
Patrick Lemcke-Braselmann, CEO der aream Group, sieht Speichersysteme als Schlüssel gegen extreme Strompreisspitzen am Abend.
Die jüngste Hitzewelle hat nach Einschätzung von Patrick Lemcke-Braselmann, CEO der aream Group, eine strukturelle Veränderung am Strommarkt offengelegt. Entgegen der klassischen Markterwartung seien die Strompreise tagsüber trotz hoher Nachfrage niedrig geblieben. Ursache sei der hohe Beitrag der Photovoltaik, die im Juni mit rund 30% einen Rekordanteil am deutschen Strommix erreicht habe.
Während tagsüber Solarstrom die Preise am Day-Ahead-Markt vielfach unter 100 EUR je Megawattstunde hielt, änderte sich das Bild nach Sonnenuntergang grundlegend. Dann mussten Gaskraftwerke kurzfristig einspringen, wodurch die Strompreise auf 600 bis 800 EUR je Megawattstunde anstiegen. Nach Einschätzung von Lemcke-Braselmann liegt dies weniger an gestiegenen Brennstoffkosten als an den hohen Start- und Betriebskosten der Gaskraftwerke, die sich auf wenige Betriebsstunden konzentrieren.
Für den CEO der aream Group entstehen dadurch zwei klar voneinander getrennte Preiswelten: günstiger Solarstrom am Tag und teurer Spitzenstrom am Abend. Genau dieser Preisunterschied eröffne Batteriespeichern erhebliche wirtschaftliche Potenziale. Sie könnten überschüssigen Solarstrom zwischenspeichern und gezielt während der Abendstunden einspeisen. Dadurch ließen sich sowohl die Erlöse von Photovoltaikanlagen steigern als auch teure Gaskraftwerke teilweise ersetzen.
Nach vorläufigen Berechnungen habe die sogenannte Capture Rate von Solaranlagen im Juni bereits rund 60% erreicht. Durch den Einsatz von Speichern könne dieser Wert weiter verbessert werden, da Strom nicht mehr zu Niedrigpreisen vermarktet, sondern zeitversetzt in Hochpreisphasen abgegeben werde. Gleichzeitig würden Verbraucher von sinkenden Spitzenpreisen profitieren.
Lemcke-Braselmann verweist zudem auf den erheblichen Ausbaubedarf. Europa müsse seine Speicherkapazität bis 2030 von derzeit rund 77 auf etwa 750 GWh nahezu verzehnfachen. Deutschland nehme dabei aufgrund des hohen Anteils erneuerbarer Energien eine Schlüsselrolle ein.
Aus Sicht des aream-CEO hat die Hitzewelle damit weniger ein Versorgungsproblem als vielmehr die wachsende Bedeutung von Batteriespeichern verdeutlicht. Photovoltaik könne die Strompreise tagsüber bereits wirksam dämpfen. Ob sich künftig auch die extremen Preisspitzen am Abend glätten lassen, werde maßgeblich vom Ausbau der Speicherinfrastruktur abhängen.
Die aream Group entwickelt und verwaltet Infrastrukturprojekte im Bereich Erneuerbare Energien. Das Unternehmen deckt die gesamte Wertschöpfungskette von Projektentwicklung über Asset Management bis zum Energiehandel ab und fokussiert sich auf Windkraft-, Solar- und Batteriespeicherprojekte.
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