
In China scheinen sich derzeit nicht nur die volkswirtschaftlichen Rahmendaten einzutrüben, auch die Risiken am chinesischen Kapitalmarkt nehmen zu. Ein Novum gibt’s trotzdem: Allen Widrigkeiten zum Trotz emittierte der Daimler-Konzern als erster Ausländer überhaupt einen Corporate Bond in China.
Seit Montag darf der Yuan doppelt so stark schwanken wie zuvor. Und diese neue Freiheit hat die chinesische Währung auch gleich ausgenutzt – und zwar nach unten. Nach Ausweitung der Handelspanne ist der Yuan unter Druck geraten und hat bereits am ersten Tag gegenüber dem US-Dollar 0,5% verloren, Tendenz weiter fallend. Dies spiegelt die Skepsis wider, die Investoren mit Blick auf China inzwischen entwickelt haben. Denn nirgendwo auf der Welt sind Unternehmen so hoch verschuldet wie in China.
Und nun droht die Pleite einer großen Immobilienfirma, die wegen einer Verschuldung von umgerechnet 407 Mio. EUR in Schwierigkeiten steckt. Das drückt auf die Stimmung und damit auf die Kurse der Anleihen und Aktien von Immobilien-Unternehmen. Denn nachdem bisher insolvente Firmen vom Staat gerettet wurden, mehren sich nun die Anzeichen, dass Peking und die Provinzregierungen klammer Unternehmen, insbesondere in Branchen, die von Überkapazitäten geprägt sind, ihrem Schicksal überlassen werden.
Inzwischen liegen die Schwachstellen der chinesischen Wirtschaft bloß. So gelten die hohe Verschuldungsrate in China und besonders der Schattenbankensektor als großes Risiko für das Reich der Mitte. Standard & Poor’s beziffert die Schuldenquote auf inzwischen 213% der Wirtschaftsleistung, nach 140% im Jahr 2007.
Pioniergeist beweist unterdessen die Daimler AG. Als erster Ausländer emittierten die Stuttgarter eine Anleihe in China. Das Volumen des „Panda-Bonds“, der nur in China handelbar ist, ist mit umgerechnet 60 Mio. EUR zwar bescheiden. Dennoch leistet Daimler damit einen Beitrag zur Öffnung des chinesischen Kapitalmarkts für internationale Emittenten.
Mineralöl-Konzerne nutzen Kapitalmarkt
Der Primärmarkt war in dieser Woche von europäischen Emittenten geprägt. RCI Banque, die Bank des französischen Automobilherstellers Renault, emittierte eine 7-jährige, 500 Mio. EUR schwere Anleihe (A1ZE9S) mit Fälligkeit März 2021 und einem Kupon von 2,25%. Gepreist wurde die Anleihe bei 98 bp über Mid-Swap, was einem Emissionspreis von 99,501% entsprach.
Das französische Mineralölunternehmen Total emittierte eine 12-jährige Anleihe (A1ZE3F) mit Fälligkeit März 2026. Der Kupon beträgt 2,25%, das Volumen liegt bei 850 Mio. EUR. Die Anleihe wurde bei einem Kurs von 99,133% und somit bei 55 bp über Mid-Swap emittiert.
Der luxemburgische Stahlkonzern ArcelorMittal begab hingegen eine 5-jährige, 750 Mio. EUR schwere Anleihe (A1ZE3L) mit Fälligkeit März 2019 und einem Kupon von 3%. Gepreist wurde die Anleihe bei 210 bp über Mid-Swap. Der Emissionspreis wurde mit 99,648% festgeschrieben.
Und zu guter Letzt begab der niederländisch-britische Ölkonzern Royal Dutch Shell am gestrigen Mittwoch zwei Anleihen mit 7 und 12 Jahren Laufzeit. Beide Emissionen haben jeweils ein Volumen von 1 Mrd. EUR und wurden bei 33 bzw. 48 bp über Mid-Swap gepreist. Dies entsprach für die kürzere Laufzeit (XS1048521733) bei einem Kupon von 1,625% einem Kurs von 99,489% und bei der mit einem Kupon von 2,5% ausgestatteten lang laufenden Anleihe (XS1048529041) einem Kurs von 99,55%.
Klaus Stopp,
Leiter Skontroführung Renten, Baader Bank AG
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