
Russland plant für 2027 mit einem Defizit von 2,2% des BIP. Höhere Einnahmen und real sinkende Ausgaben sollen den Haushalt trotz Krieg stabilisieren.
Die russische Regierung hat die Eckpunkte für den Bundeshaushalt 2027 verabschiedet. Die vollständigen Haushaltsentwürfe sollen bis 1. Oktober an die Staatsduma gehen. Nach den bislang bekannten Zahlen versucht Moskau, die Ausgaben zu begrenzen und zugleich über höhere Einnahmen mehr Geld aus der Wirtschaft zu ziehen. Hintergrund sind die angespannte Konjunktur, sinkende Ölpreise und kaum noch steigende Realeinkommen.
Für 2027 ist ein Haushaltsdefizit von 2,2% des BIP beziehungsweise rund 5,5 Bio. Rubel vorgesehen. Für den Zeitraum 2027 bis 2029 wird im Schnitt mit einem Defizit von rund 2% des BIP gerechnet. Die geplanten Einnahmen sollen 2027 bei 43,3 Bio. Rubel liegen und damit um 7,5% gegenüber 2026 steigen. Die Ausgaben sind mit 48,8 Bio. Rubel veranschlagt.
Damit würden die Ausgaben trotz ihres nominalen Anstiegs real zurückgehen. Die Regierung rechnet für 2027 mit einer Inflation von 6,8%. Als Basis für die Haushaltsplanung wird für die kommenden drei Jahre ein Ölpreis von 50 USD je Barrel der Sorte Urals[1] zugrunde gelegt.
Der Haushalt steht damit vor dem Hintergrund einer weiterhin angespannten wirtschaftlichen Lage. The Bell sieht in den Eckdaten den Versuch, den Staatshaushalt angesichts des Krieges und der begrenzten wirtschaftlichen Dynamik unter Kontrolle zu halten. Zugleich verweist das Medium auf die kaum noch wachsenden Realeinkommen.
Sanktionen gegen Usmanov und Fridman aufgehoben
Unterdessen hat die EU die Sanktionen gegen die russischen Milliardäre Alischer Usmanow und Michail Fridman aufgehoben. Gleichzeitig wurden die Sanktionen gegen rund 3.000 weitere Personen und Unternehmen um drei Jahre bis September 2029 verlängert. Die Entscheidung erfolgte nach schwierigen Verhandlungen innerhalb der EU.
Inflationserwartungen ziehen wieder an
Auch bei den Inflationserwartungen zeigt sich weiterhin Druck. Die Erwartungen der russischen Bevölkerung für die kommenden zwölf Monate stiegen im September von 13,7 auf 14,2%. Die wahrgenommene Inflation erhöhte sich von 14,3 auf 15,1%. Höher lagen die Erwartungen 2026 bislang nur im Juli mit 14,7%.
Yulia Starostina schreibt für The Bell, ein unabhängiges russischsprachiges Medium mit Schwerpunkt auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
[1] Urals ist eine russische Rohölsorte, die vor allem aus dem Ural- und Westsibirien-Raum stammt. Sie ist schwerer und schwefelreicher als das internationale Referenzöl Brent und wird deshalb üblicherweise mit einem Preisabschlag zu Brent gehandelt.
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