
Der FC Schalke 04 bleibt auch finanziell auf Ballhöhe: Die beiden ausstehenden Anleihen sollen möglichst umfangreich in die neue getauscht werden, damit der S04 für weitere fünf Jahre erst einmal Planungssicherheit hat – BondGuide dazu im Gespräch mit Vorständin Christina Rühl-Hamers.
BondGuide: Frau Rühl-Hamers, wem gehört eigentlich der FC Schalke 04?
Rühl-Hamers: Die Rechtsform ist ein eingetragener Verein, oberster Souverän sind also unsere eingetragenen Mitglieder. Inzwischen haben wir mehr als 200.000 Mitglieder und zählen damit zu den mitgliederstärksten Fußballvereinen Europas. Natürlich kommen nicht alle Mitglieder zu einer Mitgliederversammlung in Präsenz. Wir rechnen jetzt Mitte November mit 3.500 bis 6.000 Fans, die zur Mitgliederversammlung in die Arena kommen.
BondGuide: Apropos VELTINS-Arena: Das Stadion wurde 2001 eröffnet – steht also seit mehr als zwei Jahrzehnten. Sind hier größere Modernisierungen notwendig?
Rühl-Hamers: 2026 feiern wir das 25-jährige Bestehen der VELTINS-Arena – ein besonderes Jubiläum, auch aus wirtschaftlicher Sicht. Über diesen Zeitraum haben wir das Stadion in unserer HGB-Bilanz abgeschrieben, die entsprechenden Abschreibungen entfallen damit künftig und verschaffen uns beim Eigenkapital etwas Luft. Geplant ist selbstverständlich eine deutlich längere Nutzung, schließlich haben wir unser ‚Wohnzimmer‘ über die Jahre kontinuierlich gepflegt und instandgehalten. Die Prüfungen vor der Europameisterschaft 2024 haben gezeigt, dass die Arena in einem Top-Zustand ist. Zur aktuellen Saison kam etwa ein zusätzlicher VIP-Bereich oberhalb der legendären Nordkurve hinzu. Dank des schließbaren Dachs ist die Arena zudem kaum der Witterung ausgesetzt. Man sieht ihr das Alter nicht an – und ich bin überzeugt, dass wir hier noch viele Jahre Fußball spielen werden.
BondGuide: Und dann sind da noch viele andere Events, die in der Arena stattfinden.
Rühl-Hamers: Genau – unser Stadion ist eine echte Multifunktionsarena. In der VELTINS-Arena finden nicht nur Fußballspiele, sondern auch Konzerte und zahlreiche weitere Veranstaltungen statt. So diente die Arena in der vergangenen Champions-League-Saison sogar als Ausweichspielstätte für den ukrainischen Erstligisten Schachtar Donezk. Das unterstreicht ihre Bedeutung weit über den Fußball hinaus – und macht sie auch wirtschaftlich zu einem wichtigen Standbein des FC Schalke 04. In der Saison 2024/25 durften wir rund 2,5 Mio. Besucherinnen und Besucher in der VELTINS-Arena begrüßen – bei 28 Sportevents, 13 Konzerten und etwa 800 Firmenevents.
BondGuide: 2025 hat auch Schalke eine sogenannte Fördergenossenschaft gegründet. Können Sie uns das Prinzip und die Zielsetzung erläutern?
Rühl-Hamers: Der FC Schalke 04 hat mit der Pandemie und dem parallelen Abstieg in die 2te Bundesliga zweifellos eine herausfordernde Zeit hinter sich. Auch wenn die Entwicklung inzwischen positiv verläuft, tragen wir weiterhin negatives Eigenkapital vor uns her. Die Gründung der Fördergenossenschaft war ein wichtiger Schritt auf dem Weg der finanziellen Stabilisierung – sie kann sowohl das Eigenkapital als auch die Liquidität stärken. Für uns als eingetragenen Verein gibt es nicht viele Instrumente dieser Art. Die Genossenschaft ist rechtlich eigenständig, ihr Zweck laut Satzung jedoch eindeutig: den FC Schalke 04 zu unterstützen. Eine Rendite im klassischen Sinne steht dabei nicht im Vordergrund – vielmehr geht es um emotionale Teilhabe. Die Förderer fühlen sich als Mitbesitzer des Vereins. Entscheidend ist das gemeinsame Bekenntnis – und 8.000 Genoss:innen, die zusammen 8 Mio. EUR eingebracht haben, sprechen eine klare Sprache.
BondGuide: Kommen wir zum Sportlichen, das zwangsläufig eng verknüpft ist mit dem Finanziellen: Was ist in der laufenden Saison anders: Waren die Verpflichtungen von Sportvorstand Frank Baumann und von Cheftrainer Miron Muslic goldrichtige Entscheidungen?
Rühl-Hamers: Natürlich hängen sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg eng zusammen – aber die Entwicklung der laufenden Saison ist mehr als das Ergebnis zweier Personalentscheidungen. Die einfache Lesart ist: Frank Baumann kam nach erfolgreicher Arbeit bei Werder Bremen zum FC Schalke 04 und verpflichtete Miron Muslic als neuen Cheftrainer. Doch diesem Schritt ging ein längerer Prozess voraus. Matthias Tillmann und ich haben uns gemeinsam intensiv gefragt, wie es zu dem Absturz von den Champions-League-Plätzen über zwei Abstiege bis hin zu Platz 14 in der vergangenen Saison kommen konnte. Unsere Analyse ergab, dass die Leistungskultur im Kader über Jahre hinweg erodiert war – auch, weil es zu viele Trainerwechsel gegeben hatte. Jeder neu eingesetzte Coach musste mit der Vorgeschichte seiner Vorgänger arbeiten.
BondGuide: Also mussten Sie etwas grundsätzlicher herangehen.
Rühl-Hamers: Dafür haben wir uns bewusst die Zeit genommen: Wie soll Schalke 04 künftig spielen? Welche Art von Spielern braucht es dafür? Gemeinsam mit Frank Baumann haben wir Daten, Profile und Charaktermerkmale ausgewertet, die zu dieser Spielidee passen. Daraus ergab sich die nächste Frage: Welcher Trainer steht für genau diesen Ansatz? In fast allen Shortlists tauchte derselbe Name unter den Top 3 auf: Miron Muslic. Seine Art, Fußball zu denken und eine Mannschaft zu führen, hat uns überzeugt. Dass wir für ihn sogar eine kleine Ablösesumme gezahlt haben, zeigt, wie wichtig uns diese Entscheidung war.

Mit ihm kehrte nicht nur Ruhe ein, sondern auch der sportliche Erfolg kam zurück: Trainer Miron Muslic
BondGuide: Also mit anderen Worten: Sportlicher Erfolg lässt sich doch planen – vielleicht ein wenig?
Rühl-Hamers: Unsere aktuelle Tabellenposition überrascht mich nicht völlig – schließlich hatten wir einen langen Vorlauf und haben inhaltlich viel Vorarbeit geleistet. Überrascht hat mich eher, wie schnell sich der Erfolg nach dem Umbruch eingestellt hat. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Besonders freut mich, dass regelmäßig Talente aus der Knappenschmiede den Sprung zu den Profis schaffen und von Miron Muslic behutsam an das Niveau herangeführt werden. Insofern: Ja, im Moment läuft alles nach – oder sogar über – Plan.
BondGuide: Die Geschäftszahlen in der vergangenen Woche brachten keine Überraschungen. Läuft auch hier alles nach Plan?
Rühl-Hamers: Im Grundsatz stimmt das – die Zahlen entsprechen unseren Erwartungen. Trotz einer sportlich eher durchwachsenen Saison haben wir einen Jahresüberschuss von 5,5 Mio. EUR erzielt. Damit setzen wir unseren finanziellen Stabilisierungskurs konsequent fort und konnten das wirtschaftlich negative Eigenkapital weiter reduzieren – es liegt inzwischen bei unter 100 Mio. EUR. Das zeigt: Wir sind auf einem guten Weg, bleiben diszipliniert und arbeiten Schritt für Schritt daran, die finanzielle Basis des Vereins weiter zu stärken.
BondGuide: Zur neuen Schalke-Anleihe: Sie planen einen jährlichen Kupon von 6,5%. Kann die Finanzvorständin mit dem neuen, leicht höheren Kupon für die nächsten Jahre gut leben?
Rühl-Hamers: Unsere Anleihe von 2021 hat ein Volumen von rund 16 Mio. EUR und einen Kupon von 5,75%, die von 2022 rund 34 Mio. EUR und 5,5%. Natürlich ist der aktuelle Kupon mit 6,5% jetzt etwas höher, aber die Vorteile überwiegen und wir haben dadurch wieder Planungssicherheit für die nächsten fünf Jahre. Im Fokus stehen für uns die Rückzahlung der bereits Mitte nächsten Jahres endenden Anleihe sowie die Reduzierung der Bullet-Fälligkeit der im übernächsten Sommer auslaufenden Anleihe. Wir setzen daher auf einen umfangreichen Umtausch in unsere Refinanzierungsanleihe und haben sie entsprechend attraktiv gestaltet. Neben dem höheren Kupon haben wir auch wie bei der letzten Anleihe wieder den Aufstiegsbonus ausgelobt: eine einmalige Sonderzahlung von 1,5% bei einem Aufstieg in die 1ste Bundesliga, um alle am möglichen Erfolg teilhaben zu lassen.
BondGuide: Warum ist eine börsennotierte Anleihe im aktuellen Marktumfeld für Schalke das passende Finanzierungsinstrument?
Rühl-Hamers: Wir haben in den vergangenen 13 Jahren sehr gute Erfahrungen mit Unternehmensanleihen am Kapitalmarkt gemacht. Seit 2012 haben wir bereits fünf Anleihen erfolgreich begeben und alle Verpflichtungen daraus vollständig erfüllt. Eine börsennotierte Anleihe bietet uns gleich mehrere Vorteile: Wir bleiben unabhängiger als bei klassischer Bankfinanzierung und können die Konditionen so gestalten, dass sie sowohl für uns als auch für die Anleger attraktiv sind. Gleichzeitig können wir zwei Zielgruppen ansprechen: unsere treue Fanbasis und professionelle Investoren. Mit unserem Angebot erreichen wir Fans, Mitglieder und Kleinanleger ebenso wie institutionelle Anleger.
BondGuide: Frau Rühl-Hamers, dann hoffen wir mal, dass Schalke weiter attraktiv spielt, obendran bleibt und Sie schlussendlich schon zeitnah den Aufstiegsbonus werden zahlen müssen – alle würden damit gut leben können!
Interview: Falko Bozicevic
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