
KI verändert die Finanzierung der Technologiebranche grundlegend – für Anleiheinvestoren eröffnen sich Chancen, aber auch erhebliche Risiken durch steigende Investitionsbudgets und Anschlussfinanzierungen.
Die Finanzierung des KI-Booms stellt die Unternehmensanleihemärkte vor neue Herausforderungen. Anleger sollten bei Neuemissionen besonders selektiv vorgehen und auf die Finanzierungsstruktur sowie eine angemessene Risikoprämie achten, meint Andrzej Skiba, Head of US Fixed Income bei RBC BlueBay Asset Management.
Denn die Investitionsausgaben der Hyperscaler steigen weiter. Allein die KI-bezogenen Capex könnten in diesem Jahr bereits 1 Bio. USD erreichen und 2027 noch höher liegen. Ohne größere Kapitalerhöhungen müssen die Ausgaben über interne Cashflows und zunehmend über Fremdkapital finanziert werden.
Dabei hat sich die Stimmung am Markt zuletzt gedreht. Während Anleger anfangs positiv auf die Erschließung zusätzlicher Finanzierungsquellen und insbesondere auf Googles umfangreiche Kapitalerhöhung reagiert hätten, seien die Sorgen über die weiter steigenden Investitionsbudgets zurückgekehrt. Andere Hyperscaler setzten stattdessen verstärkt auf Anleiheemissionen, Kredite für Rechenzentren und GPU-Finanzierungen.

Emissionen von Hyperscalern: die Investitionsbudgets steigen, auch Anschlussfinanzierungen nehmen zu
Die Folge ist ein Ausverkauf von KI-bezogenen Anleihen – sowohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Segment. Emittenten müssten inzwischen höhere Zinsen bieten, um neue Anleihen am Markt zu platzieren. Das wiederum führe zu einer Neubewertung der Spreads bestehender Papiere. Angesichts der weiterhin umfangreichen Emissionspipeline dürfte dieser Prozess noch einige Zeit anhalten.
Fundamental ist die Lage der Technologieunternehmen allerdings weniger problematisch. KI verbreitet sich weiter, die Auftragslage ist robust und die Umsätze entwickeln sich bislang stark. Das eigentliche Problem liegt vielmehr in den immer höheren Erwartungen an die künftigen Investitionsausgaben und damit an den Kapitalbedarf.
Skiba erwartet deshalb für Vermögenswerte mit KI-Bezug längere Phasen erhöhter Volatilität. Für Anleger könne daraus jedoch eine interessante Gelegenheit entstehen: Wer Bonitätsrisiken sorgfältig prüfe, ein diversifiziertes Portfolio aufstelle und bei den Finanzierungsstrukturen genau hinschaue, könne von attraktiveren Bewertungen profitieren.
Entscheidend sei dabei insbesondere, das Anschlussfinanzierungsrisiko zu begrenzen und sich für das eingegangene Risiko ausreichend bezahlen zu lassen. Gerade angesichts der bevorstehenden Flut neuer Transaktionen werde eine konsequente Selektion wichtiger.
Andrzej Skiba ist Head of US Fixed Income bei RBC BlueBay Asset Management. Der Asset Manager gehört zur RBC-Gruppe und ist auf aktive Anlagestrategien über verschiedene Fixed-Income- und weitere Anlageklassen spezialisiert.
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