Zukunft der Ernährung: innovative Futtermittel mit weniger Konkurrenz zum Menschen

Futtermittel spielen eine wichtige Rolle für die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung abzusichern – ohne in Konkurrenz zu stehen.

In Zukunft wird die Bedeutung von solchen Futtermitteln noch weiter zunehmen, die nicht in direkter Lebensmittelkonkurrenz zum Menschen stehen. Tierhalter können heute bereits einiges tun und mithilfe effizienter Futterwirtschaft den Flächenbedarf für den Futteranbau senken. Bei den vorstellbaren alternativen Proteinquellen für die Tierernährung als Ersatz für Raps, Soja & Co. sind hingegen noch Fragen offen. Darum geht es unter anderem auf der EuroTier 2024, die vom 12. bis 15. November in Hannover stattfindet.

Die weltweit verfügbare Ackerfläche je Mensch nimmt bedrohlich ab. Verschärft wird die Situation durch die weiter wachsende Weltbevölkerung, aber auch infolge eines wachsenden Fleischkonsums im Zuge steigender Einkommen, der zu einer weiteren Erhöhung der ‚Tierproduktion‘ und damit auch des Flächenbedarfes für die Nutztierhaltung führt.

Nahrungskonkurrenz zum Menschen vermeiden

Um eine nachhaltige Ernährung der Menschen langfristig zu sichern, müssen die bestehenden Ressourcen effizienter genutzt und Alternativen zur bestehenden Lebensmittelerzeugung gefunden werden. Nutztiere verbrauchen zwar aktuell etwa ein Drittel der Weltgetreideernte und mehr als vier Fünftel der Weltsojaernte, dies müsse allerdings im Gesamtkontext von Flächennutzungs- und Ressourceneffizienz sowie weiteren Einflussfaktoren betrachtet werden.

Moderne Futtermittel wären z.B. getrocknete Insekten

Nicht essbare Biomasse stärker verfüttern

Eine Sonderrolle nehmen in diesem Zusammenhang die Wiederkäuer ein, die mit ihrem über die Evolution entwickelten, einzigartigen Vormagensystem in der Lage sind, die für Menschen und auch monogastrische Nutztiere wie Schwein und Geflügel kaum verdauliche komplexe Kohlenhydratkomplexe aufzuspalten und in Lebensmittel tierischen Ursprungs zu veredeln. Hier kommt auch noch die Bedeutung der Grünlandnutzung zur Erhaltung unserer Kulturlandschaft hinzu. Eine Herausforderung für die Zukunft besteht darin, die Futtereffizienz der nicht essbaren Biomasse zu optimieren, beispielsweise durch entsprechende Züchtungen.

Alternative Proteinquellen als Lösung?

Bei der Diskussion um die Vermeidung von Nahrungsmittelkonkurrenz werden seit einigen Jahren auch mögliche alternative Protein-, Fett- und Kohlenhydratquellen für die Tiernahrung thematisiert. Ein Fokus liegt hier auf dem Einsatz von Insekten als Futtermittel. Als weitere Futteralternative wird pflanzliche Biomasse aus aquatischer Herkunft diskutiert, vor allem Algen, die keine landwirtschaftliche Nutzfläche beanspruchen.

Viele Insektenarten sind zum Beispiel direkte Nahrungsmittelkonkurrenten zum Menschen. Eine geeignete Lösung kann hier darin bestehen, solche Arten zu nutzen, die mit vom Menschen nicht essbarer Biomasse gefüttert werden können. Damit verbunden ist aber eine deutlich geringere Qualität des Futters und damit auch eine geringere Wirtschaftlichkeit. Doppelte Transformationsverluste (Futter für die Insekten und für die Nutztiere) erfordert außerdem eine hocheffiziente Produktion von Insektenprotein als Futtermittel.

Algen: für breiten Einsatz weniger geeignet

Bei den Algen wird zwischen Mikro- und Makroalgen unterschieden. Mikroalgen können vor allem für die Proteingewinnung interessant sein. Beispiele zeigen, dass sie als Sojaersatz im Tierfutter genutzt werden können. Dagegen sind Makroalgen, wie Braun-, Grün- und Rotalgen, hauptsächlich Lieferant von Kohlenhydraten. Die Kohlenhydrate der Makroalgen liegen jedoch in einer Form vor, die für Landnutztiere enzymatisch weitgehend unverdaulich sind. Ein Einsatz als Futtermittel in größerem Maßstab kommt für diesen wichtigen Bereich daher wohl (vorerst) nicht infrage.

Fotos: Quelle @DLG

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