Wie sich internationale Finanzkrisen auf die Kreditvergabe auswirken

Reformvorschlag II

Die Finanzkrise von 2007 wurde bei allen Diskussionen darüber immer mit der Verschuldung der Staaten in Verbindung gebracht. Eine Kreditklemme für den Verbraucher wurde von Banken und anderen Institutionen, wie zum Beispiel der Schufa, stets bestritten. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass auch Privatpersonen während einer Finanzkrise bei Banken nur noch schwer Kredite bekommen. Von Dr. Marc Rupano*

Eine Folge der Finanzkrise vor elf Jahren waren beispielsweise neue EU-Richtlinien über Verbraucherkreditverträge, nach denen Banken ab 2013 Kredite an den Mittelstand und Privatpersonen mit wesentlich mehr Eigenkapital hinterlegen mussten. Der Bundesverband Deutscher Banken stellte damals fest, dass dies zuerst zu Einschränkungen im Bereich Innovationen und Neugründungen führt. Wer sich mit einer Geschäftsidee selbstständig machen will, kann nun mal keine faktischen, sondern nur prognostizierte Einnahmen in seinen Finanzplan schreiben. Das führt gerade in Zeiten von Finanzkrisen zu Bauchschmerzen bei den Kreditbeauftragten der Banken. Die Folge: Innovationen und Neugründungen bleiben aus, da Kredite abgelehnt werden.

Es kommt aber noch schlimmer: Eine internationale Finanzkrise führt immer zu einer Kreditklemme, und zwar nicht nur für Staaten, Großkonzerne und mittelständische Unternehmen, sondern bis zur Ebene der privaten Verbraucherkredite. Strengere Regeln bei der Kreditvergabe lösen einen Preis- und Mengeneffekt aus. Wenn Kredite teurer werden, werden sie auch in geringerem Umfang vergeben. Und das führt unweigerlich zu einer allgemeinen Kreditklemme.

Wenn der Geldmarkt ausdünnt
In solchen Phasen versuchen die Zentralbanken mit einer rigorosen Niedrigzinspolitik der Austrocknung des Geldmarktes entgegenzuwirken. Die Einführung der Bankenstresstests im Jahr 2009 und die verschärfte Beobachtung der Banken durch Rating-Agenturen wie Standard & Poor“s setzten die Institute damals zusätzlich unter Druck.

Das Misstrauen der Banken untereinander war groß, was dazu führte, dass sie sich weniger Geld liehen und der Geldmarkt mehr und mehr ausdünnte. Auch der nicht geringe Anteil an Staatsanleihen der EU-Staaten in den Depots fast aller europäischen Banken hing wie ein Damoklesschwert über den Geschäftsberichten, weil das Ausfallrisiko ohne Rettungsschirm unweigerlich zur Ausfalltatsache geworden wäre. Unternehmensverbände bemängelten damals, dass es für Unternehmen sehr viel schwieriger war, an langfristiges Kapital zu kommen.

Reformvorschlag I

Missverhältnis von Bonitätsanfragen und tatsächlicher Kreditvergabe
Laut Schufa-Daten wuchs das Verhältnis von Bonitätsanfragen und der tatsächlichen Kreditvergabe in den Jahren nach der Finanzkrise bis etwa 2015 kontinuierlich an. So standen zum Beispiel schon im ersten Halbjahr 2009 rund 9,5 Mio. Anfragen der Banken 4,1 Mio. bewilligten Ratenkrediten gegenüber. Damit wurden mehr als 50% der Kreditanfragen abgelehnt.

Der 2010 entlassene Schufa-Vorstandschef Rainer Neumann erklärte das damals gern mit einem wachsenden Sparverhalten der Verbraucher, weil sie vor Kreditaufnahme die Konditionen bei mehreren Banken vergleichen. Zugegeben, die zahlreichen Kreditvergleichsportale im Internet haben Verbrauchern den Vergleich von Konditionen für Verbraucherkredite enorm erleichtert. Kreditablehnungen lassen sich allerdings nur schwer mit einem Preisvergleich erklären, weil dieser zum Zeitpunkt der Anfrage schon längst geschehen ist. Kein Verbraucher kauft sich zwei Fernsehgeräte, um deren Preise zu vergleichen.

Zudem spricht der Anstieg der Verbraucherinsolvenzen in den Jahren nach der Finanzkrise eine andere Sprache: In Zeiten der Hochkonjunktur können Privatinsolvenzen oft mit einer Kreditaufnahme zur Umschuldung abgewendet werden. Leider gilt auch der Umkehrschluss. Finanzkrisen führen unweigerlich zu mehr Privatinsolvenzen, weil die Wellen einer Finanzkrise irgendwann auf die Realwirtschaft überschwappen und letztlich auch beim Verbraucher ankommen.

Fortsetzung nächste Seite