
Der Konflikt am Golf treibt Energiepreise, Inflation und Anleiherenditen. Für Anleger bedeutet der Wirtschaftskrieg mehr Volatilität und höhere Risikoprämien.
Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM, sieht den Iran-USA-Konflikt zunehmend auch als Wirtschaftskrieg. Während Teheran mit der Blockade der Straße von Hormus den Öltransport beeinträchtigt, versucht die US-Regierung, das iranische Regime mit Wirtschaftssanktionen unter Druck zu setzen. „Das kann funktionieren, doch solche Sanktionen brauchen Zeit, um zu wirken“, so Fischer. Bis dahin belastet der Konflikt Finanzmärkte, Weltkonjunktur und Anleger.
An den Anleihemärkten sind die Renditen entsprechend deutlich gestiegen. 30-jährige US-Staatsanleihen rentieren bei knapp 5,3% – so hoch wie zuletzt 2007. Die zehnjährige Bundesanleihe liegt bei 3,3%, während die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen erstmals seit 1996 die Marke von 3% erreicht. Die höheren Zinsen belasten sowohl öffentliche als auch private Haushalte und setzen zudem die Aktienmärkte und globale Konjunktur unter Druck.
Ein wesentlicher Treiber sind Inflation und Verschuldung. In der Eurozone lag die Inflation im August bei 3,3%, wobei die Energiepreise infolge des Iran-Konflikts besonders stark zulegen. Sie verteuerten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 14%. In Deutschland stiegen die Energiepreise sogar um mehr als 10%. Damit wächst der Druck auf EZB und US-Notenbank, die Leitzinsen weiter anzuheben.
Mit der Blockade der Straße von Hormus sendet Teheran wirtschaftliche Schockwellen rund um den Globus. Washington wiederum verschärft den Druck mit einer neuen Sanktionswelle gegen Iran und Handelspartner des Landes. Ziel sei die wirtschaftliche Schwächung des Regimes. „Da amerikanische Wähler keinen weiteren Nahost-Krieg wollen, versucht Trump nun, zur Sanktionspolitik der Vorkriegszeit zurückzukehren“, erklärt Fischer.
Teheran reagiere seinerseits mit wirtschaftlichem Gegendruck. Staaten werden vor einer Beteiligung an den US-Sanktionen gewarnt; zugleich treibt das iranische Parlament Pläne für dauerhafte Durchfahrtsgebühren auf der Straße von Hormus voran. „Statt einer Deeskalation verhärten sich damit die Fronten“, so Fischer.
Für Anleger bleibt damit ein Umfeld aus höheren Energiepreisen, Inflation und Volatilität. Sicherheits-, Verteidigungs- und Energiewerte könnten taktisch interessant bleiben, während Gold angesichts der geopolitischen Risiken und der globalen Verschuldung als sicherer Hafen gefragt bleibt. Eine schnelle Lösung des Konflikts erwartet Fischer nicht: Dieser werde „eher zu einem Dauerzustand“ als zu einem bald lösbaren Ereignis.
Thorsten Fischer ist Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM, der Asset-Management-Tochter von Moventum S.C.A. Moventum ist seit 25 Jahren als unabhängiger Financial Service Partner für Finanzdienstleister und institutionelle Kunden tätig.
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