Anleger gezielt in einzelne Projekte investieren.

Unter den verschiedenen Impact Investing-Lösungen weisen Green Bonds (‚Grüne Anleihen‘) einige der höchsten Wachstumsraten aus. Laut der Climate Bonds Initiative hat das Emissionsvolumen von Green Bonds im Jahr 2018 rund 167,6 Mrd. USD erreicht und sich damit seit 2016 verdoppelt. Außerdem beteiligen sich immer mehr Branchen an dem Markt. So haben in den vergangenen zwei Jahren verstärkt Finanzunternehmen und staatliche Emittenten Green Bonds ausgegeben, und auch die Zahl der Verbriefungen ist gestiegen.

Eaton Vance’s Partnerunternehmen Calvert analysiert und investiert bereits seit vielen Jahren in Green Bonds. So konnte man die Entwicklung von Angebot und Nachfrage beobachten. Auf der Angebotsseite müssen viele Länder umfangreiche Projekte finanzieren, um ihre Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen zu erfüllen und die Erderwärmung auf 2 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Auch Unternehmen erkennen zunehmend die Vorteile energie- und ressourceneffizienter Investitionen. Auf der Nachfrageseite suchen immer mehr ESG-orientierte Anleger nach attraktiven Impact Investments. Die Bekämpfung des Klimawandels steht dabei weiterhin im Mittelpunkt.

Green Bond Principles

Trotz ihres rasanten Wachstums sind Green Bonds noch immer eine relativ neue und wenig verstandene Assetklasse. Eine einheitliche Definition für die Kriterien einer grünen Anleihe existiert nicht, im Zuge der Entwicklung des Green-Bond-Marktes haben sich vielmehr mehrere Interpretationen herausgebildet.

Heute gilt eine Anleihe als „grün“, wenn sie die Green Bond Principles der International Capital Market Association (ICMA) erfüllt und die Einhaltung dieser Prinzipien bei Emission der Anleihe von unabhängiger Seite betätigt wird. Weiteres Wachstum setzt Transparenz und Verantwortung (im Sinne einer Haftpflicht) voraus. Bemühungen für eine bessere Kennzeichnung haben an dieser Stelle zwar Fortschritte gebracht, konnten aber die für Impact-Anleger entscheidende Frage nicht abschließend beantworten: Wie genau wird ein Bond zu einem Green Bond?

Die ganzheitliche und konkrete Green Bond-Strategie

Ökologische Fragen nehmen seit langem einen zentralen Platz im Research und in der Interessenvertretung bei Calvert ein. Auf Grundlage dieser Arbeit haben wir unsere eigenen Kriterien für Green Bonds formuliert. Wir erkennen die Beiträge der Entwickler von Normen und Research-Anbieter an und arbeiten oft mit diesen zusammen. In unserem Analyseprozess betrachten wir jedoch nicht nur das eigentliche Projekt, sondern auch den Emittenten selbst. Wir vertrauen also nicht allein auf unabhängige Zertifizierungen, genauso wie wir uns niemals ausschließlich auf die Fundamentaldatenanalyse einer Rating-Agentur verlassen würden.

Jenseits der Verpackung

Die Prospekte von Green Bonds verweisen in der Regel auf die Verwendung der Emissionserlöse, die zur Finanzierung eines bestimmten ökologischen Projektes zweckgebunden sind. Meistens handelt es sich dabei jedoch um unbesicherte Emissionen, die sich nicht von den anderen Anleihen des Emittenten unterscheiden. Deshalb ist eine Kredit- und ESG-Analyse des Emittenten so wichtig. Ein näherer Blick gibt häufig Aufschluss darüber, ob eine Anleihe unsere Kriterien erfüllt oder nicht.

Unter anderem stellen wir uns folgende Fragen:

  • Stehen die grünen Projekte im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen und der Umweltbilanz des Emittenten insgesamt?
  • Dienen die Emissionserlöse zur Finanzierung von Projekten oder Produkten mit Umweltrisiken, die die Vorteile übersteigen?
  • Ist hinlänglich belegt, dass das Projekt die Umweltbilanz des Emittenten deutlich verbessern und/oder einen deutlichen Beitrag zur Umsetzung seiner Nachhaltigkeitsziele leisten wird? (bei Emittenten aus ressourcenintensiven Branchen)
  • Ist die Umweltbilanz des Emittenten positiv, sein gesellschaftlicher Einfluss und seine Governance dagegen unzureichend?

    Brian Ellis

    Brian Ellis

Wir schließen einen Emittenten gegebenenfalls aus unserem Anlageuniversum aus, wenn uns das Kreditrisiko zu hoch oder die Anleihe überbewertet erscheint, oder wenn wir mit dem ESG-Profil des Emittenten unzufrieden sind.

So können wir auch unter nicht gekennzeichneten Wertpapieren Anleihen identifizieren, die wir den „offiziellen“ Green Bonds für ebenbürtig oder sogar überlegen halten. Nach den Calvert-Kriterien lassen sich diese Anleihen in drei Kategorien einteilen:

1. Grüne Projekte mit transparenter Darstellung der Erlösverwendung (durch Kredite für erneuerbare Energien und Energieeffizienz besicherte Asset-backed-Securities)

2. Lösungsanbieter: Emittenten mit hohem Umsatzanteil aus sauberen Technologien oder umweltfreundlichen Produkten bzw. Dienstleistungen

3. Branchenführer: Emittenten mit nachweislicher Führungsposition in der Lösung wichtiger Umweltprobleme, die durch ihre Arbeit zur Verbesserung der Branchenstandards beitragen.

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Vishal Khanduja

Fazit

Green Bonds sind das Ergebnis mehrerer einschneidender Entwicklungen, die sich fortsetzen und das Interesse an dieser Anlageform weiter schüren dürften. Wer fundamental aktiv investieren und einen positiven Beitrag leisten will, kann auf wachsendes Anlage- und Diversifikationspotenzial hoffen. Nach unserer Erfahrung setzen erfolgreiche Green-Bond-Strategien jedoch auch disziplinierte Prozesse und spezialisierte Kredit- und ESG-Research-Teams voraus.

*) Vishal Khanduja und Brian Ellis, jeweils CFA, sind Vice Presidents und Portfolio Manager von Eaton Vance/Calvert Research and Management.