Und was erlaube Solarnative? – drei Monate von der Emission bis zur Insolvenz

Anleiheemission im März, Insolvenz schon im Juni: Greentech-Unternehmen Solarnative GmbH stellte Insolvenzantrag in Rekordtempo.

Die Kanzlei Schirp und Partner prüfe Ansprüche gegen die Emissionsbegleiter One Square Financial Engineers und Heuking, lässt das Unternehmen verlauten.

Nur drei Monate nach dem Zeichnungsstart ihrer Anleihe (DE000 A38251 7) am 19. März stellte das deutsche Greentech-Unternehmen Solarnative GmbH den beschämenden Insolvenzantrag. Dieser rasante Übergang von der Emission zur Insolvenzanmeldung sorge im deutschen Kapitalmarkt für Bestürzung und werfe ernste Fragen hinsichtlich der organisatorischen und finanziellen Strukturen des Unternehmens auf, aber auch hinsichtlich der Sorgfalt der Emissionsbegleiter.

Die Anleihe, die mit einem vermeintlich attraktiven Zinssatz von bis zu 12,25% p.a. angeboten wurde, konnte zum Valutatag lediglich ein Volumen von 1,24 Mio. EUR platzieren – sehr zur Enttäuschung der Geschäftsführung. Dr. Julian Mattheis, Geschäftsführer von Solarnative, erläuterte in einem Interview am 20. März mit dem Anleihen-Finder, dass das Ziel der Emission darin bestanden habe, die Finanzmittel zur Skalierung der Produktion und zur Stärkung der Liquiditätsreserven zu verwenden, um die Produktionskapazitäten deutlich zu erhöhen.

Insolvenz in Rekordtempo bei Solarnative

Er betonte dabei, dass die Rückzahlungen der Anleihe sowie die Zinszahlungen durch den anfänglichen Einsatz eines Teils der Anleihemittel als Liquiditätspolster gesichert gewesen seien und ab dem nächsten Jahr durch operative Cashflows gedeckt werden sollten. Zusätzlich seien weitere Kapitalerhöhungen geplant gewesen, um die Eigenkapitalposition des Unternehmens zu stärken.

Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Schirp, der geschädigte Investoren vertritt: „Der Prospekt der Solarnative ist in mehreren Punkten eigenartig ausweichend formuliert. Zwar wird der aktuelle Finanzierungsbedarf mit 13 Mio. EUR angegeben, jedoch wird nicht angegeben, ob dieser Finanzierungsbedarf aus der Anleihe gedeckt werden kann oder sogar noch darüber hinausgeht. Auch hat man es versäumt, eine Mindestplatzierungssumme zu definieren. Dies wäre angesichts der offensichtlich akuten Existenzkrise der Solarnative erforderlich gewesen, um zu verhindern, dass das Geld der Kleinanleger von der ersten Sekunde an verloren war“.

Dr. Wolfgang Schirp

Auffällig sei auch, dass dies nicht die erste Emission sei, die von One Square Financial Engineers und Heuking Kühn Lüer Wojtek strukturiert und begleitet wurde und anschließend zeitnah in die Insolvenz steuerte. Zwar stellten die zweieinhalb Monate zwischen Emissionsende und Insolvenz bei Solarnative einen traurigen Rekord bei der Vernichtung von Anlegergeldern dar. Aber auch die von One Square Financial Engineers und Heuking strukturierten Emissionen der Medizintechnikunternehmen Belano Medical (DE000 A3H2UW 2) und Pentracor (DE000 A289XB 9) sowie des Wassertechnikanbieters Blueplanet Investments (DE000 A3H3F7 5) seien nach der Emission ihrer Anleihen sang- und klanglos in die Insolvenz gelaufen. Diese wiederholten Ereignisse deuten laut Schirp darauf hin, dass mehr dahinterstecke als nur das plötzliche Scheitern der Geschäftsideen der emittierenden Unternehmen.

Speziell bei Solarnative fordere Schirp Geschädigte auf, sich zu melden, da man in diesem drastischen Fall die Emissionsbegleiter konkret zur Rechenschaft zu ziehen beabsichtige.

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